Luftrettung

Der Fieseler «Storch» soll nochmals zum Gauligletscher fliegen

Eines der zwei Flugzeuge, die 1946 im Berner Oberland die Crew einer abgestürzten amerikanischen Militärmaschine rettete, soll 2016 zum 70-Jahre-Jubiläum wieder an den Absturzort fliegen. Die Rettungsaktion gilt als Geburtsstunde der Luftrettung.

Es war die erste Luftrettung der Welt im Hochgebirge, damals im November 1946. Nun soll eines der zwei Flugzeuge, die an der Bergung einer amerikanischen Militärmaschine beteiligt war, nochmals hochfliegen zum Gauligletscher im Berner Oberland. Darum wurde der sogenannte Fieseler «Storch» eben nach über 50 Jahren im Verkehrshaus wieder vom Dach der Luftfahrthalle geholt.

Die amerikanische Dakota C-53 kam vor 70 Jahren im Nebel vom Kurs ab und konnte nur mit viel Glück auf dem Gletscher oberhalb Meiringens notlanden. Eher zufällig wurde sie auf 3350 Meter gesichtet. Aus Flugzeugen wurden darauf Hilfspakete zu den Verunglückten abgeworfen. Die meisten Pakete landeten aber in Gletscherspalten.

Landung vom Museumshimmel

Landung vom Museumshimmel

Aussenpolitische Wende

In einer beispiellosen Rettungsaktion sechs Tage später wagten schliesslich Schweizer Militärpiloten die weltweit erste Rettung im Hochgebirge aus der Luft. Mit zwei Fieseler-Storch-Flugzeugen landeten Victor Hug und Pista Hitz auf dem Gletscher und konnten die Passagiere wohlbehalten nach Meiringen ausfliegen.

Restauriert wird der Fieseler «Storch» mit der Immatrikulation A-97 von Spezialisten in Deutschland und Polen. Der Zürcher Verein «Freunde des Fieseler Storch» – er ist im Besitz weiterer «Störche» – will im Herbst nächsten Jahres die Rettungsaktion mit der Originalmaschine nachstellen. Dann jährt sich die Rettung zum 70. Mal. «Der ‹Storch› war, und dies nicht nur in Armeediensten, stets Freund und Helfer», lässt sich Freunde-Präsident Reiner Vondruska zitieren.

Dabei gilt die Bergung der zwölf Amerikaner in der Dakota nicht nur als erste Luftrettung der Welt. Sondern sie wirkte sich auch auf die Diplomatie aus: Das Ereignis habe in den damals auf einem Tiefpunkt angelangten Beziehungen der Schweiz und den USA zu einer Kehrtwende geführt, so das Verkehrshaus.

Der Übername des dreisitzigen, einmotorigen Flugzeugs Fieseler Fi 156 hat jedoch einen anderen Hintergrund. Wegen seines hochbeinigen Fahrgestells wird es «Storch» genannt. Zum Starten benötigt es nur eine Piste von 50 Meter Länge, zum Landen genügen 20 Meter. Weshalb der «Storch» bisweilen auch Hubschrauber mit Tragflächen genannt. Die Schweizer Armee besass fünf dieser Propellermaschinen. Der «Storch» wurde von 1939 bis 1947 von der Fieseler-Flugzeugbau GmbH in Kassel gebaut.

Teile des damals eingeschneiten und verschwundenen Wracks der amerikanischen Dakota werden übrigens seit Jahren Stück für Stück vom Gauligletscher freigegeben. Vom Flugzeugrumpf fehlt allerdings noch jede Spur. (sda/sat)

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