Tierreich
Farbenfrohe Minikuscheltiere: Diese Spinne entzückt selbst Angsthasen

Von wegen Phobie – die farbenfrohen Pfauenspinnen inspirieren sogar Designer. Ein Biologe hat sieben neue Arten der nur millimetergrossen Krabbeltierchen entdeckt.

Barbara Barkhausen
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Das Hinterteil der Maratus bubo erinnert an eine Eule.

Das Hinterteil der Maratus bubo erinnert an eine Eule.

Juergen Otto

In der freien Natur würden die Pfauenspinnen einem untrainierten Auge kaum auffallen. Rund 20 Stück würden auf einen Finger passen, sagt Jürgen Otto. Der deutsche Biologe, der in Sydney lebt, hat ein Auge für die gerade mal vier Millimeter grossen Spinnen. Otto beschäftigt sich seit 2008 mit den Tieren, die selbst Spinnenphobikern ein Lächeln entlocken, weil sie eher wie Miniaturkuscheltiere aussehen und ihre farbenfrohen Hinterteile so hübsch sind, dass ein Modedesigner das Muster einer der Spinnen für einen neuen Bikini kopiert hat.

Zusammen mit Kollegen hat der Biologe bereits Dutzende Arten fotografiert, gefilmt und dokumentiert. Nun haben die Wissenschafter in Australien sieben neue Arten gefunden. Die Entdeckung veröffentlichten sie im Fachmagazin «Peckhamia». Insgesamt gibt es jetzt 48 unterschiedliche Pfauenspinnen. Die endgültige Zahl ist das noch lange nicht. «Es gibt noch weitere neue Arten, die ich schon fotografiert, aber noch nicht beschrieben habe», sagt Otto.

Unter den sieben neuen Arten hat der Biologe zwei Lieblinge. Beide stammen aus Westaustralien. «Die eine hat einen blauen, schimmernden Hinterleib mit roten Streifen, der uns an das Gesicht einer Eule erinnerte.» Die Wissenschafter nannten sie deswegen Maratus bubo. Bubo ist der Gattungsname der Eulen. «Die zweite Art erinnert an eine Wespe, deswegen nannten wir sie Maratus vespa», sagt Jürgen Otto.

Die Tiere begeistern inzwischen nicht mehr nur Otto und seine Kollegen. Filmaufnahmen der Spinnen, deren Männchen beim Paarungstanz wild ihre Beine in die Luft schwingen, haben ein Millionenpublikum angezogen. Otto ist nicht der Einzige mit einer Schwäche für die «ziemlich niedlichen» Tiere. Er will mit ihrer Hilfe den eher schlechten Ruf der gesamten Spinnengemeinde verbessern. Denn den haben die Tiere gar nicht verdient, betont der Biologe: «Spinnen sind essenziell für unser Ökosystem – ohne Spinnen könnten wir uns vor Insekten gar nicht retten.»