Informatik

Wie funktioniert das, wenn Kinder programmieren lernen sollen?

Programmiere die Computer-Games, die du spielen willst, und lerne gleichzeitig, wie Computer und Programme funktionieren. «Hello World!» zeigt dir, wie das geht. Lars Plougmann/Creative Commons

Programmiere die Computer-Games, die du spielen willst, und lerne gleichzeitig, wie Computer und Programme funktionieren. «Hello World!» zeigt dir, wie das geht. Lars Plougmann/Creative Commons

Was Pädagogen sauer aufstösst, ist das computerbasierte Denken der heutigen Gesellschaft, das Kinder schon früh mitbekommen. «Hello World!» – Ein Buch gibt eine fundierte, unterhaltende und durchaus kindergerechte Einführung ins Thema Informatik.

Alexander Repenning, Inhaber des Lehrstuhls der Hasler-Stiftung für Informatik-Bildung an der PH der FHNW in Windisch, forderte in einem Interview mit der «Nordwestschweiz» alle Kinder müssten programmieren lernen. Die Forderung ist unbestritten, unsere Welt ist dermassen von Computern durchsetzt, dass die Schule nicht daran vorbeigehen kann.

Was «traditionellen» Pädagogen etwas aufstösst, ist der Begriff des «computational thinking», des computerbasierten Denkens, dem Professor Repenning eine fundamentale Bedeutung gab. Kinder müssten lernen, «wie ein Computer zu denken», würde der erwähnte traditionelle Pädagoge – natürlich gibt es ihn schon lange nicht mehr – einwerfen.

Ist es das? Können Computer «denken»? Eine Frage, die noch immer offen ist – und es wohl bleiben wird. Computer verarbeiten Informationen; hartnäckige Humanisten (gar nichts gegen die!) werden sich darauf versteifen, dass «Denken» beim Menschen eben etwas anderes ist und mehr leistet. Und Joseph Weizenbaum suggerierte schon in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, wir steuerten auf einen Eisberg zu, weil wir uns angewöhnt hätten, in der (boole’schen) Logik der Computer zu denken.

Lassen wir die Debatte. Sie ist immer noch heiss. Zu heiss, vielleicht.

Gehen wir in die Praxis. Wie geht das, wenn Kinder programmieren lernen sollen? Gehts los mit «computational thinking»?

Das wäre wohl etwas viel verlangt. Programmieren, wie es Vater und Sohn Sande in diesem Buch angehen, ist eben das, was das Wort eigentlich bedeutet: einem Computer beibringen, das zu tun, was man von ihm getan haben möchte. Sie behandeln den Computer – so kommt es einem manchmal vor – wie ein Kind. Kindern muss man Dinge etwas speziell erklären, damit sie sie verstehen.

Wie siehts denn ein Computer?

«Computational thinking» heisst ja, sagte Professor Repenning im Interview, ein Problem so «sehen», wie es einem Computer vorkommen würde. Das heisst für den menschlichen Programmierer: Analysiere das Problem, mach es zu einem, das berechenbar ist. Wenigstens, wenn du eine Lösung willst. Die Wissenschaften gehen immer mehr diesen Weg. Repenning erwähnt die Biologie. Es läuft darauf hinaus, dass man Phänomene, die man «erklären» will, auf Computern simuliert. So auch das Human Brain Project, das alle verfügbaren Informationen über das menschliche Gehirn so zusammenstellen will, dass am Schluss ein Supercomputer ein menschliches Gehirn simulieren kann. Was heisst das genau? Dass, wenn man etwas hineingibt, Ähnliches herauskommt, wie ein Gehirn ausgeben würde? «Verstehen» wir dann wirklich, wie das Gehirn «denkt»? (Die vielen Anführungszeichen zeigen, dass wir uns da begrifflich nicht auf dem dicksten Eis bewegen.)

Informatikunterricht soll mehr sein als Programme anwenden. Da ist man sich im pädagogischen Sektor ziemlich einig. Und es leuchtet ja auch ein. Schülerinnen und Schüler dürften sich in den meisten gängigen Programmen und Apps sehr schnell besser auskennen als ihre Lehrer. Das ist einfach so.

Es ist ein bisschen wie mit dem Denken. Informatikunterricht sollte den Kindern klarmachen, was Computer wirklich tun. Ja, sie rechnen. Aber das ist doch schon eine sehr abstrakte Angabe. Weizenbaum kritisierte zum Beispiel, dass wir die Welt nur noch durch eine Brille sehen würden, deren Gläser die Aussagenlogik liefert. Das ist nicht falsch, aber verkürzt.

Bei Warren und Carter Sande sieht man, wie schnell alles «technisch» wird. Schon auf Seite 35 kommt das Fliesskomma. Datentypen, Strings, Sprite – Dinge wie Integrale und Differenziale und Abel’sche Tensoren und Riemann’sche Räume?

Wir lernen in einer Welt, die wir mittels unseres Gehirns wahrnehmen. Die Mathematik hilft uns, sie zu verstehen. Aber: je genauer, desto abstrakter. Und die Frage ist schon, wie schnell man in der Schule die konkrete Welt (sofern es Sinn macht, von so etwas zu reden) verlassen und hinter sich lassen will?

Warren und Carter Sande: Hello World! Programmieren für Kids und andere Anfänger. Hanser München 2014. 475 S., Fr. 42.90. (Mit Python-Programm-CD und Zugangscode zum E-Book-PDF)

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