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Spannender als das neue S7 ist Samsungs dreibeinige Panoramakamera

Samsung präsentiert das neue Flaggschiff-Smartphone Galaxy S7. Spannender als das Handy ist aber eine 360-Grad-Kamera; die Gear 360.

Raffael Schuppisser
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Samsung stellt neue Produkte vor
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Sie hat die Form einer Kugel, ist nicht viel grösser als ein Golfball und steht auf drei ausklappbaren Beinen.
So sieht das Galaxy S7 aus.
Das Gerät hat einen Slot für eine Micro-SD-Karte und es ist wasserdicht.

Samsung stellt neue Produkte vor

Raffael Schuppisser

Im Vorfeld der Handymesse Mobile World Congress (MWC) hat Samsung am Sonntag in Barcelona das neue Samsung S7 vorgestellt. Es ist im wesentlichen eine Weiterentwicklung des letztjährigen Modells (siehe Box).

Der grosse Star an der Medienkonferenz war deshalb nicht das Handy selber, sondern ein anderes, gänzlich neues Gadget.

Samsung behebt (fast) alle Mängel

Letztes Jahr verabschiedete sich Samsung vom Plastik-Design und setzte fortan bei seinen Premium-Smartphones (wie andere schon länger) auf Aluminium. Das ging nicht ohne funktionelle Abstriche. So wurde Samsung kritisiert, dass sich der Speicher nicht mehr erweitern liess, das Gehäuse nicht mehr wasserdicht war und der Akku nicht mehr ausgetauscht werden konnte.

Die erste beiden Kritikpunkte hat der koreanische Hersteller mit dem vorgestellten Galaxy S7 korrigiert: Das Gerät hat einen Slot für eine Micro-SD-Karte und es ist wasserdicht. Der Akku lässt sich weiterhin nicht austauschen. Beim Design bleibt sich der Hersteller treu. Der Rahmen ist aus Aluminium, die Rückwand aus Glas. Die Kamera steht weniger stark heraus und generell ist die Form etwas runder geworden. Die neuen Geräte wird es in der Schweiz ab dem 11. März zu kaufen geben.

Das neue Flaggschiff-Smartphone gibt es in zwei Varianten: Das Galaxy S7 verfügt über einen 5,1-Zoll-Bildschirm und kostet mit 32-GB-Speicher 719 Franken. Das Galaxy S7 Edge hat einen etwas grösseren Bildschirm (5,5 Zoll), der auf beiden Seiten abgerundet ist; es kostet mit 32-GB-Speicher 819 Franken. Die 12-Megapixel-Kamera fängt verglichen mit jener des Vorgänger-Modelles 56 Prozent mehr Licht ein. Ausserdem funktioniert der Autofokus spürbar schneller.

Keine Verbesserung gab es hinsichtlich des Displays. Spekuliert wurde, dass Samsung seinen Premium-Modellen ein 4K-Display spendieren könnte. Eine grössere Pixeldichte wäre der Virtual-Reality-Anwendung zugutegekommen.

Gemunkelt wurde im Vorfeld auch, dass das Galaxy S7 ein druckempfindliches Display haben könnte, wie man es vom iPhone 6S her kennt (3-D-Touch). Das ist jedoch, wie sich gestern zeigte, nicht der Fall. Alles in allem hat Samsung sein Flaggschiff etwas erneuert, ohne jedoch neue technische Standards zu setzen.

Es handelt sich um die kleine Panoramakamera Gear 360. Sie hat die Form einer Kugel, ist nicht viel grösser als ein Golfball und steht auf drei ausklappbaren Beinen. Wie der Name vermuten lässt, kann man damit 360-Grad-Aufnahmen machen. Dazu reichen der Kamera zwei sich gegenüberliegende Linsen (je 15 Megapixel) mit Fischauge-Objektiv.

Die beiden Perspektiven werden dann auf dem Smartphone zu einem Rundum-Bild vereint. Auf dem Handydisplay kann der Betrachter dann durch Wischbewegungen den Blickwinkel selber bestimmten.

Die virtuelle Streif

Solche 360-Grad-Videos sind gerade stark im Kommen. Es gibt etwa bereits eine Kamera namens 360fly, die man sich auf den Skihelm schnallen kann. Die damit geschossenen Panorama-Filmchen lassen sich auch auf Facebook teilen oder auf Youtube laden.

eeindruckend ist etwa die vom österreichischen Fernsehen gefilmte Hahnenkammabfahrt. Die 360-Grad-Optik gibt einem ein Gefühl von Präsenz. Schliesslich schauen wir ja nicht in einem 16:9-Format auf die Welt, sondern bewegen ständig Augen und Kopf.

Für Samsung steht fest, dass die Art und Weise wie die Menschheit Erinnerungen speichert und teilt, sich durch 360-Grad-Kameras ändern wird. Und die Gear 360 soll einen Beitrag dazu leisten.

Die Videos, die uns Samsung vorgeführt hat, sahen dann auch beeindruckend aus. Jenes, das wir selber aufgenommen haben, überzeugte uns allerdings weniger. Das mag einerseits an den schlechten Lichtverhältnissen liegen, die im Raum geherrscht haben. Andererseits störten wir uns am starken «Fischauge-Effekt», der an den Blick durch den Türspion erinnert.

Die Kamera, die zwischen 450 und 500 Franken kosten soll, funktioniert nur mit einem neuen Samsung-Galaxy-Smartphone (ab Galaxy S6). Der Akku ist austauschbar und lässt sich über die USB-Mini-Schnittstelle laden. Mit dem Handy verbindet sich die Kamera über Bluetooth, die Daten werden dann allerdings über die stabilere Wifi-Direct-Verbindung ausgetauscht.

Die 360-Grad-Videos lassen sich mit der Brille Gear VR auch als Virtual-Reality-Erlebnis geniessen. Die Blickrichtung bestimmt man dann durch die Kopfbewegung; einen störenden Bildschirmrand gibt es nicht mehr, sodass man wirklich das Gefühl hat, man sei im Film.

Massentaugliches Gerät

Mit der Brille Gear VR, die Samsung Ende 2015 in der Schweiz lanciert hat, machte Samsung einen ersten Schritt, um Virtual Reality (VR) einer breiten Masse zugänglich zu machen. Denn anders als etwa die Oculus Rift, die im Frühling auf den Markt kommen wird und 700 Franken kosten wird, setzt die Gear VR keinen leistungsstarken Computer voraus, sondern nur ein neueres Galaxy-Smartphone, dessen Bildschirm als Display der Brille genutzt wird.

Die Gear 360 ist nun der zweiter Schritt, um VR massentauglich zu machen. Damit können die Nutzer die Inhalte für ihre Brille gleich selber produzieren und übers Internet teilen. Davon verspricht sich insbesondere Facebook viel. So gab sich dann Mark Zuckerberg höchstpersönlich die Ehre für einen kurzen Gastauftritt an der Samsung-Pressekonferenz.

Er lobte die Gear 360 und bezeichnete Virtual Reality als die nächste grosse Plattform. Über sie werden wir mit unseren Freunden in Kontakt bleiben und gegenseitig Erinnerungen austauschen.