Davos ist weltberühmt für das WEF, das World Economic Forum. Weniger bekannt, aber ebenso spannend ist das WRF, das World Resources Forum, das dieses Jahr ebenfalls in Davos stattfand. Diese Woche waren über 500 internationale Experten und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Bergstadt zu Gast. Sie diskutierten mögliche Lösungswege für den schonenden Umgang mit Rohstoffen und zeigten neue Wege mit erneuerbaren Energiequellen auf.

Einen innovativen Lösungsansatz stellte das aargauische Paul-Scherrer-Institut (PSI) vor: In Zukunft könnten wir unsere Energie von Algen produzieren lassen. Diese bilden nämlich das wertvolle, energiereiche Gas Methan. Treibende Kraft des sogenannten «SunCHem»-Projektes ist der Chemiker Christian Ludwig. Er meint zu dessen Vorzügen: «Methan ist ein wesentlicher Bestandteil von Erdgas. Deshalb könnte man damit ganz unkompliziert die bereits bestehende Infrastruktur im Erdgasverteilnetz mitbenutzen.»

Algen wachsen zudem sehr viel schneller als Pflanzen – sofern genügend Sonne und Wasser vorhanden ist. Geht bei der Zucht von Algen für Methan nicht kostbares Trinkwasser verloren? «Damit dies nicht der Fall wird, planen wir, sie in Brack- oder Abwasser zu züchten, das weder trinkbar ist noch in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann», meint Ludwig.

Zurück in den Wertstoffkreislauf

Um Algen in Methan umzuwandeln, wird die Biomasse bei hohen Temperaturen und unter viel Druck (in sogenanntem «superkritischen» Wasser) in Einzelteile zerlegt. Die daraus entstehenden Gase wie Wasserstoff und Kohlenmonoxid wandeln die Forscher des PSI mithilfe eines Katalysators chemisch zu Erdgas um. Während dieses Prozesses werden die wertvollen Mineralien und das verwendete Wasser extrahiert und der nächsten Algenpopulation wieder zugefügt. Ludwig: «Keine Nährstoffe gehen verloren, alles wandert in den Wertstoffkreislauf zurück. Das ist einer der Vorteile unseres Verfahrens.»

Tests im In- und Ausland laufen an

Die kommerzielle Herstellung von Methangas aus Algen ist im Moment noch zu kostspielig. Wegen ihrer Wirkstoffe werden sie jedoch schon seit Jahren für vielfältige Zwecke eingesetzt und liefern der Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie wichtige Komponenten. «Wenn man das Biogas aus der Restmasse produzieren würde, die durch diese Verarbeitungsvorgänge entsteht, wäre die Herstellung wesentlich kostengünstiger», erklärt Ludwig.

Der Experte schätzt, dass erneuerbares Biogas in naher Zukunft 20% des Treibstoffbedarfs für Mobilität abdecken könnte. Ein wichtiger Bestandteil davon könnte von Algen stammen, die im SunCHem-Verfahren zu Methan umgewandelt werden. Momentan ist das PSI-Team daran, die Testanlage in einen transportierbaren Container einzubauen, und die Forscher prüfen ihre Vorgehensweise an verschiedenen Orten mit Algenzuchtstationen. Dies sind zum Beispiel die Fachhochschule in Wädenswil und eine Algenherstellungs-Firma in Stuttgart. Aber auch sonnenreiche Länder wie Kolumbien, Israel und Portugal stehen zur Diskussion.