Seit Jahren bläuen IT-Experten und Medien den PC-Nutzern ein, ihren Computer mit einem Virenscanner zu schützen. Der Ratschlag ist gut gemeint und war vor einigen Jahren auch noch sinnvoll – aber die Zeiten ändern sich. Heute lohnt es sich für private PC-Nutzer nur noch bedingt, Geld für einen teuren Virenscanner auszugeben. Es gibt eine einfache Alternative.

Seit Windows 8 ist Microsofts eigener Virenscanner «Windows Defender» fester Bestandteil des Betriebssystems. Seit Windows 10 schützt Windows Defender private Computer genau so gut wie kommerzielle Virenscanner von Norton, McAfee, Avira etc. Dies zeigt der neuste Virenscanner-Vergleich der deutschen Sicherheitsspezialisten von AV-Test.

Wer seinen privaten PC schützen will, kann also entweder jedes Jahr Geld für sein Virenscanner-Abo ausgeben oder einfach die Schutzfunktion Windows Defender in Windows 10 aktivieren (die Anleitung folgt weiter unten in diesem Artikel).

1. Spalte: Schutzwirkung. 2. Spalte: Geschwindigkeit bzw. Systembelastung. 3. Spalte: Vermeidung von Fehlalarmen. (Handy-Nutzer können die Tabelle antippen, um sie zu vergrössern)

Die 20 populärsten Virenscanner für Windows 10 im Vergleich.

1. Spalte: Schutzwirkung. 2. Spalte: Geschwindigkeit bzw. Systembelastung. 3. Spalte: Vermeidung von Fehlalarmen. (Handy-Nutzer können die Tabelle antippen, um sie zu vergrössern) 

Microsofts Windows Defender schützt genau so gut wie die teuren Virenscanner

Bei der Schutzwirkung liegt Microsofts Windows Defender laut den jüngsten Untersuchungen des AV-Test-Teams auf Augenhöhe mit den Virenscannern der Testsieger AhnLab, Avast, AVG, Avira oder Bitdefender. Der in Windows 10 integrierte Gratis-Virenscanner erreicht bei der Schutzfunktionen den Maximalwert von 6 Punkten, bei der Geschwindigkeit bzw. Systembelastung 5.5 Punkte und bei der Benutzbarkeit 4 von 6 Punkten. Die relativ tiefe Punktzahl bei der Benutzbarkeit (d.h. wie oft schlägt der Virenscanner fälschlicherweise Alarm) ist darauf zurückzuführen, dass Windows Defender im Testzeitraum November bis Dezember 2017 gleich mehrere ungefährliche Programme fälschlicherweise als Schadsoftware identifizierte. 

Konkret erkannte Windows Defender im Dezember 2017 100 Prozent der von AV getesteten Schadprogramme und Zero-Day-Attacken. Letztere bezeichnen besonders gefährliche Angriffe, die neue Sicherheitslücken ausnutzen, für die es noch keine Sicherheitsupdates gibt. Im November 2017 wehrte Microsofts hauseigenes Sicherheits-Tool 100 Prozent der getesteten Schadprogramme und 98,9 Prozent der geprüften Zero-Day-Angriffe ab. Die Erkennungsrate von Windows Defender ist inzwischen so hoch, dass kommerzielle Virenscanner, wenn überhaupt, nur minimal besser sein können.

Auch bei der Geschwindigkeit muss man sich keine Sorgen machen: Die Verlangsamung beim Aufruf von populären Webseiten mit aktiviertem Windows Defender beträgt bei einem Standard-PC sechs und bei einem Highend-PC zehn Prozent. Statt zum Beispiel 0.5 Sekunden zum Laden bräuchte eine Webseite also 0.55 Sekunden. Diese Verlangsamung ist im Alltag kaum spürbar. Beim Kriterium Geschwindigkeit schneiden fast alle der bekannten Virenscanner gut ab. Das früher oft gehörte Argument, Virenscanner würden PCs zu stark ausbremsen, spielt heute kaum mehr eine Rolle.

Wer kein Geld für Virenscanner ausgeben möchte, kündigt einfach das Virenscanner-Abo. Sobald das Abo abläuft und der PC nicht mehr geschützt ist, aktiviert sich Windows Defender automatisch. Alternativ kann man Windows Defender in den Windows-Einstellungen unter «Update und Sicherheit» manuell aktivieren.

Microsoft bohrt Windows Defender weiter auf

Windows Defender ist fester Bestandteil von Windows 10 und wurde in den letzten Jahren mit jedem Update mächtiger. Nun hat Microsoft angekündigt, dass Windows Defender ab März 2018 auch so genannte Scareware automatisch entfernen soll. Gemeint sind Abzocker-Programme, die ängstliche PC-Nutzer mit Meldungen wie «Sie haben 35 Viren auf dem PC. Zahlen Sie jetzt, um diese zu bereinigen» einschüchtern und zur Zahlung verleiten.

Diese fragwürdigen Programme gaukeln Nutzern eine Infektion mit Viren oder anderer Schadsoftware vor, obwohl in der Regel gar keine Bedrohung vorliegt. Der Nutzer soll so zum Kauf von Schutzsoftware verleitet werden.