Swatch

Mit diesen Technologien will Swatch gegen die Konkurrenz bestehen

Der grösste Schweizer Uhrenkonzern hat am Donnerstag keine bahnbrechende neue Smartwatch vorgestellt. Firmenchef Nick Hayek lobte die Apple-Uhr und zeigte sich betont gelassen. Sein Unternehmen verfolgt eine andere Strategie.

Anfang Woche hat Apple in San Francisco die wichtigsten Details zu seiner Uhr enthüllt. Heute hat der weltgrösste Uhrenkonzern, die Schweizer Swatch Group, reagiert. Im Rahmen der Bilanz-Pressekonferenz enthüllte Swatch-Chef Nick Hayek allerdings keine neue revolutionäre Smartwatch. Vielmehr wurden bereits angekündigte Technologien präzisiert und die eigene Leistungsfähigkeit angepriesen. 

Die Strategie des Konzerns lässt sich wie folgt zusammenfassen: Swatch konzentriert sich auf Uhren mit wenigen Spezialfunktionen und will keine Smartwatch mit umfassendem Funktionsumfang anbieten. Die Uhren sollen dabei nicht durch den Stromverbrauch limitiert sein.

Als eigene Smartwatch bietet das Unternehmen die Swatch Touch Zero One an. Diese Sportuhr mit berührungsempfindlichem Bildschirm wurde Ende Februar offiziell vorgestellt und bietet einen Fitness-Tracker, der speziell auf Volleyballer ausgerichtet ist. Ein weiterer Vorteil sei auch hier die lange Akkulaufzeit, hiess es.

Am Donnerstag wurde angekündigt, dass die Uhr auch für Freerider (Zero Two), Surfer (Zero Three), Olympia (Zero Four) und für Köche (Zero Five) lanciert wird. Die Uhren kommen gestaffelt im Laufe der kommenden Monate, respektive passend zur jeweiligen Sportsaison, auf den Markt. Die Olympia-Variante demnach erst 2016.

Wie bereits bekannt, will Swatch NFC-Chips in Swatch-Uhren einbauen, damit die Nutzer in den Läden mit der Uhr zahlen können. Neu ist: Dies soll nicht nur bei Smartwatches möglich sein, sondern auch bei mechanischen Uhren. Der Nutzer könne die Uhr monatelang tragen, ohne sich um den Akku zu kümmern. Ein Zeitrahmen für die Einführung wurde aber nicht genannt.

Swatch Touch Zero One: Mit dieser Uhr tritt Hayek gegen die Konkurrenz von Apple, LG und Co. antreten.

Swatch Touch Zero One: Mit dieser Uhr tritt Hayek gegen die Konkurrenz von Apple, LG und Co. antreten.

Ausserdem sollen die Swatch-Uhren zum Öffnen von Türen eingesetzt werden können – auch diese Funktion wird die Apple Watch anbieten, zum Beispiel für Hotels.

«Wir sind das Silicon Valley»

Swatch sei eine Uhrenfirma, keine Unterhaltungselektronik-Firma, sagte Hayek. «Wir machen nicht einfach ein Handy für den Arm» – ein klarer Seitenhieb an die Adresse des grossen Herausforderers Apple.

Später lobte er aber die Kalifornier: Apple habe die beste Smartwatch gebaut, besser als der bisherige Marktführer Samsung. Und dank Apple würden die Leute wieder vermehrt etwas am Handgelenk tragen. Das komme auch Swatch zugute.

Hayek referierte längere Zeit über den technischen Vorsprung, den die Schweizer Uhrenindustrie habe. «Wir sind der grosse Player, wir sind das Silicon Valley.»

Swatch habe in Zusammenarbeit mit der ETH ein neues Material für Batterien entdeckt. «Das gibt 150 Prozent mehr Power», sagte er. Wann diese neuen Batterien in die Uhren eingebaut werden, ist nicht bekannt.

Was das mobile Bezahlen mit der Uhr betrifft, arbeite Swatch bereits mit einer Bank und einer Kreditkartenfirma zusammen. Namen wurden allerdings nicht genannt.

Die neue Konkurrenz belächelt

Hayek hatte sich lange Zeit abschätzig über die Smartwatch-Projekte der grossen Tech-Unternehmen geäussert. «Die Konsumenten wollen ihre Uhr nicht aufladen müssen – und noch ein Kabel mehr haben», sagte Hayek vor einem Jahr in einem Interview.

Und nach der Enthüllung der Apple Watch gab sich Hayek gelassen. Sie sei keine Bedrohung für die Industrie.

Einer der Erfinder der Plastikuhr Swatch sieht dies allerdings vollkommen anders.

Swatch-Erfinder sehr besorgt
 
Der Uhrenindustrie drohe eine neue Eiszeit, sagte Elmar Mock in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg und zeigte sich sehr besorgt: «Apple wird schnell erfolgreich sein», sagte der 61-Jährige, der in den 80er-Jahren an der Entwicklung der enorm erfolgreichen Swatch beteiligt war. Das werde die traditionellen Firmen und damit die Arbeitsplätze in der Schweiz unter grossen Druck setzen.

Mock prognostiziert, dass Apple in kurzer Zeit 20 bis 30 Millionen Uhren absetzen werde. Zum Vergleich: Die Schweiz exportierte letztes Jahr knapp 29 Millionen Uhren.

Zwar würden sich manche Schweizer Marken wie Tissot, TAG Heuer oder Montblanc an den Smartwatch-Markt herantasten. Insgesamt habe die Branche die Bedrohung durch Apple unterschätzt. «Alle guten Uhren, die irgendwo zwischen 500 und 1000 Franken kosten, sind wirklich in Gefahr.»

«Swiss Made» nicht unverwundbar

Auch wenn «Swiss Made» in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Qualitätssiegel wurde, sei die Uhrenindustrie des Landes keinesfalls unverwundbar, heisst es in Medienberichten. In den 70er- und 80er-Jahren gingen 60'000 Arbeitsplätze verloren, weil die Schweizer Hersteller die Nachfrage nach billigen Quartzuhren von japanischen Herstellern unterschätzt hätten. Erst der Erfolg der Swatch, die massenhaft verkauft wurde, trug zur Erholung der schwer angeschlagenen Branche und der Sicherung von vielen Arbeitsplätzen bei.

Die aktuelle Situation erinnere ihn leider allzu stark an die «Quartz-Krise», sagte Mock. «Bis jetzt haben die Uhrenmacher die gleichen Fehler gemacht wie damals. Wir haben viel Arroganz in der Schweizer Uhrenindustrie gesehen in den letzten paar Jahren.» Die Smartwatch sei als Spielerei abgetan und nicht ernst genommen worden.

Dies konterte Hayek am Donnerstag. Die Krise in den 70er-Jahren habe sich nicht auf die Technologie bezogen. «Es war eine Krise, weil man sich nur auf den Luxus konzentriert hat.» Und nun gingen die Tech-Firmen in diesen Bereich. Und die Swatch biete preiswerte Uhren an.

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