Die Spatzen pfeifen es seit Wochen von den Dächern: Das neue iPhone wird zwei Schuhnummern grösser als gehabt. Statt eines kleinen 4-Zoll-Displays dürfte im iPhone 6 ein 4,7 Zoll grosses Display verbaut werden. Davon geht nun auch die Nachrichtenagentur Reuters aus. Zum Vergleich: Die Top-Smartphones von Samsung, Sony oder Nokia sind seit längerem zwischen 4,5 und 5 Zoll gross.

In den Läden dürfte das neue iPhone wie gewohnt im Herbst auftauchen. Laut Reuters läuft die Produktion des 4,7 Zoll grossen und extrem dünnen Displays schon im Mai an. Fabriziert würden die Touchscreens von Japan Display, Sharp und LG aus Südkorea.

Ein Phablet von Apple?

Nur ein neues iPhone ist vielleicht nicht genug: Das ebenfalls erwartete Apple-Phablet - ein 5,5-Zoll-Smartphone in Übergrösse - werde etwas später produziert, heisst es weiter. Angeblich haben die Zulieferer mühe, das von Apple gewünschte, extrem dünne Display in dieser Grösse zu fertigen. Das dünne Display ermöglicht ein noch schlankeres Smartphone, das deshalb auch iPhone Air heissen könnte.

Apple und grosse Smartphones? Was so gar nicht zusammenpassen will, ist durchaus plausibel: Der japanische Touchscreen-Hersteller Japan Display - ein Gemeinschaftsunternehmen von Sony, Toshiba und Hitachi - hat vergangene Woche ein 5,5 Zoll grosses hochauflösendes Display für Highend-Smartphones vorgestellt, berichtet der Tech-Blog Engadget. Da Apple Kunde von Japan Display ist, kann man eins und eins zusammenzählen. Ob sich Apple-Chef Tim Cook wirklich für ein oder gar zwei grössere iPhone-Modelle entschieden hat, ist natürlich noch unklar.

Warum das iPhone grösser wird

Der Smartphone-Markt in Europa und den USA ist gesättigt und Apple verliert schleichend Marktanteile an die Konkurrenz. Am Mittwoch wurde bekannt, dass nun auch die iPhone-Hochburg Schweiz an Android gefallen ist. Apple könnte daher versucht sein, mit einem grösseren iPhone den boomenden asiatischen Markt zu erobern.

Gerade in Südkorea und Hongkong können Smartphones nicht gross genug sein. Apple hat sich diesem Trend bislang verweigert, kann sich aber wohl nicht mehr länger gegen den Markt stemmen. Mitte 2013 ist man in China auf rund 5 Prozent Marktanteil abgerutscht. Der Versuch mit dem etwas günstigeren Plastik-iPhone 5C neue Kunden zu gewinnen, ist bislang gescheitert.

Das iPhone 5C (grüne Linie) verkauft sich nicht nur bei uns, sondern auch in China weit schlechter als das iPhone 5 (schwarz) und 5S (blau).

Das iPhone 5C (grüne Linie) verkauft sich nicht nur bei uns, sondern auch in China weit schlechter als das iPhone 5 (schwarz) und 5S (blau).

Das iPhone 5C (grüne Linie) verkauft sich nicht nur bei uns, sondern auch in China weit schlechter als das iPhone 5 (schwarz) und 5S (blau).

Nebst Samsung aus Südkorea geben in Asien chinesische Hersteller wie Lenovo, ZTE und der neue Überflieger Xiaomi den Ton an. Sie bedienen mit grossen Smartphones schon seit längerem den Geschmack der asiatischen Kunden.

Phablets verbinden die Vorteile grosser Smartphones und kleiner Tablets. Wer sich nur ein Gerät leisten kann oder will, greift daher oft zu einem solchen Allround-Gerät. Da Phablets auch im Westen immer populärer werden und klassischen Smartphones sowie kleinen Tablets Marktanteile streitig machen, ist ein grösseres iPhone wohl nur eine Frage der Zeit.

Weltweit hatten Phablets mit einem Display von 5 bis 6.9 Zoll (grüner Balken) Mitte 2013 sieben Prozent Marktanteil. In Südkorea, das dem Westen bei neuen Technologie-Trends oft Voraus ist, betrug ihr Anteil bereits 41 Prozent.

Anteil Phablets weltweit (oben) und in Südkorea (unten)

Weltweit hatten Phablets mit einem Display von 5 bis 6.9 Zoll (grüner Balken) Mitte 2013 sieben Prozent Marktanteil. In Südkorea, das dem Westen bei neuen Technologie-Trends oft Voraus ist, betrug ihr Anteil bereits 41 Prozent.

Je schneller das mobile Internet, desto beliebter sind Phablets

Insbesondere Südkorea und Hongkong bieten im Vergleich zur Schweiz seit Jahren eine bessere Abdeckung mit schnellem WLAN und mobilem Internet in öffentlichen Verkehrsmitteln. Südkoreaner schauen daher unterwegs weit häufiger Filme und Videos auf ihren mobilen Geräten - hauptsächlich auf Phablets.

Je intensiver ein Smartphone genutzt wird, insbesondere für Videos und Filme in Full-HD, desto eher lohnt sich ein grosses Display, sprich ein Phablet. Laut Swisscom verschlingt YouTube schon jetzt die Hälfte des mobilen Datenvolumens - Tendenz steigend. Da immer mehr Schweizer ein Flatrate-Abo haben, die Abdeckung mit mobilem Internet besser wird und entsprechend mehr Videos unterwegs gestreamt werden, dürfte sich der Trend zu grossen Displays akzentuieren.

Ein Apple-Phablet würde wohl die Verkäufe des iPad Mini kannibalisieren. Doch das ist für Apple weit besser, als Kunden an die Phablets der Konkurrenz zu verlieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf watson.ch