«Pfingstsprützlig»
Ein junger Mann im kiloschweren Baum-Kostüm: der wohl härteste Pfingst-Brauch der Schweiz

Viel Zeit, gutes Essen und ein paar Ausflüge – für viele bedeutet das Pfingstwochenende Erholung. Nicht so für Ramon Weiss: In einem Kostüm aus den Ästen mehrerer Buchen wandelt der 17-Jährige am Sonntag als «Pfingstsprützlig» durch Sulz im Fricktal. Eine Ehre, eine Qual – und ein einzigartiges Spektakel.

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Am Pfingstsonntag findet in den Ortschaften Sulz, Obersulz und Bütz ein ganz besonderer Fruchtbarkeits-Brauch statt. Der Teenager, der jeweils als letztes die Oberstufe abgeschlossen hat, wird im Wald mit Ästen von mehreren mittleren Buchen eingekleidet. Als «Pfingssprützlig» wird er zusammen mit seinen Helfern später im Dorf alle Brunnen leer spritzen.

Wir haben Ramon Weiss 2018 bei dieser Aufgabe begleitet. Letztes und vorletztes Jahr war er der Pfingstsprützlig von Obersulz. Und es trifft ihn wohl auch dieses Jahr wieder – schlicht und einfach, weil er noch immer der bisher letzte Schulabgänger des Orts ist.

Doch darüber schweigen sich die Organisatoren laut der Gemeindekanzlei Laufenburg bis zuletzt aus – wer wirklich unter die die Buchenäste kommt, entscheidet sich erst am Sonntagmorgen im Wald.

«Es macht zum Teil auch Spass»

Ramon wusste also letztes Jahr bereits, was auf ihn zukommt. «Sobald man das Kostüm an hat, ist die Nervosität weg und dann macht es zum Teil auch Spass. Und es ist eine Ehre», sagte der damals 16-Jährige während der morgendlichen Vorbereitungen.

Die Serie

Kennen Sie Ihr Zuhause so gut, dass Sie nichts mehr überraschen kann? Wir wollen das Gegenteil beweisen. Die Video-Serie unter dem Titel «Miini Region, diis Dihei» erzählt aussergewöhnliche Geschichten aus den verschiedenen Regionen der Nordwestschweiz. Es sind Porträts über interessante Persönlichkeiten, über urchige Traditionen oder spezielle Bräuche. Ab dem Pfingstwochenende bis Mitte Juli geht jeden Samstag ein neues Video online.

Dann werden jeweils mehrere Buchen gefällt und die Äste für das Kostüm zurechtgestutzt. Ziel ist es, dass der junge Mann vollkommen unter seinem grünen Kostüm verschwindet.

Was dann kommt, macht vielleicht «zum Teil Spass», wie es Ramon ausdrückt, ist aber auch eine Qual. Das Kostüm ist um die 40 Kilo schwer, die Äste drücken in den Rücken und nicht zuletzt ist da noch die Aufgabe: das Leeren der vier Brunnen im Ortsteil. Immerhin: Helfer unterstützen den Pfingststprützlig, Kinder feuern ihn mit Kuhglocken an.

Nach über zwei Stunden wird der junge Mann aus seinem Kostüm befreit. Es folgt der gemütliche Teil des Brauches: Die Sulzer und Heimweh-Sulzer sitzen zu Speis und Trank auf dem Turnhallenplatz zusammen – meistens, bis tief in die Nacht.

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