Klimawandel

Der von Menschen gemachte CO2-Anstieg ist einzigartig

In diesem Eisbohrkern aus der Antarktis, aus dem Skytrain Ice Rais, liegt die Klimavergangenheit der Erde.

In diesem Eisbohrkern aus der Antarktis, aus dem Skytrain Ice Rais, liegt die Klimavergangenheit der Erde.

Auch in früheren Warmzeiten gab es CO2-Sprünge. Doch nie war der CO2-Anstieg so schnell und so gross wie in den vergangenen Jahren.

CO2-Anstiege in der Atmosphäre sind ein weit verbreitetes Merkmal unseres Klimasystems. Doch ein solcher CO2-Anstieg geschah während der Erdgeschichte nie so schnell wie nun durch den menschlichen Einfluss. Herausgefunden haben das Forscher um Christoph Nehrbass-Ahles und Thomas Stocker von der Uni Bern.

Dort haben die Klimatologen mit einer neuen Messtechnik gearbeitet. Dank hochauflösenden Messungen konnten die vergangenen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre mit Hilfe von Eisbohrkernen aus der Antarktis so genau rekonstruiert werden wie nie zuvor, was nun im «Science» publiziert wird.

Acht Eis- und Warmzeiten rekonstruiert

Rekonstruiert wurde das Klima der acht Eis- und Warmzeiten, die während den letzten 800'000 Jahren aufeinander folgten. Dass die CO2-Konzentration während dieser Zeit durchgehend tiefer lag, konnten die Berner Forscher schon 2008 zeigen. Nun wurden die maximalen Geschwindigkeiten der CO2-Sprünge und deren Häufigkeit erkundet. Dabei zeigte sich, dass CO2-Anstiege zum Erstaunen der Wissenschafter sogar in Warmzeiten vorgekommen sind. «Bisher hatte man angenommen, dass das Klima während natürlichen Warmzeiten sehr stabil ist und es zu keinen schnellen CO2-Änderungen in der Atmosphäre kam», erklärt Erstautor Christoph Nehrbass-Ahles. Die sprunghaften Anstiege zeigten sich dann, wenn schmelzende Eismassen in Grönland oder der Antarktis die Ozeanzirkulation erheblich störten. Schnellte das CO2 in der Atmosphäre in die Höhe, liessen sich auch gleichzeitige Änderungen in der Zirkulation des Atlantiks feststellen.

Ein Berner Forscher inspiziert ein Segment eines Eiskerns im Tiefkühl-Labor der Universität Bern.

Ein Berner Forscher inspiziert ein Segment eines Eiskerns im Tiefkühl-Labor der Universität Bern.

Schneller und sechsmal grösser als natürlich

Warum sich schnelle CO2-Sprünge nicht nur in Eis-, sondern auch in Warmzeiten ereigneten, können die Forscher nicht schlüssig sagen. Da stellten sich neue Forschungsfragen, sagt Thomas Stocker. Interessant ist aber, dass diese natürlichen Sprünge der CO2-Konzentration der Atmosphäre fast zehnmal langsamer geschahen als der menschgemachte Anstieg über das letzte Jahrzehnt.

Nicht nur das Tempo des menschgemachten Anstiegs ist rasant, auch die Menge ist deutlich höher als die natürliche. Der grösste Anstieg in der Vergangenheit, sagt Stocker, habe rund 15 ppm betragen (parts per million ist die Masseinheit für die atmosphärische CO2-Konzentration). Das entspricht etwa dem Anstieg, den die Menschheit gegenwärtig im Zeitraum von sechs Jahren verursacht. 15 ppm hört sich nach wenig an. «In der Diskussion um ein bestimmtes Klimaziel, insbesondere das von 1.5°C Ziel, werden aber solche Anstiege plötzlich wichtig. Weil wir uns jetzt schon sehr nahe bei der 1.5°C-Erwärmung befinden», sagt Stocker. Ein zusätzlicher CO2-Anstieg bringt die Menschheit langfristig betrachtet noch mehr unter Zugzwang in Sachen Klimaschutz.

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Autor

Bruno Knellwolf

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