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Ernst «Aschi» Wyrsch: «Hier bin ich der Aussenminister»

Von der Galerie seines Hauses geniesst der umtriebige Hotelmanager Ernst Wyrsch die Aussicht über die Davoser Landschaft.Mathias Marx

Von der Galerie seines Hauses geniesst der umtriebige Hotelmanager Ernst Wyrsch die Aussicht über die Davoser Landschaft.Mathias Marx

Fast sein halbes Leben lang wohnte Ernst Wyrsch (52) in Hotels und hatte kaum ein Privatleben. Deshalb ist er vor sieben Jahren mit seiner Familie in ein eigenes Haus gezogen. Hotelgäste sind hier trotzdem manchmal zu Besuch.

Die letzten Nebelschwaden lösen sich langsam auf und geben den Blick frei auf die goldig verfärbten Lärchen und die verzuckerten Bergspitzen mit dem Piz D’Esan im Hintergrund. Jeder Künstler würde bei diesem Ausblick über den See und die Bergwelt von Davos sogleich seine Staffelei zücken. Ernst «Aschi» Wyrsch steht mit einem Lächeln auf den Lippen am Fenster seines Büros und blickt durchs Fenster. Zufrieden, glücklich, geerdet. «Das hier ist ein Kraftort.» Das habe er sofort gespürt, als er das Haus in Davos-Wolfgang zum ersten Mal betreten habe. Das moderne Haus im Chalet-Stil mit sieben Zimmern und einer grossen Fensterfront über zwei Stockwerke steht direkt am Wald.

Vor sieben Jahren ist der Hotelier Ernst Wyrsch, der bis 2011 das 5-Sterne-Haus Steigenberger Grandhotel Belvédère in Davos führte, mit seiner Frau und den zwei Kindern hier eingezogen. «Über 15 Jahre haben wir immer in Hotels gelebt», erzählt er. Das hatte zwar den Vorteil, dass er keine langen Arbeitswege hatte, dafür aber auch keine Privatsphäre. Manchmal müsse man ja schliesslich auch aus der Glitzerwelt treten, meint er schmunzelnd. Diese konnte er vor allem während des World Economic Forum WEF hautnah erleben, als unzählige Staatspräsidenten, Hollywood-Stars und Top-Manager im «Belvédère» abstiegen.

Die Gesamtkomposition muss stimmen

Das private 5-Sterne-Reich haben die Wyrschs von einem Innenarchitekten übernommen. «Das hatte den Vorteil, dass alle Kinderkrankheiten bereits korrigiert waren.» Denn Umbauen musste Wyrsch in seiner Hotelier-Zeit zur Genüge und war deshalb froh, dass das neue Zuhause nicht auch solche erforderte. Für die Einrichtung zuständig ist aber seine Frau Sylvia. «Sie hat ein Flair dafür», sagt Wyrsch stolz. Das Wohnzimmer hat seine Luftigkeit behalten und ist mit ausgesuchten Stücken wie einer Le- Corbusier-Liege, einer antiken Holzkommode oder der Belux-Lampe One by One von Steve Léchot eingerichtet. «Es sind nicht so sehr die einzelnen Möbelstücke, die uns gefallen, sondern die Gesamtkomposition», sagt Ernst Wyrsch.

Nur einen kurzen Blick lässt er in sein Schlafzimmer gewähren. «Ja, hier hat Bill Clinton geschlafen», beantwortet er die unausgesprochene Frage, die er in den neugierigen Gesichtern seiner Gäste ablesen konnte. Damit hat es sich aber auch schon mit dem Name-Dropping. So offen und umgänglich der Hotelier-Profi auch ist, Diskretion hält er hoch. Wer sonst noch alles hier zu Gast war, ist und bleibt für ihn Privatsache.

«Ich bin hier der Aussenminister», meint Ernst Wyrsch dafür ganz weltmännisch, lacht und wippt mit seinen eleganten Lederslippern. Was heisst, dass er sich vor allem um den Garten kümmert und Rasen mäht, «obwohl das meine Frau besser könnte». Die Küche ist ebenfalls ihr Reich, auch wenn Wyrsch ausgebildeter Koch ist. Das habe er seinerzeit ohnehin nur gelernt, um sein Ziel, Hotelmanager zu werden, schneller erreichen zu können.

Nur beim Auto pingelig

Inzwischen sind wir wieder in seinem Büro, Wyrschs Lieblingsort, das nicht besonders repräsentativ eingerichtet ist, sondern schon eher ein kreatives Chaos präsentiert. «Ich bin doch eher unsystematisch organisiert – ausser im Auto, da bin ich pingelig», verrät er.

So hingebungsvoll und mit Herzblut er seinen Beruf in den letzten Jahren ausgeübt hat, auf dem Zenit seiner Karriere mit gerade mal 50 Jahren war für ihn trotzdem Schluss. Er kündigte seinen glamourösen Job und gibt seither sein Fachwissen als Motivationstrainer und Präsident von Hotellerie Suisse Graubünden sowie VR-Präsident des Hotels Kulm in Arosa weiter. «Weil ich es mir leisten kann, nicht mehr arbeiten zu müssen, ist es auch keine Pflicht, sondern Freude, mich im Büro aufzuhalten.» Wehmütig ist er nicht, die Glitzerwelt verlassen zu haben. Ihm bleibt als Erinnerung das Bild seiner Mitarbeiter, wo er inmitten seiner Crew mit Bill Clinton posiert. «Das Bild wird mich ewig begleiten.»

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