Warum braucht es die neue Domain-Endung .swiss?

Die Schweiz ist im Internet ein Sonderfall. Die angestammte Domain-Endung .ch verbinden im Ausland viele nicht mit unserem Land, sie wird manchmal gar Chile zugeordnet – was für Unternehmen und Organisationen, die ein weltweites Publikum ansprechen, ein Problem sein kann. Der Bund hat sich deshalb beim Internet-Markenregistrierungssystem ICANN um die Endung .swiss beworben und den Zuschlag erhalten.

Wer kann sich für die neue Internetadresse bewerben?

Seit Anfang Woche können Gesuche bei einem Registrierdienst oder einem Wiederverkäufer (z.B. Switchplus) eingereicht werden. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) prüft darauf die Eingaben, wobei die Vergabe der Domains in zwei Phasen erfolgt. Bis zum 9. November dürfen sich nur im Handelsregister eingetragene Unternehmen oder öffentlich-rechtliche Organisationen (etwa Kantone oder Gemeinden) bewerben. Ab dem 11. Januar 2016 können sich auch nicht im Handelsregister eingetragene Vereine und Stiftungen melden, wobei sie ebenfalls ihren Sitz in der Schweiz
haben müssen. Dass die Swissness-Vorlage (siehe Box) sozusagen über die Hintertüre umgangen wird, soll dadurch verhindert werden. Ausländische Firmen können sich gar nicht erst bewerben. Die Domain-Endung .swiss soll eine exklusive Plattform zur Vermarktung der Schweizer Wirtschaft, des Tourismus und der Kultur werden.

Können sich auch Privatpersonen die Endung .swiss sichern?

Nein. Gemäss Aussagen des Bakom-Direktors ist auch nicht vorgesehen, dies zu ändern.

Entscheiden also Beamte über das Schicksal von Firmen?

Das Bakom prüft jedes Gesuch einzeln. Im Gegensatz zu anderen Domains ist aber nicht einfach der «Schnellere» der «Gschwindere», sondern es wird nach einem Kriterienkatalog entschieden. Erste Priorität haben öffentlich-rechtliche Organisationen, danach kommen Inhaber von Kennzeichenrechten und andere Organisationen. Es ist absehbar, dass es dabei zu Konflikten kommen wird. Wem gehört etwa die Domain «www.hotel.swiss»? Der Bund muss definieren, wer den «höheren Mehrwert» aufweist – doch das ist eine Ermessensfrage. Unterlegene können den Rechtsweg beschreiten.

Besteht überhaupt ein Interesse?

Gemäss Bakom haben sich in den ersten Stunden bereits Dutzende Firmen und Organisationen beworben. Eine Umfrage der «Nordwestschweiz» bei international orientierten Unternehmen ergibt kein einheitliches Bild: Für «swisscom.swiss», «lindt.swiss», «migros.swiss» sind Bewerbungen eingegangen, Zermatt Tourismus will neben dem eigenen Namen zusätzlich «matterhorn.swiss» registrieren lassen. Auch Feldschlösschen und die Fluggesellschaft Swiss bewerben sich für mehrere Domains. Zahlreiche Firmen wollen sich nicht zur Geschäftsstrategie äussern.

Was kostet das alles?

Für die Benutzer gibt es keinen festgelegten Preis, der freie Markt entscheidet. Derzeit liegt der Preis für eine «.swiss»-Endung bei 120 bis 200 Franken pro Jahr. Das Bakom erhebt zusätzlich eine Gebühr von jährlich 90 Franken. Deutlich teurer sind die Anfragen von ganzen Branchen (etwa «schokolade.swiss»). Dank all dieser Einnahmen soll der Betrieb für den Bund innert drei bis fünf Jahren kostendeckend sein.

Wann gehen die ersten Domains online?

Nach Überprüfung der Gültigkeit veröffentlicht das Bakom die Gesuche während 20 Tagen, damit weitere Bewerber sich melden können. Die ersten «.swiss»-Domains, bei denen keine weiteren Abklärungen nötig sind, werden im Dezember aufgeschaltet.