Dass wir Werbung zumindest unterbewusst wahrnehmen und sie so unser Kaufverhalten beeinflusst, haben Forscher längst festgestellt.

Auch die Wirkung von Zeitungsartikeln und Nachrichtensendungen auf die politische Meinungsbildung wurde untersucht und gilt heute als Fakt.

Doch wie sieht das im Bereich der Fiktion aus? Beeinflussen auch Spielfilme, Fernseh-Serien oder gar Zeichentrickfilmen unsere Ansprüche an die Politik?

Simpsons als Meinungsmacher

Wenn es nach einer Studie der Universität im deutschen Bamberg geht, lautet die Antwort: Ja. Dort hat der Medienwirkungsforscher Carsten Wünsch ein ungewöhnliches Experiment über mehrere Monate durchgeführt.

Er zeigte seinen Studenten verschiedene Folgen des US-amerikanischen Zeichentrickserie „The Simpsons“ und liess sie anschliessend Fragen zur deutschen Politik beantworten.

Die preisgekrönte Erfolgsserie um den sympathischen Anti-Helden Homer Simpson nimmt bereits seit 25 Jahren das alltägliche Leben in den USA und ihre sozialen Phänomene aufs Korn.

Andere Szenen, andere Prioritäten

Das Ergebnis des Experiments ist verblüffend. Die Beurteilung der Studenten über die Arbeit von Polit-Akteuren fiel unterschiedlich aus – je nachdem, welche Simpsons-Folge zuvor gezeigt wurde.

Explodierte in der Episode beispielsweise beinahe ein Atomkraftwerk, war den Studenten beim Ausfüllen der Fragebogen die Umweltpolitik ihrer Bundeskanzlerin Angela Merkel ein besonderes Anliegen.

Brachte in einer anderen Folge Marge Simpson als gestresste Mutter und Hausfrau den Berufsverkehr in ihrem Wohnort Springfield durch einen Streik zum Erliegen, waren Umweltthemen nicht mehr das wichtigste Anliegen der Studenten. Dann gewichteten sie zum Beispiel Ausgleichsleistungen für Kinder höher.

Für Wünsch ist seine Untersuchung der Beweis, dass nicht nur reale Gegebenheiten unsere politische Meinung beeinflussen, sondern eben auch fiktionale Geschichten. „Wenn wir unterhalten werden, trennen wir ganz offenbar nicht zwischen dem, was erfunden ist, und zwischen dem, was wir für real halten“, folgert der Medienwirkungsforscher.

(Quelle: Youtube / cliphai.de)

THE DAY AFTER TOMORROW Trailer Deutsch German | 2004 HD

Doch nicht nur der Mensch, sondern auch die Medien seien laut dem 41-Jährigen zu einem gewissen Grad von Fiktion beeinflusst. Dies überprüfte der Forscher mit dem Spielfilm „The Day After Tomorrow“, einer apokalyptischen Zukunftsvision von Roland Emmerich, in der auf unserer Erde aufgrund der globalen Erwärmung zerstörerische Stürme und Kältewellen anbrechen.

„Bevor der Film in die Kinos kam, wurde in den Medien eher unregelmässig über die Folgen des Klimawandels berichtet. Danach war aber ein sehr deutlicher Anstieg feststellbar, der sogar mehrere Monate anhielt“, erläutert Wünsch.

Aus seinen Forschungsergebnissen schlussfolgert Wünsch, dass unterbewusste Wahrnehmungen aus fiktionalen Geschichten also durchaus einen Einfluss auf die Vorstellungen und Wünsche in unserem Politsystem haben.