Asteroid 2014 XJ3 ist garantiert kein Jüngling. Die Weltallbrocken sind Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. In der Gesellschaft entdeckter Near Earth Objects (NEO) ist 2014 VQ allerdings eines der jüngsten Mitglieder. Am 3. Dezember dieses Jahres erspähte ihn der Teleskopenverbund PAN-STARRS 1 auf dem Berg Haleakala auf Hawaii. 2014 XJ3 ist zwischen 190 und 590 Meter gross und zieht am 26. Dezember um 4.19 Uhr in fast fünf Millionen Kilometer Entfernung an der Erde vorbei. 

Das tönt zwar nach einer grossen Distanz, ist es aber nicht: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa stuft 2014 XJ3 als potenziell gefährlichen Asteroiden ein – er könnte der Erde irgendwann einmal in die Quere kommen. Derzeit werden 1523 Asteroiden als mögliche Gefahr eingeschätzt. Diese Brocken haben einen Durchmesser von mindestens 150 Metern und kommen der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne näher als 7,5 Millionen Kilometer. Solche Trümmer könnten bei einer Kollision ganze Grossstädte dem Erdboden gleichmachen.

Auch wenn wir es nicht merken: Täglich kollidieren Tausende Weltallbummler mit der Erde. Sie sind meist so klein, dass sie bereits dort oben verglühen. Ein Zusammenstoss mit einem Ungetüm, das die ganze Menschheit auslöschen könnte, kommt laut Ben Moore von der Universität Zürich aber nur ungefähr alle 50 Millionen Jahre vor. Aber Achtung: «Eine solche Kollision ist statistisch gesehen längst überfällig», sagt der Astrophysiker und Autor zweier populärwissenschaftlicher Bücher. Denn der letzte Einschlag von diesem Ausmass raffte vor 65 Millionen Jahren 95 Prozent aller Lebewesen, inklusive der Dinosaurier, dahin. Ob es ein Asteroid oder ein Komet war, ist nicht bekannt. Sein Durchmesser hingegen schon: zwischen 10 und 15 Kilometern.

Entwarnung – aber nur vorerst

Müssen wir uns nun Sorgen machen? Nur ein bisschen. «Von den erdnahen Objekten, die wir kennen, wird in den nächsten 200 Jahren keines mit uns zusammenstossen», sagt Moore. Von den Himmelskörpern mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer stehen bereits 95 Prozent unter Beobachtung. Allerdings ist bis heute nur ein Prozent sämtlicher erdnahen Weltallbummler erfasst – wo sich die kleineren Brocken mit nur ein paar Meter Durchmesser tummeln, wissen wir also nicht.

Doch auch diese Objekte können immensen Schaden anrichten: Der Meteorit, der letztes Jahr über dem russischen Tscheljabinsk explodierte und durch berstende Fensterscheiben mehr als 1000 Menschen verletzte, war nur gerade 17 Meter gross. Meteoriten werden jene Himmelskörper genannt, die deutlich kleiner als Asteroiden sind und durch die Erdatmosphäre brechen. Ein Einschlag dieser Grössenordnung kommt etwa alle 100 Jahre vor.

Am 15. Februar schlug ein Meteorit in Tscheljabinsk ein

Am 15. Februar schlug ein Meteorit in Tscheljabinsk ein

Dem Aufspüren erdnaher Objekte haben sich zwar mehrere Organisationen verschrieben, noch gleicht die Suche aber mehr einem blinden Tappen im All, wie das Beispiel der Nasa zeigt. Mit ihrem Near Earth Object Program will sie bis ins Jahr 2020 90 Prozent aller erdnahen Brocken mit einem grösseren Durchmesser als 150 Meter finden. Seit 1995 erblickten ihre Teleskope zwar über 11 000 solcher Objekte. Aus einem dieses Jahr veröffentlichten Bericht geht allerdings hervor, dass das nur gerade zehn Prozent sind, und dass die Raumfahrtbehörde ihr anvisiertes Ziel verfehlen wird.

Auch wie wir uns gegen einen Himmelskörper auf Kollisionskurs wappnen können, wurde laut Moore erst spärlich erforscht. Mit einer möglichen Asteroidenabwehr beschäftigt sich unter anderem das europäische Forschungsprojekt «NEOShield», an dem auch die Schweiz beteiligt ist und das bis Mitte 2015 läuft.

Sollte tatsächlich ein gigantischer Brocken Kurs auf uns nehmen, müssten die Grossmächte USA, Russland und China laut Moore zusammenarbeiten, um die Gefahr abzuwenden. «Vielleicht würde ein solches Ereignis sogar zu mehr Frieden zwischen den Weltvölkern führen.»