Strassenverkehr

Ablenkung ist am Steuer gefährlicher als Alkohol

Jeder Dritte benutzt während des Fahrens sein Telefon.

Jeder Dritte benutzt während des Fahrens sein Telefon.

Handys und Navis erhöhen die Unfallgefahr, das zeigt eine aktuelle Studie. Auch das Astra ist besorgt.

Wer hat es nicht schon erlebt: das Auto vor einem fährt langsam oder irgendwie Schlangenlinie. Also überholt man den Fahrer. Man blickt rechts rüber und sieht, dass er am Handy spricht oder gar darauf tippt. Klar, dass man nun noch wütender wird. Oder aber man ist selber der Handy-Täter.

Man will ja nur schnell etwas nachschauen, zurückschreiben oder hält die gute Stunde Fahrzeit ohne Handy einfach nicht aus. Dass diese Ablenkung gefährlich ist, wissen wir genau. Aber wie gefährlich Smartphones und andere Technik im Auto ist, das zeigen neue Daten der Versicherung Allianz. Lange galt Alkohol als wichtigste Unfallursache, doch laut der Sicherheitsstudie müssen wir uns heute um die Ablenkung mehr Sorgen machen.

Gemäss Zahlen vom Bundesamt für Strassen (Astra) gehen bei den 250 Verkehrstoten im Jahr 2015 30 auf Kosten des Alkohols, 19 Personen kamen durch Ablenkungsunfälle ums Leben. Doch bei den Schwerverletzten ist die Hauptursache die Ablenkung. Letztes Jahr gab es deswegen 450 Schwerverletzte, 130 mehr als durch Alkohol.

«Alkohol am Steuer ist heute gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert. Zu dieser Haltung müssen wir auch bei der Smartphone-Nutzung am Steuer kommen», erklärt Markus Deplazes von der Allianz.

Befragt wurden 1600 Autofahrer aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. 60 Prozent der Fahrer, die in den letzten drei Jahren Unfälle hatten, geben an, ihr Telefon beim Fahren händisch zu nutzen. Bei Fahrern ohne Unfall waren es 37 Prozent. Insgesamt begehen rund 40 Prozent Handyverstösse im Verkehr. Drei Viertel berichten, durch Technik wie Navi oder Radio abgelenkt zu sein.

Nachrichten werden verschickt

Jeder Fünfte checkt beim Fahren WhatsApp oder SMS. 7 Prozent schreiben sogar selber welche. Fast ein Drittel schaut regelmässig nach wer sich gemeldet hat. Kein Wunder also, dass insbesondere Junglenker zwischen 18 und 24 Jahren bei der Handynutzung beim Fahren an der Spitze liegen. Sie würden sich besonders häufig ablenken lassen. Sie sind es sich auch einfach gewöhnt ständig am Handy zu sein und sofort zu reagieren. Auch Viellenker seien gefährdet. Sie würden auch im hohen Masse zu ablenkenden Tätigkeiten neigen.

«Man muss sich selbst austricksen», rät Thomas Rohrbach, Pressesprecher des Astra. «Ich lasse es in der Tasche oder auf dem Rücksitz. Einfach nicht in Reichweite», erklärt Rohrbach. Auch er bestätigt, dass die Ablenkung elektronische Geräte eine immer grössere Rolle bei Unfällen spielt. Doch er rät davon ab, Alkohol und Ablenkung gegeneinander aufzuwiegen. Beides hätte verheerende Auswirkungen.

«Die heutigen Autos brauchen weniger körperliche Aufmerksamkeit des Fahrers. Zu denken, dies gelte auch für den Geist, ist falsch», sagt Rohrbach. Das Verkehrskaufkommen habe sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt, da vertrage es keine Ablenkung. Auch die Führerausweisentzugs-Statistik zeige das Problem deutlich. An erster Stelle käme die Geschwindigkeit, dann der Alkohol und bereits an dritter Stelle die Ablenkung. Seit Mitte der 2000er hätte dieser Grund stark zugenommen. Rohrbach macht die Gadgets und die ständige Erreichbarkeit verantwortlich.

Auch das Navi lenke zu sehr ab. Er erzählt von einem Wohnwagen-Lenker, der mitten im Gotthardtunnel wendete, weil das Navi das befohlen hatte. Das Vertrauen in ein Navi sei kein Einzelfall.

Derbei fordert die Allianz Funktionen für die Sicherheit. Es soll etwa nicht möglich sein während der Fahrt ein Ziel im Navi einzugeben, Multimediasysteme sollen einfacher bedienbar sein und in neuen Autos sollen Notfallbremssysteme eingebaut werden.

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