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Ein Drittel aller Kuckucksuhren weltweit kommt aus dem Schwarzwald – ein Besuch in der nächsten deutschen Ferienregion

Der Raimatihof mit dem Feldsee davor. Zu der Oase fährt kein Auto, aber eine Kutsche.

Der Raimatihof mit dem Feldsee davor. Zu der Oase fährt kein Auto, aber eine Kutsche.

Solange Deutschland die meisten Schweizer ungehindert einreisen lässt, ist der Hochschwarzwald ein attraktives Ziel. Sportler können wandern, biken oder Ski fahren. Wir aber haben die Kutsche genommen.

Die Schwarzwälder Füchse sind eine spezielle Pferderasse. Rund 500 Kilogramm schwer und zwischen 148 und 156 Zentimeter gross, dunkel gefärbt, mit heller Mähne. Ausserdem zeichnet die Kaltblüter ein ruhiger Charakter aus. Oft werden sie deswegen als Therapiepferde genutzt, ziehen Kutschen und Schlitten oder werden im Wald für das Herausziehen von schweren Stämmen eingesetzt.

© Mussilier

Auf dem Bartleshof in Hinterzarten stehen neun Schwarzwälder Stuten und Wallache. Die 19-jährige Aida ist vor dem Stall angebunden und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Sie trägt ein historisches Arbeitsgeschirr. Daran hängt ein Dachsfell. Hofbesitzer Manfred Feser erklärt, dass man Dachsfelle dazu verwendet, Wunden einzureiben und abzudecken, um sie vor Fliegen zu schützen.

Acht Kutscher rund um den Titisee

Der Bartleshof liegt inmitten der lieblichen Landschaft des Hochschwarzwaldes, umgeben von bewaldeten Bergen. Man hört nur das genüssliche Grasrupfen der Pferde. Ruhe schleicht sich ins Herz. Die weitläufige Natur des Hochschwarzwaldes ist Balsam für die Seele. Diese Ruhe spüren wohl auch die Pferde.

Für die Kutschenfahrten, die auf dem Bartleshof neben Ausritten, Reitstunden und im Winter Schlittenfahrten angeboten werden, tauscht Manfred Fesers Tochter Lisa Meier das Arbeitsgeschirr durch ein Ledergeschirr aus.

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Und weil im Hochschwarzwald auch immer einige Höhenmeter zu bewältigen sind, kommt ein zweites Pferd vor die Kutsche. Lisa Meier wird in die Fussstapfen des Vaters treten. Auf diese Aufgabe hat sie sich durch eine Ausbildung auf dem Landesgestüt in Marbach vorbereitet. Die Familie vom Bartleshof gehört zu den acht Kutschern, die es rund um den Titisee gibt.

Tradition kann auch erlebt werden, wenn man sich mit der Kutsche zum Raimatihof fahren lässt. Das Gasthaus ist nicht mit dem Auto erreichbar. Wer nicht mit der Kutsche hinfahren will, erreicht den Raimatihof nur zu Fuss oder per Velo. Rund 200 Höhenmeter müssen die Pferde vom Bartleshof zum Raimatihof bewältigen. Deshalb brauchen sie dort eine längere Pause. Das ist für die Passagiere die Gelegenheit, sich mit typischen Spezialitäten wie dem hausgeräucherten Schwarzwälder Schinken verköstigen zu lassen oder einen Ausflug zum nahe gelegenen Feldsee zu machen. Der idyllische See am Fusse des Feldbergs liegt inmitten eines Naturschutzgebietes.

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Am See gilt ein generelles Badeverbot zum Schutz einer seltenen Art des Stachelsporigen Brachsenkrauts. Der Unterwasserfarn gedeiht in ein bis zwei Meter Tiefe und kommt in Deutschland sonst nur noch im Titisee vor. Rund um den Feldsee befindet sich ein Bannwald, der sich selbst überlassen wird. Das Naturschutzgebiet besteht seit 1937 und ist das älteste Naturschutzgebiet in Baden-Württemberg.

Jede dritte Kuckucksuhr wurde hier hergestellt

Wer genug frische Luft geschnappt hat, für den ist es Zeit, dem Klostermuseum St. Märgen einen Besuch abzustatten. Dort wird die Schwarzwälder Uhrengeschichte präsentiert. In den vielen Stuben hockt überall irgendwo ein kleiner Kuckuck, der mit seinen Rufen die Zeit anzeigt.

© Mussilier

Der Hirsch mit seinem mächtigen Geweih blickt auf das Geschehen, dahinter sind Berge zu erkennen. So kennt man sie – ein bisschen heile Welt und Heimatgefühle verbreitend. Dass es die Kuckucksuhr zuhauf auch in anderen Variationen und mit unterschiedlichsten Figuren oder Klängen gibt, wissen viele nicht.

Rudolf Schwär erwartet die Besucher im Anzug der früheren Uhrenhändler im Hof vor dem Klostermuseum St. Märgen. Auf seinem Rücken trägt er eine 11 Kilogramm schwere Last. Auf dem Holzgestell befinden sich Uhrwerke und Schilder. So legten die Uhrenhändler einst viele Kilometer zurück. Schwär erzählt:

Rudolf Schwär vom Klostermuseum St. Märgen

Rudolf Schwär vom Klostermuseum St. Märgen

Besonders prachtvolle Uhren aus St. Märgen ticken am Zarenhof, im Schloss Schönbrunn in Wien, in Paris und sogar in Istanbul und in Amerika.

Der Kuckuck war zuerst eine Amsel

Dann nimmt der ehrenamtliche Museumsführer seine Gäste auf eine Zeitreise mit. Im ersten Stock des Museums sind die ältesten vollständig aus Holz gebauten Uhrwerke zu bewundern. Die älteste Uhr stammt aus der Zeit um 1650. Der Kuckuck wurde einst eingebaut, damit die Uhr die Blicke auf sich zieht. Die ersten Vögelchen hatten allerdings mehr mit der Amsel gemeinsam. Soundtechnische Gründe sorgten im 19. Jahrhundert dafür, dass der Vogel zum Kuckuck mutierte. Zwei kleine Pfeifen sorgen für den richtigen Ton.

Es gibt aber auch tanzende Figuren zum Stundenschlag oder hämmernde und sägende Bauern. Der Kundenwunsch hatte Priorität. Das wertvollste Stück der Sammlung ist eine Hackbrettuhr. Sie stammt vom berühmten Holzbildhauer Matthias Faller.

Die Uhrenhändler wagten die Reise in die Fremde oft ohne die nötigen Sprachkenntnisse. Der umsatzstärkste Markt für Uhren aus dem Schwarzwald ist um 1851 herum England. Durch die Revolution 1848 haben ausserdem immer mehr Deutsche das Land Richtung Amerika verlassen. Unter ihnen Uhrenhändler. In Amerika waren die Kuckucksuhren besonders beliebt.

In der Schweiz und in Österreich wurden vergleichbare Uhren wie im Schwarzwald gebaut. Da die Schwarzwälder ihre Schilder aber wohl günstiger gemalt haben, hängen heute vor vielen Schweizer Uhren Schwarzwälder Lackschilder.

Ferienregion ennet der Grenze

Der Hochschwarzwald, nahe der Schweiz und nur 30 Kilometer östlich von Freiburg gelegen, ist die beliebteste Ferienregion im Schwarzwald. Ein Wahrzeichen ist der Feldberg, mit 1493 Metern der höchste Berg in Baden-Württemberg. 2000 Gastgeber mit mehr als 30000 Betten zählen die 16 Orte. Ein gerade bei Besuchern aus der Schweiz beliebtes Tagungs- und Wellnesshotel ist das Hotel Saigerhöh mit grosszügigen Zimmern (www.saigerhoeh.de). Der Hochschwarzwald bietet ein Wanderwegnetz von über 1700 Kilometer Länge, zahlreiche Rad- und Mountainbike-Strecken, Erlebnispfade, Winterwanderwege, rund 50 Kilometer ausgeschilderte Schneeschuhtrails und 60 Skilifte. Wassersportler finden am Titisee und am Schluchsee ein breites Angebot. Ausserdem gilt der Hochschwarzwald als grösste ausgezeichnete familienfreundliche Ferienregion in Baden-Württemberg. (mus)  Mehr Informationen: www.hochschwarzwald.de und www.kloster-museum.de.

Der Hochschwarzwald, nahe der Schweiz und nur 30 Kilometer östlich von Freiburg gelegen, ist die beliebteste Ferienregion im Schwarzwald. Ein Wahrzeichen ist der Feldberg, mit 1493 Metern der höchste Berg in Baden-Württemberg. 2000 Gastgeber mit mehr als 30000 Betten zählen die 16 Orte. Ein gerade bei Besuchern aus der Schweiz beliebtes Tagungs- und Wellnesshotel ist das Hotel Saigerhöh mit grosszügigen Zimmern (www.saigerhoeh.de). Der Hochschwarzwald bietet ein Wanderwegnetz von über 1700 Kilometer Länge, zahlreiche Rad- und Mountainbike-Strecken, Erlebnispfade, Winterwanderwege, rund 50 Kilometer ausgeschilderte Schneeschuhtrails und 60 Skilifte. Wassersportler finden am Titisee und am Schluchsee ein breites Angebot. Ausserdem gilt der Hochschwarzwald als grösste ausgezeichnete familienfreundliche Ferienregion in Baden-Württemberg. (mus)

Mehr Informationen:
www.hochschwarzwald.de und www.kloster-museum.de.

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