Rekord

Das schnellste Tier der Welt ist eine Fledermaus

Eine Fledermaus (Symbolbild)

Eine Fledermaus (Symbolbild)

Spezielle Messungen zeigen, dass die mexikanische Bulldogg-Fledermaus pfeilschnell ist. Viel schneller auch als ihre Beute.

Bei schnellen Fliegern der Natur denkt man in erster Linie an Vögel und Insekten. Doch ein deutsch-amerikanisches Forscherteam zeigt nun: Die höchsten Geschwindigkeiten erreicht ein Säugetier. Nämlich die mexikanische Bulldogg-Fledermaus.

Sie ziert als Wappen die Flaschen des Bacardi-Rums, doch das wissen selbst dessen Liebhaber nur selten. Ausserdem ist sie offizielle Staatsfledermaus von Oklahoma und Texas, doch das weiss selbst in den USA kaum jemand. Die mexikanische Bulldogg-Fledermaus, oft auch brasilianische Freischwanz-Fledermaus genannt, gehört nicht gerade zu den Stars der Tierwelt. Dabei hätte sie es verdient, in einem Atemzug mit den schnellsten Tieren weltweit genannt zu werden. Wie etwa dem Gepard, der mit über 100 km/h auf Land unübertroffen ist, und dem Fächerfisch, der auf ähnliche Geschwindigkeiten im Wasser kommt. Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell haben zusammen mit US-Kollegen ermittelt: Der Titel des Supersprinters unter allen Tieren gebührt offenbar der schnellsten (Fleder-)Maus von Mexiko.

Die Zoologen statteten sieben texanische Exemplare mit einem neuen, extrem leichten Peilsender aus, dessen Signal von einer auf einem Kleinflugzeug montierten Empfangsstation geortet wurde. «Für den Piloten war es nicht leicht, den schnellen Tieren so zu folgen, dass wir ihre Flugbahnen kontinuierlich vermessen konnten», berichtet Dina Dechmann, eine der Autorinnen der Studie. Doch da der Sender aufgrund seiner extremen Leichtigkeit nur relativ schwache Signale senden konnte, musste man für brauchbare Messungen immer in seiner Nähe bleiben.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die elf bis zwölf Gramm leichten Fledermaus-Weibchen bei einigen Flügen ein Tempo über 160 Kilometer pro Stunde erreichten. «Wir wollten unseren Daten zunächst selbst kaum glauben», erklärt Kamran Safi, ein weiterer Autor der Studie. Die Männchen waren etwas langsamer, aber sie sind in der Regel auch schwerer.

Um auf Nummer sicher zu gehen, werteten die Forscher noch Daten einer nahe gelegenen Wetterstation aus. Doch auch diese Überprüfung ergab: Die Rekorde dürfen in die Bestenliste aufgenommen werden. «Äussere Einflüsse wie Landschaft oder Rückenwind können die Messergebnisse nicht erklären», so Dechmann. Man fand vielmehr Hinweise darauf, dass die Flattertiere sogar von Windstille und einem leichten Gegenwind profitierten. Und von der Form ihrer Flügel. Je länger und schmaler die nämlich waren, umso beeindruckender die Flugleistungen.

In kurzer Zeit schnell fressen

Bleibt die Frage, welchen Zweck die Spitzengeschwindigkeiten eigentlich erfüllen. Denn die Beute der Fledermaus besteht aus Insekten, die nicht einmal annähernd so schnell sind, und nur für einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde strengt sich die Evolution normalerweise nicht an. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich die extremen Flugleistungen im Zusammenhang mit den Umweltbedingungen entwickelt haben, in denen die Tiere unterwegs sind. «Sie leben in weiten Flächen, in denen sie lange Zeit nichts Essbares finden – und wenn schliesslich Insekten auftauchen, dann meistens in grossen Gruppen», erklärt Safi. Diese kurzen Augenblicke des reichhaltigen Angebots müssten die Flugsäuger mit ihrer hohen Geschwindigkeit für einen fetten Beutezug nutzen, denn danach ist erst mal wieder Fastenzeit.

Als schnellster Flieger der Tierwelt galt bisher der Mauersegler mit einer Geschwindigkeit von bis zu 110 km/h. Falken erreichen zwar bei ihren Jagd-Sturzflügen sogar 300 km/h, doch das verdanken sie vor allem der Schwerkraft, die sich der Raubvogel mit einer speziellen Flügelabklapptechnik zunutze macht. Als eigenständige Leistung verstehen Zoologen jedoch nur die Geschwindigkeiten im Horizontalflug – und da ist nun mit der Bulldogg-Fledermaus ein neuer Spitzenreiter gefunden.

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