Zu Hause bei

Filippo Leutenegger: Italianità in der Fensterfabrik

Filippo Leutenegger mag es in seiner Loft gerne mediterran mit einem Schuss Kitsch wie dem Kronleuchter und den Marmorsäulen.Sandra Ardizzone

Filippo Leutenegger mag es in seiner Loft gerne mediterran mit einem Schuss Kitsch wie dem Kronleuchter und den Marmorsäulen.Sandra Ardizzone

Mal staatsmännisch, mal verschmitzt, im Herzen grosszügig und ein echter Gentleman: FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger (61). Seine Loft im Erdgeschoss des Hauses an der Zürcher Forchstrasse erinnertan Ferien in Italien.

Das Temperament des gebürtigen Römers ist nicht zu verleugnen. Mit der Espresso-Tasse in der Hand wirbelt der ehemalige Fernsehmann durch seine 140-Quadratmeter-Loft. Dieser Raum sei einst eine Fensterfabrik gewesen, erklärt er. Ein Ort mit Charakter. Dann holt Filippo Leutenegger ein Bild mit der gesamten Fensterfabrik-Crew hervor, aufgenommen Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit Geschick kaufte er vor zwölf Jahren die ganze Liegenschaft und einige angrenzende Häuser. Er renovierte und investierte. «Wir vermieten die grösseren Wohnungen nur an Familien mit Kindern», sagt Leutenegger. Der Mix sei entscheidend.

Momentan wohnen in Leuteneggers Wohnungen Familien mit rund 20 Kindern. Der dazugehörende Kinderhort nicht mit eingerechnet. Vor ein paar Jahren eröffneten Leutenegger und seine Frau die private Kinderbetreuung. «Wir haben nach wie vor zu wenig Plätze in der Stadt Zürich, die Einführung von Halbtagesschulen ist ein Muss in den nächsten Jahren.» Und schon ist er mitten in seiner Leidenschaft angelangt: der Politik.

Mit allen Kindern unter einem Dach

Filippo Leutenegger will Zürcher Stadtpräsident werden. Er gibt sich betont gelassen: «Es wird ein harter und einsamer Kampf, aber ich habe ein dickes Fell und gute Nerven.» Mit guten Argumenten käme man auch bei Linken durch. Leutenegger will aktuelle Themen besetzen, das System Hort in der Stadt Zürich sei beispielsweise nicht mehr zeitgemäss und zu teuer. «Zürich ist eine wunderschöne Stadt und die Schweiz ein wunderbares Land, darum setze ich mich dafür ein».

Es sollen alle von Filippos Grosszügigkeit profitieren, auch seine fünf Kinder. Die beiden erwachsenen Söhne Lorenzo (Ex-Bachelor) und Silvan wohnen in einer kleinen Wohngemeinschaft direkt unter Filippos Familie mit den drei kleineren Kindern. «Für mich ist es wunderbar, dass alle Kinder unter einem Dach leben.» Etwas Italianità muss sein.

Mediterran ist Filippos Stichwort. Er zeigt auf die zwei Palmen vor dem Fenster. Die gelbe Farbe in der grossen Loft sorgt für Wärme und Geborgenheit. Auch das Cheminée trägt viel zum guten Ambiente bei. Das Feuer sei für ihn ein angenehmer Begleiter. «Man kann es beobachten und gleichzeitig spannende Diskussionen führen.»

Lichtkonzept von der Inneneinrichterin

Oder die Bibliothek – ein Ort zum Wohlfühlen, zum Relaxen, zum Lesen. «Mir ist es wichtig, dass ich zu Hause Ruhe finden kann. Hier tanke ich auf. Hier bin ich verwurzelt. Nebst all den vielen Aktivitäten in meinem Leben finde ich hier neue Kraft.» Was nicht heisst, dass in Filippos Loft nicht auch mal eine Party steigt: «Wir laden sehr gerne Gäste ein, das ist für mich etwas vom Lässigsten.» Dann wird auch an der Bar gesessen. «Ein Möbel aus Paris, das ich durch einen Fasnächtler in Luzern kaufen konnte.» Dann gibts ein gutes Glas Wein oder noch lieber ein kaltes Bier. Gegessen wird am langen Holztisch, dessen Platte er auf einer Baustelle fand. Gutes muss nicht teuer sein, aber gut zusammenpassen. Und da überlässt Filippo nichts dem Zufall.

Dank einer Inneneinrichterin entstand ein schönes Lichtkonzept, das nur indirektes Licht zulässt. Sie setzte sich auch ein für ein schönes Weingestell, die Holzständer neben dem Cheminée oder liess die Bibliothek anfertigen. Dass das Italienische auch etwas Kitsch erträgt, muss an dieser Stelle erwähnt sein. Denn um den grossen Kronleuchter kümmerte sich Filippo eigenhändig und fand ihn in einem Trödlerladen an der Forchstrasse. «Der Kronleuchter ist ein Kitschmocke, den ich einfach haben musste.» Und so liess er auch die Säulen im Raum von einem Maler und Künstler passend zum Kitsch zu Marmor-Säulen verwandeln.

Plötzlich schaut erauf die Uhr. Der nächste Termin ruft. Und ehe er aus der Tür geht: «Der grösste materielle Luxus, den ich habe, ist dieser Raum hier.» Man glaubts ihm. Und weg ist er. Was zurück bleibt, ist ein einzigartiger Raum, dem Filippo Leuteneggers eine Seele gegeben hat – ein Ort, an dem man gerne etwas länger verweilen würde.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1