Leben in unserer kosmischen Nachbarschaft Ausserirdische? Diese Frage dürfte in den nächsten Monaten und Jahren zunehmend diskutiert werden – nicht nur von Spinnern, die an UFOs und Alien-Entführungen glauben, sondern auch von serösen Wissenschaftern. Zumindest dann, wenn die Forscher recht behalten, die nun gemäss dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» eine spektakuläre Entdeckung gemacht haben.

Sie wollen einen erdähnlichen Planeten gefunden haben, der um unseren Nachbarstern Proxima Centauri kreist. Und zwar in der genau richtigen Distanz, sodass auf der Oberfläche des Himmelskörpers flüssiges Wasser und damit Leben existieren könnte. Die Auswertungen der europäischen Südsternwarte (Eso) seien bereits abgeschlossen und würden Ende August öffentlich bekannt gegeben.

«Die Entdeckung einer zweiten Erde im Sternensystem von Proxima Centauri wäre eine Sensation», sagt Willy Benz, Leiter des «Center of Space and Habitability» der Universität Bern. Er mahnt aber zu Vorsicht. Solange die Forschungsergebnisse nicht publiziert und von der Wissenschaftsgemeinschaft geprüft worden seien, blieben sie spekulativ.

Planeten im Weltraum sind keine Seltenheit: Mittlerweile haben Astronomen über 3000 sogenannte Exoplaneten gefunden – also Planeten, die um ihre Sterne kreisen. Schätzungen zufolge werden 50 bis 80 Prozent der Sterne von mindestens einem Exoplaneten umrundet. Die meisten davon sind aber riesige Gasplaneten, auf denen kein Leben existieren kann.

«Eine Zwillingserde in unserem benachbarten Solarsystem wäre das Beste, was uns Astrophysikern passieren könnte», sagt Benz. Je näher sich ein Objekt befindet, desto besser lässt es sich untersuchen. Wobei Nähe hier natürlich relativ ist. Proxima Centauri befindet sich 4,2 Lichtjahre von uns entfernt.

Auch kann man den neuen, noch namenlosen Planeten auch mit dem besten Teleskop der Welt nicht direkt beobachten, da er von seinem Stern überstrahlt wird. Die Forscher haben die Existenz des Exoplaneten indirekt mittels der sogenannten Radialgeschwindigkeitsmethode nachgewiesen. Bei dieser Methode wird der Stern auf winzige Wackelbewegungen hin untersucht. Es handelt sich dabei um die Ausgleichsbewegung des Sterns, die durch einen Planeten hervorgerufen wird, dessen Schwerkraft an ihm zerrt. Je grösser die Bewegung, desto schwerer ist der Planet.

Allerdings kann mit dieser Methode nicht der Radius oder die Masse des Planeten ermittelt werden. Damit dürfte es auch schwierig sein, zu bestimmen, ob es sich tatsächlich um einen steinigen Planeten handelt wie die Erde oder einen Gasplaneten wie den Jupiter. Nichtsdestotrotz: Bestätigt sich, dass sich der neu entdeckte Exoplanet in der bewohnbaren Zone befindet, wäre es ein vielversprechender Kandidat für mögliches ausserirdisches Leben.

Der Fingerabdruck des Planeten

Der Nachweis von Ausserirdischen liesse sich wiederum nur indirekt bewerkstelligen, indem man die Atmosphäre des Exoplaneten auf Spuren untersucht, die von Lebewesen stammen müssen.

Mit den heutigen Teleskopen ist das noch nicht möglich. Doch bereits 2018 wird das James-Webb-Teleskop in die Erdumlaufbahn geschossen. Damit lässt sich der «spektrale Fingerabdruck» einiger Planeten analysieren. Das Sternenlicht, das vom Planeten reflektiert oder gefiltert wird, verändert sich, je nach dem, welche Gase sich in der Atmosphäre befinden. So kann die Zusammensetzung der Atmosphäre entschlüsselt werden. Findet man sowohl Spuren von Sauerstoff als auch von Methan, so wäre das ein klarer Hinweis auf Leben. Denn normalerweise reagiert Methan mit Sauerstoff zu Wasserdampf und Kohlendioxid. Es müsste also irgendwelche Organismen geben, welche die beiden Gase laufend nachproduzieren.

Doch wäre das wirklich ein Beweis für Leben oder bloss ein Indiz? «Darüber würde dann wohl ein intensiver Expertenstreit ausbrechen», prophezeit Benz. Letztlich ist unser Wissen über die Entstehung von Leben noch ziemlich begrenzt. Und vor allem kennen wir nur eine Form von Leben – nämlich jene, wie sie auf der Erde vorherrscht.

Sehr schwierig dürfte es auf jeden Fall sein, den Planeten zu besuchen, um nachzuschauen, ob dort wirklich Ausserirdische leben. Mit einer konventionellen Raumsonde bräuchten wir 80 000 Jahre bis zu unserem Nachbarstern.