Immer mehr Menschen liegen in der Nacht stundenlang wach, wälzen sich in ihrem Bett hin und her, finden keine Ruhe. Schlafstörungen haben sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Volksleiden entwickelt: Jede dritte Person in der Schweiz leidet an Schlafmangel. Das kann schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft und Wirtschaft haben. Ein bekanntes Beispiel ist der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986, der auf eine Übermüdung der diensthabenden Sicherheitsmannschaft zurückzuführen war, die im Ernstfall falsch reagiert hatte.

Ein gesunder Schlaf wertet also nicht nur das Lebensgefühl auf, sondern rettet auch Leben. Um diesem Ideal einen Schritt näher zu kommen, hat der Forschungsverbund Hochschulmedizin Zürich, dem unter anderem die Universität Zürich und die ETH angehören, sein neues Projekt «SleepLoop» lanciert. Die Idee basiert darauf, die Hirnwellen von ruhenden Menschen mit einer Art Stirnband zu messen und das Gehirn mit Tönen zu stimulieren. Dies soll dafür sorgen, dass die Nervenzellen zeitlich besser synchronisiert werden, was den Schlaf vertieft und damit die Schlafqualität steigert. Es ist aber auch das Gegenteil möglich: Trifft das akustische Signal nämlich zum falschen Zeitpunkt ein, wird der Schlaf oberflächlicher.

Auditive Stimulation ist an sich nichts Neues. Im Schlaflabor der Universität Zürich wird seit geraumer Zeit damit experimentiert. Allerdings müssen Forschende das Elektroenzephalogramm (Messung der elektrischen Aktivitäten des Gehirns) von Probanden während der ganzen Nacht kontinuierlich überwachen, die richtigen Schlafphasen erkennen und dann die Töne zur Stimulation anpassen, damit der Proband nicht aufwacht. «Das ist schwierig und aufwendig», sagt Walter Karlen, Professor für mobile Gesundheitssysteme der ETH Zürich.

Bei «SleepLoop» werden die Hirnwellen mit einem Stirnband gemessen und automatisch ausgewertet. So kann das Gehirn des Nutzers zum richtigen Zeitpunkt mit Schwingungen stimuliert werden. In der ersten Projektphase will Walter Karlen zusammen mit seinem Team das Schlafverhalten von Senioren untersuchen. «Gerade ältere Menschen klagen oft über Schlafstörungen. Wir möchten deshalb herausfinden, ob auch sie von der auditiven Stimulation profitieren», sagt er.

Ab Januar werden die ETH-Forschenden die Probanden mit «SleepLoop»Geräten ausstatten. Es geht neben der Erhebung von Daten zum Schlaf von älteren Menschen auch darum, die Bedienbarkeit der Geräte zu testen und zu optimieren.