Rassismus

Frau verklagt Universität Harvard wegen Sklavenfotos

Poster mit den Fotos der Sklaven Renty und Delia. Eine angebliche Nachfahrin der beiden verklagt die Uni Harvard, weil sie die Persönlichkeitsrechte der beiden verletzt hat.

Poster mit den Fotos der Sklaven Renty und Delia. Eine angebliche Nachfahrin der beiden verklagt die Uni Harvard, weil sie die Persönlichkeitsrechte der beiden verletzt hat.

Harvard droht ein Prozess um historische Fotografien. Eine Frau reichte am Mittwoch Klage ein, weil die Elite-Universität die vom Schweizer Rassenhygieniker Louis Agassiz in Auftrag gegebenen Aufnahmen zweier Sklaven verbreitet, die ihre Vorfahren gewesen sein sollen.

Da die Bilder nach Angaben der Klägerin gegen den Willen der beiden aufgenommen wurden, wirft sie der Universität Ausbeutung vor.

Tamara Lanier aus dem Bundesstaat Massachusetts ist nach eigenen Angaben eine Nachfahrin der beiden Sklaven, von denen lediglich die Vornamen bekannt sind: Renty und seine Tochter Delia seien "ohne Zustimmung, Würde oder Bezahlung" fotografiert worden, heisst es in der Klageschrift.

Die Nacktaufnahmen waren im Jahr 1850 in South Carolina entstanden. Ein damals berühmter Harvard-Wissenschaftler, der Schweizer Biologe Louis Agassiz, hatte sie in Auftrag gegeben. Ausgehend von der These, Schwarze und Weisse seien je in getrennten göttlichen Schöpfungsakten entstanden, postulierte Agassiz im Aufsatz "The Diversity of Origin of the Human Races" eine Rassenhierarchie, nach der dunkelhäutige Menschen eine niedrige, kulturunfähige Rasse darstellten, nur zu einfachen Arbeiten fähig seien und auch entsprechend behandelt werden müssten.

Gemäss Klageschrift wollte Agassiz mit den Aufnahmen "die grundsätzliche biologische Minderwertigkeit schwarzer Menschen 'beweisen'". Lanier wirft Harvard vor, sich im Gegensatz zu anderen Hochschulen in den USA nie mit seiner Rolle zu Zeiten der Sklaverei auseinandergesetzt zu haben.

Nacktbilder als Buchcover

Die Fotos befinden sich derzeit in einem Museum in der Nähe der Universität. Sie gelten als die frühesten bekannten Aufnahmen von Sklaven in den USA. Die Hochschule hatte eines der Motive unter anderem als Titelbild eines 2017 veröffentlichten Buches verwendet und dieses zum Stückpreis von 40 Dollar verkauft.

Lanier wirft der Uni vor, von der "systematischen Unterwanderung der Eigentumsrechte schwarzer Amerikaner" zu profitieren. Sie fordert die Herausgabe der Fotos, ein Schuldeingeständnis der Hochschule und Entschädigungszahlungen in unbekannter Höhe. Ausserdem solle Harvard Lanier als Nachfahrin von Renty und Delia anerkennen.

Harvard wollte die Vorwürfe vorerst nicht kommentieren. Die Klage sei ihr noch nicht zugestellt worden, erklärte die Universität.

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