Das Geheimnis ist gelüftet: Lange war darüber gerätselt worden, wann das neue Onlineportal «Watson» online gehen würde. Am Mittwochabend war es nun so weit. Der Startschuss fiel publikumswirksam in der SRF-Sendung «10vor10».

Auf watson.ch beliefert ein 55-köpfiges Team um den ehemaligen «20 Minuten Online»-Chefredaktor Hansi Voigt die Nutzer mit Beiträgen aus vier Ressorts: «Gesellschaft, Politik und Wirtschaft», «Community und Panorama», «Sport» sowie «Digital und Games».

Politgeschichte als Quiz

«Zwischen Information und Zeitvertreib» fasst Voigt das inhaltliche Konzept von «Watson» zusammen. «Die User sollen hier Aktualität, aber auch die lustigsten Youtube-Videos finden.» Die Inhalte werden dem vorwiegend jungen Zielpublikum in allen möglichen multimedialen Erzählformen vermittelt – Fotos, Abstimmungen, Grafiken, Videos. Eine Politgeschichte, sagt Voigt, könne durchaus auch mal in ein Quiz verpackt sein.

asdf Bereit für den Start: Ein Teil des 55-köpfigen «Watson»-Teams im Zürcher Büro. Mathias Marx

asdf Bereit für den Start: Ein Teil des 55-köpfigen «Watson»-Teams im Zürcher Büro. Mathias Marx

Ein Büro in Hongkong

Unterstützung erhält die Zürcher Redaktion aus Hongkong. Von dort aus wird ein Mitglied der Redaktion die Seite während der Nacht betreuen und dafür sorgen, dass am Morgen neue Geschichten zu lesen sind. Alle sechs Wochen wechseln sich die Journalisten mit dem Dienst in der chinesischen Metropole ab. Ein Konzept, das Hansi Voigt aus seiner Zeit bei «20 Minuten Online» mitgebracht hat – genauso wie 40 Mitarbeiter, die ihm von seinem früheren Arbeitgeber gefolgt sind.

Eine Kopie des erfolgreichsten Online-Portals des Landes werde es deshalb aber nicht geben, sagt Voigt. Dafür soll auch die Zusammenarbeit mit «Spiegel Online» sorgen.

10 bis 15 Beiträge zu internationalen Themen wird das deutsche Nachrichtenportal täglich beisteuern. Im Gegenzug möchten die Spiegel-Verantwortlichen vom multimedialen Know-how der «Watson»-Redaktion profitieren. Verstärkt wird das Team von einigen namhaften Journalisten des Zürcher «Tages-Anzeigers».

Vier Jahre, 20 Millionen

20 Millionen Franken stehen den «Watson»-Machern in den kommenden vier Jahren zur Verfügung – bis dahin will Voigt schwarze Zahlen schreiben. Das Geld kommt von Verleger Peter Wanner, der unter anderem «Die Nordwestschweiz» herausgibt. 15 Prozent der Aktien sind im Besitz von Mitarbeitern.

In der Branche sind auch skeptische Stimmen über das Millionenprojekt zu vernehmen. Das Fachmagazin «Schweizer Journalist» etwa äusserte im Vorfeld Bedenken über die Erfolgsaussichten des neuen Portals. Die Aufmerksamkeit der Medienbranche ist «Watson» jedenfalls gewiss. Auf eine «virale Verbreitung» des Onlineportals hofft Voigt.

Bis in einem Jahr wollen er und sein Team zehn Prozent der Besucherzahlen von «20 Minuten» erreichen. Die leserstärkste Onlineplattform nutzen pro Tag knapp 600 000 Personen.

Die Lancierung zur späten Stunde ist bewusst gewählt – auf diese Weise bleibt eine Nacht Zeit, um technische Startschwierigkeiten zu beheben. Das Produktionssystem haben die «Watson»-Informatiker selber entworfen. «Ein Online-Portal ist nie völlig fertig», sagt Voigt. Noch in Arbeit ist die «Watson»-App für Smartphones – zu Beginn der Olympischen Spiele in Sotschi soll sie gratis zum Download bereitstehen.

Der Link zum neuen Newsportal: www.watson.ch