Corona
Gemeldete Neuinfektionen sinken, R-Wert fällt unter 1: Das könnten die Gründe dafür sein

1831 Neuinfektionen meldet das BAG, womit erstmals seit Anfang April die 2000-er Marke unterschritten worden ist und das trotz der Öffnungsschritte. Trotz stabiler Werte bei den Todesfällen ist die Zahl 10'000 beinahe erreicht.

Bruno Knellwolf
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Ein Hoffnungsschimmer im Frühling? Die Coronazahlen sind leicht zurückgegangen.

Ein Hoffnungsschimmer im Frühling? Die Coronazahlen sind leicht zurückgegangen.

Chris Iseli / LZB

Lange Zeit sind die täglichen Infektionszahlen bei rund 2200 Infektionen verharrt. Jetzt meldet das BAG erstmals seit langem mit 1831 laborbestätigten Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden einen Wert unter 2000. Das war seit Anfang April nicht mehr so, betrachtet man nur die relevanten Wochentage und nicht das Wochenende, an dem viel weniger getestet wird.

Die Modellierungen der Taskforce zeigen aufgrund der dominierenden und ansteckenderen britischen Virusvariante und aufgrund der Öffnungsschritte eigentlich ein exponentielles Wachstum in diesen Tagen voraus. Dass die Kurve nun in die andere Richtung geht, ist erfreulich. Die Taskforce betont allerdings immer, ihre Kurven seien keine Prognosen, sondern Szenarien unter gewissen Bedingungen.

Der R-Wert ist unter 1 gefallen

Diese Bedingungen, insbesondere die Öffnungsschritte, scheinen sich bis jetzt zumindest also nicht so stark auszuwirken, wie befürchtet. Das zeigt auch der Trend, welcher der Reproduktionszahl abzulesen ist. Der R-Wert liegt mit 0,98 wieder unter 1, was bedeutet, dass die epidemische Verbreitung des Coronavirus gebremst ist.

Auffällig ist bei den jetzigen Infektionsfällen, dass diese nicht mehr in erster Linie die Senioren betreffen, sondern Menschen in der Schweiz im mittleren und noch mehr im jugendlichen Alter bis 29. Die inzwischen weit fortgeschrittenen Impfungen der über 65-jährigen scheint sich auszuwirken.

Derweil schreiten die Impfungen nun auch bei den Jüngeren voran, bis heute sind rund 930000 Menschen vollständig geimpft, etwa 11 Prozent der Bevölkerung. Das macht Hoffnung, denn die Leiterin der Taskforce, Christine Kopp, hat an einer wissenschaftlichen Veranstaltung darauf hingewiesen, dass es in Israel aufgrund der Impfungen seit Wochen keine Coronatoten mehr gebe. Dort sind allerdings 80 Prozent geimpft.

Das Spektrum an Geimpften wird wohl bald erweitert. Biontech/Pfizer hat gestern bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eine Zulassung für Kinder ab 12 Jahren beantragt. Die Phase-III-Studie zeigte eine 100-prozentige Wirksamkeit und starke Antikörperantworten bei den 12- bis 15-jährigen Teilnehmern mit oder ohne vorherige Infektion. Diese waren sogar höher als die Antikörperantworten bei 16- bis 25-Jährigen.

Leute sind mehr im Freien

Virginie Masserey vom BAG hat diese Woche in Bern gesagt, dass sich das BAG freue, «dass die Öffnungsschritte bisher keine negativen Konsequenzen hatten». Die Stagnation und der nun leichte Rückgang habe mehrere Ursachen. Einerseits, weil sich die Menschen wieder mehr im Freien bewegten, wo die Ansteckungsgefahr deutlich kleiner ist als in Innenräumen. Zum anderen werde mehr getestet und deshalb könne die britische Variante besser unter Kontrolle gehalten werden. Die Stabilisierung und derzeitige Entwicklung der Fallzahlen spreche für das 3-Phasen-Modell der Lockerungen, das der Bundesrat beschlossen habe.

Weniger gut als bei den Fallzahlen sieht es mit der Situation in den Intensivstationen aus, die stark belegt sind. 108 Personen mussten in den letzten 24 Stunden hospitalisiert werden. Zudem nähern wir uns der Zahl von 10'000 Coronatoten seit Pandemiebeginn an. Das BAG meldet 9971 laborbestätigte Todesfälle in der Schweiz und 56 Fälle in Liechtenstein, was zusammen die Zahl von 10'027 Todesfällen ergibt..