Obwohl das Internet nicht greifbar ist, verbraucht es jede Menge Strom. Denn die Grundlage unserer Vernetzung, die Server und ihre Verbindungen, sind physisch und funktionieren nur mit Energie. Weltweit gesehen stammt der grösste Teil davon von fossilen Energieträgern. Rechenzentren lassen so viele Treibhausgase in die Luft wie die Luftfahrtindustrie, schreibt der "Guardian".

Wenn man sich den CO2-Fussabdruck des Internets anschaut, hat Google einen grossen Anteil daran. 40 Prozent gehen auf das Konto des Suchmaschinen-Riesen. Dafür verantwortlich sind die 3,5 Milliarden Suchanfragen, die die Firma laut dem Onlineportal "Quartz" jeden Tag verarbeitet. Noch eine Zahl gefällig? All diese Anfragen produzieren zusammen 700 Tonnen CO2. Ein Passagier, der in der Economy-Klasse von Zürich nach London und zurück fliegt, verursacht knapp 0,4 Tonnen. Womit nicht gesagt ist, Fliegen sei nicht klimaschädlich.

Verbrauch pro Google-Suche

Müssen wir uns jetzt beim Googeln zurücknehmen? Das alleine würde wenig bringen. Eine Einzelperson erreichte nicht viel. Denn es ist nicht nur Google, dessen Server wegen einer Suchanfrage Energie verbrauchen. Auch das Smartphone oder der Laptop des Internet-Nutzers verbrauchen Strom. Schätzungen zufolge produziert eine Suche zwischen 0,2 und 10 Gramm CO2, je nach dem, ob man nur den Energieverbrauch bei Google misst oder auch den Verbrauch des Endgerätes miteinbezieht. Ausschlaggebend ist letztlich die ungeheure Summe an Online-Aktivitäten, die den gigantischen Ressourcenverbrauch ausmacht.

"Daten sind sehr umweltschädlich." Das sagt die spanische Künstlerin Joana Moll, die sich mit der Nachhaltigkeit unseres Surf-Verhaltens auseinandersetzt. Fast niemand denke daran, dass das Internet aus Infrastrukturen besteht, die miteinander verbunden sind und natürliche Ressourcen verbrauchen. "Ich versuche, die Leute zum Nachdenken über die Folgen unserer Internet-Nutzung anzuregen", sagt Moll.

Google gibt sich Mühe

Google ist sich seines CO2-Fussabdrucks bewusst. Das Unternehmen investiert in erneuerbare Energien, baut energieeffiziente Datencenter und hat mehrere Klimakompensationsprogramme am Laufen. Im firmeneigenen Umwelt-Bericht des letzten Jahres heisst es, Google arbeite seit 2007 CO2-neutral. Auch sei der CO2-Verbrauch pro Vollzeit-Mitarbeiter in den letzten fünf Jahren um 55 Prozent gesunken. Das täuscht aber nicht über die Tatsache hinweg, dass die Firma im Vergleich zum Vorjahr mehr Energie verbrauchte. (mwa)