Locked-in-Patienten (also Menschen, die oft nach einem Gehirnschlag bewusst bleiben, aber sprach- und bewegungsunfähig geworden sind) erhalten eine neue Chance. Forscher der Universität Marburg haben eine einfache Vorrichtung entwickelt, bestehend aus einem Laptop und einer Kamera. Damit messen sie die Pupillengrösse und können daraus «ja» oder «nein» interpretieren. Ihre Methode, in der Fachzeitschrift «Current Biology» beschrieben, stützt sich einzig darauf, dass sich die menschliche Pupille bei geistiger Anstrengung verändert. Spezialausrüstung oder aufwendiges Training ist nicht nötig. Und für die Patienten werden sogar Kommunikationsmittel wie Blinzeln überflüssig. Stattdessen soll die unbewusste Pupillenreaktion sogar Menschen die Kommunikation ermöglichen, die sämtlicher Steuerungsmöglichkeiten beraubt sind.

Pupille reagiert beim Denken

«Es ist bemerkenswert, dass ein scheinbar so einfaches physiologisches System wie das der menschlichen Pupille über eine so grosse Bandbreite an Reaktionen verfügt, dass es eine so komplexe Aufgabe wie Kommunikation erfüllen kann», sagt der Marburger Neurophysiker Wolfgang Einhäuser-Treyer, Mitautor der Studie. Zuerst testete das Forscherteam die Methode an sechs gesunden Probanden: Sie erhielten 30 unterschiedliche Fragen gezeigt. Zeigte der Bildschirm auf eine Frage die richtige Antwort «ja» oder «nein», mussten sie ein bestimmtes mathematisches Problem lösen. Erschien die falsche Antwort, konnten sie das Rechnen unterlassen.

Die mentale Anstrengung beim Lösen der Rechenaufgabe verursachte automatisch eine Pupillenvergrösserung. Diese konnten die Wissenschafter mittels einer Kamera messen und in eine korrekte Antwort auf Fragen wie «Sind Sie 20 Jahre alt?» übersetzen. Dabei spielte es keine Rolle, ob das richtige Ergebnis errechnet wurde: Die Mathe-Aufgabe diente den Probanden lediglich als Möglichkeit, durch die geistige Anstrengung ihre Pupille zu verändern. Als Nächstes testete das Forscherteam den Pupillenreaktionsalgorithmus an sieben Probanden mit einem Locked-in-Syndrom nach einem Gehirnschlag. In einer Vielzahl von Fällen konnten sie tatsächlich anhand der Pupillenreaktionen eine Antwort erkennen.

Test funktioniert auch im Koma

Sogar bei einem Patienten im minimalen Bewusstseinszustand, der zu keiner erkennbaren Kommunikation fähig war, zeigte sich, dass er die Aufgaben zu lösen versuchte. Andere Kommunikationsmethoden, wie beispielsweise per Hirnstrommessung, sind kompliziert. Die in Marburg entwickelte Methode soll einfach einzusetzen sein: sie benötige keine kostenintensive Spezialausrüstung, sondern lediglich Kamera und Laptop.