Coronavirus
Durch diese Maske kann man lächeln: Forschende haben transparente Schutzmaske entwickelt

Schon vor der Coronakrise haben Forscher der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt eine transparente Schutzmaske entwickelt. Die Hello-Mask soll es Menschen erlauben, trotz Gesichtsschutz Emotionen offen zeigen zu können.

Heinz Zürcher
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Dank der Hello-Mask verbessert sich die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten.

Dank der Hello-Mask verbessert sich die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten.

Empa

Die Idee für eine durchsichtige Maske hatte Diana Baatard, eine Geschichtenerzählerin am Genfer Universitätsspital. Regelmässig besuchte sie krebskranke Kinder. Im sterilen Zimmer musste sie stets eine Maske tragen. Eines Tages sass sie am Bett eines zweijährigen Buben, nahm seine Hand und lächelte ihn an. Da wurde ihr bewusst, dass das kranke Kind ihr Lächeln gar nicht sehen konnte.

Baatard fand das traurig. Und sie fragte sich, wieso es keine transparenten Masken gibt. Wenig später gelangte sie mit der Idee an einen Forscher der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Der war schnell begeistert, trieb Geld auf und beauftragte ein Team mit der Weiterentwicklung.

Masken sollen nächstes Jahr erhältlich sein

Das war lange vor der Coronapandemie. Mittlerweile ist aus der Idee das Projekt Hello-Mask geworden. Und das Start-up HMCARE sammelte bereits eine Million Franken, um bald mit der Produktion beginnen zu können. «Wir möchten die Masken in der Schweiz herstellen», sagt Empa-Forscher Giuseppino Fortunato. Gespräche mit einheimischen Unternehmen hätten bereits stattgefunden. Anfang 2021 sollen die ersten Hello-Masken auf den Markt kommen. Wie viel sie kosten werden, ist noch unklar. Zunächst dürften vor allem Spitäler, Pflegezentren, Zahnarztpraxen und Gehörlose zu den Abnehmern gehören.

Das Start-up schliesst nicht aus, dass die Masken in einem zweiten Schritt in die Läden kommen und für die breite Bevölkerung erhältlich sind. «Wir bekommen derzeit viele Anfragen», sagt Fortunato. Seit Ausbruch der Coronapandemie ist die Nachfrage stark gestiegen. Kein Wunder: Derzeit erleben viele, wie seltsam es ist, sich mit jemandem zu unterhalten, währenddem das halbe Gesicht verborgen bleibt. Mit aufgesetzter Maske ist die Mimik kaum sichtbar, die Stimme gedämpft.

Eine durchsichtige Maske zu kreieren, die sich nicht wie ein Stück Klarsichtfolie über dem Mund anfühlt, ist nicht so einfach. Fortunato und seinem Team ist das gelungen. Dazu haben sie innert zweier Jahre eine Art Vlies entwickelt, das sowohl aus ganz feinen als auch aus dickeren Fasern besteht. Die Membranen wurden mittels ­sogenannter Elektrospinnen hergestellt. Die Porengrösse misst lediglich etwa 100 Nanometer. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von etwa 80000 Nanometern.

Keine einfache Entwicklung

Im Internet findet man schon länger Prototypen von durchsichtigen Masken. Diese sind ­gemäss Empa aber oftmals nicht durchlässig, behindern den Atemkomfort und werden schnell feucht. Die Hello-Mask sei dagegen stabil, filtere gut und biete genügend Schutz gegen Krankheitserreger und Aerosole, sagt Fortunato. Sie sei angenehm zu tragen und die Transparenz so stark, dass bei der Verwendung des Smartphones sogar die Gesichtserkennung funktionieren soll.

Die Maske ist nur für den einmaligen Gebrauch ­bestimmt. Doch weil sie zu 99 ­Prozent aus biologisch abbau­barem Material besteht, kann sie ohne schlechtes Gewissen entsorgt werden. Laut Empa sind die Forscher daran, die ­Hello-Mask vollständig umweltverträglich zu machen.