Könnte ein Roboter Ihren Job übernehmen? Oder meinen? Könnte er diesen Artikel schreiben? Was machen Sie und ich stattdessen? Hobbys und Freunde pflegen? Oder darben wir, weil uns niemand für unseren Erwerbsausfall entschädigt?

Und zahlt der Roboter Steuern? Diese Frage hat eine der jüngsten Schweizer Parlamentarierinnen, die Grüne Lisa Mazzone, am Mittwoch mit ihrem Postulat in die laufende Session eingebracht. Soeben ist dieselbe Frage im EU-Parlament äusserst kontrovers diskutiert worden. Bill Gates fordert die Besteuerung von Robotern schon länger. Das würde den Fortschritt bremsen, warnen andere.

Wir Schweizer sind reichlich spät dran, uns als Gesellschaft mit solchen praktischen Aspekten zu beschäftigen; die EU ist spät daran, die Welt. Denn die Roboter sind schon längst da; ihre Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten nehmen exponentiell schnell zu. Das hat Folgen, gute und schlechte. Und das wirft ganz viele wichtige Fragen auf: gesellschaftliche, ethische, juristische. Höchste Zeit, darüber nachzudenken und nach Antworten zu suchen.

Der Roboter als Pfleger

Eine Übersicht über den neusten Stand der Robotik bietet aktuell das Vitra Design Museum in Weil mit «Hello, Robot». Kuratorin Amélie Klein hat mit einem vierköpfigen Team monatelang in den Bereichen Wohnen, Industrie, Medizin sowie Film und Literatur recherchiert. Herausgekommen ist eine verdichtete Schau aktueller Möglichkeiten mit anregenden Ansätzen zu Auseinandersetzungen, die wir dringend führen sollten.

Die Schau stellt 14 grosse Fragen in den Raum, wortwörtlich, mit Leuchtbuchstaben. «Könnte ein Roboter Ihren Job übernehmen?» ist eine. Sie gibt keine Antworten, sondern zeigt, dass es keine eindeutigen Antworten gibt. Da ist der Roboter, der Minen entschärft – so muss kein Mensch dafür sein Leben riskieren. Dort ist der Roboter, der monotone Fabrikarbeiten durchführt. Kann man dafür den bisherigen Arbeitern eine neue Ausbildung für interessantere Jobs anbieten?

Es gibt schon bald Roboter, die Pflegebedürftigen die Windeln wechseln. Eine Arbeit, die Menschen ungern tun. Auch die betroffenen Patienten sähen sich aus Scham viel lieber von Robotern gesäubert. Eine Win-win-Situation. Aber was, wenn dieser Roboter auch alle anderen Aufgaben der Pfleger übernimmt? Lässt es unsere Ethik zu, etwa demente Menschen mit Robotern abzuspeisen? Ist das besser, als wenn diese gar niemanden haben?

Was ist ein Roboter überhaupt? Selten sieht er so aus, wie wir ihn aus Filmen kennen: ein uns ähnliches Wesen mit Kopf, Armen und Beinen, nur gstabiger. Ein Roboter kann heute jede Form annehmen. Im Grunde ist das iPhone in unserem Hosensack auch ein kleiner Roboter. Gemäss Carlo Ratti, Leiter de MIT Senseable City Lab und Co-Berater der Ausstellung, braucht ein Roboter nur dreierlei: Sensoren, Intelligenz und Aktoren, also Antriebselemente, um aktiv in einen Prozess eingreifen zu können. Sollte demnach die programmierbare Waschmaschine oder der Kassenautomat im Supermarkt auch Steuern zahlen?

So gut oder böse wie wir

Der Rundgang beginnt bei fiktionalen Roboterwesen wie R2-D2 aus «Star Wars»; hier der Mensch, dort die Maschine. Er endet mit unserer Verschmelzung mit dem Roboter. Entweder, indem wir Roboter in unsere Körper lassen: Mit Chips, intelligenten Prothesen oder dem Nanoroboterchen, das in unserer Blutbahn Krebszellen bekämpft.

Oder indem wir uns in Roboter hineinbegeben: in intelligente Häuser, in denen der Kühlschrank die ausgegangene Milch nachbestellt, in intelligente Städte, ja Welten, in denen alles mit allem klug interagiert. Im Grunde seien Roboter nichts anderes als die Internet-Technologie, die wir schon haben, die immer stärker in unsere 3-D-Welt dringt, erklärt Amélie Klein.

Ein Video zeigt einen alten Mann, dessen Gabel kontrolliert, ob er gesund isst, dessen Spazierstock zählt, ob er sich genügend bewegt. Die Dinge terrorisieren den Mann nicht nur, weil seine Kinder besorgt um seine Gesundheit sind. Die gesammelten Daten gehen weiter an die Krankenkasse – isst der Mensch zu viele Burger, kommt die Krankenkasse nicht für ihn auf. Und nicht immer gelingt es uns, die Datenkrake derart zu überlisten, wie dem Mann im Video. Roboter und Datenschutz. Ein riesiges Thema für sich.

Ist der Roboter gefährlich? Wir neigen dazu, zu vergessen, dass wir es sind, die ihn programmieren. So lautet die wichtigste Frage der Ausstellung: Wie nützt uns der Roboter? Damit einher geht: Wessen Interessen stecken dahinter? Sind es auch meine? Oder diejenigen gewisser Konzerne? Hier braucht es dringend mehr Transparenz, eine gesellschaftliche Debatte, demokratische Prozesse. Die nächsten Vorstösse im Parlament dazu werden kommen. Hoffentlich bald.

Wenn der Roboter in Zukunft die Artikel schreibt, sollten wir wissen: Wer hat ihn zuvor wie dafür programmiert? Was, wenn er etwas Falsches behauptet? Wer haftet für die Konsequenzen?

Hello, Robot. Vitra Design Museum. Weil am Rhein. Bis 14. Mai 2017. Später in Wien, Gent und Winterthur. www.design-museum.de