«Wir starteten von Grund auf neu, um das beste Smartphone zu entwickeln», prahlte Samsung-Chef JK Shin. Das ist natürlich übertrieben. Smartphones werden heute nicht mehr grundlegend überarbeitet, sondern bloss stetig weiterentwickelt. Das Galaxy S6, das er einen Moment später an der Pressekonferenz in Barcelona im Vorfeld der Handy-Messe Mobile World Congress präsentierte, erinnerte dann auch an das Vorgängermodell.

Es unterscheidet sich aber in zweierlei Hinsicht davon: Samsung hat sich vom Plastik-Design verabschiedet; der Rahmen ist aus Metall, die Rückseite aus Glas. Das Gerät wirkt so edler. Ausserdem gibt es das Handy in einer zweiten Version: Das Galaxy S6 Edge hat ein auf beiden Seiten abgerundetes Display. Das sieht nicht nur chic aus, sondern hat auch den Vorteil, dass sich gewisse Informationen wie Nachrichten oder die wichtigsten Kontakte auf der Seite des Geräts anzeigen lassen.

Die neue Kamera soll auch mit schlechten Lichtverhältnissen gut zurechtkommen und der Akku lässt sich nun schneller aufladen – Samsung selber verspricht: doppelt so schnell wie beim iPhone 6. Ausserdem kann man das Gerät nun auch kabellos laden, dafür legt man es auf eine spezielle Platte, die man etwa auf dem Nachttisch oder dem Bürotisch positioniert. Und selbstverständlich löst das 5,1-Zoll-Display nun mit noch mehr Bildpunkten auf (Quad-HD-Auflösung).

Keine Frage, Samsung will seine Kundschaft mit technischer Extravaganz überzeugen. Denn die Koreaner sind unter Zugzwang: Nachdem Samsung die letzten Jahre den weltweiten Smartphone-Markt dominiert hat, ist es nun Apple gelungen, wieder zum Spitzenreiter aus Korea aufzuschliessen. Mit dem iPhone 6 und dem iPhone 6 Plus hat Apple sich der Bedürfnisse der Konsumenten nach grösseren Displays angenommen – ein Trend, den Samsung vor Jahren lancierte. Die neuen Geräte bescherten dem amerikanischen Technik-Unternehmen im vierten Quartal 2014 einen Rekordgewinn.

Konkurrenz aus China

Die grösste Konkurrenz für Samsung dürfte auf lange Sicht aber nicht aus Amerika kommen, sondern aus China. Lenovo, Huawei, ZTE und Xiaomi heissen die Hersteller aus dem Reich der Mitte, die derzeit den Markt aufmischen. Von rund 1,3 Milliarden Smartphones, die letztes Jahr über den Ladentisch gingen, stammen 586 Millionen von chinesischen Firmen.

Technisch mögen diese Smartphones einen Schritt hinter den Premium-Modellen von Samsung und Apple liegen. Die meisten Nutzer dürften sich dadurch aber nicht eingeschränkt fühlen. Vor allem aber: Das viel bessere Preis-Leistungs-Verhältnis spricht für sich. Mittlerweile gibt es bereits für 200 Franken ein gutes Smartphone und für 400 sogar ein sehr gutes. Zum Vergleich: Das Galaxy S6 wird in der Schweiz ab 700 Franken zu haben sein.

Neben Samsung hat gestern im Vorfeld der Messe, die offiziell heute öffnet, auch HTC sein neues Premium-Smartphone vorgestellt. Das HTC One (M9) hat sich optisch von seinem Vorgänger kaum verändert – das edle Aluminum-Design und die abgerundeten Kanten sind gleich geblieben. Der grösste technische Mangel wurde aber ausgemerzt: Bei der Hauptkamera verabschiedet sich HTC von seiner Ultra-Pixel-Technologie und setzt nun auf eine 20-Megapixel-Frontkamera.

Zudem hat der Konzern aus Taiwan gemeinsam mit dem Computerspiel-Hersteller Valve eine Virtual-Reality-Brille angekündigt. Die «Vive» genannte Brille ist mit einem Display ausgerüstet, das je ein Bild für das linke und das rechte Auge darstellt, und so dem Träger das Gefühl gibt, er befände sich in einer virtuellen Welt, in der er sich nach Belieben umschauen kann. Eine solche Brille hat auch Samsung vorgestellt, die allerdings nur in Kombination mit einem neuen Galaxy-Smartphone funktioniert, das man in eine Halterung schiebt und das als Display dient.

Neben den Handys sind Smartwatches das zweite grosse Thema in Barcelona. LG aus Korea hat, wie bereits im Vorfeld bekannt gegeben, die LG Watch Urban vorgestellt. Auch Huawei hat eine Smartwatch präsentiert. Sie heisst schlicht «Watch» und hat ein rundes Display, das sich mit einem von 40 Zifferblättern belegen lässt. Es fällt auf, dass immer mehr Hersteller ihre Computer fürs Handgelenk in der Optik von herkömmlichen Uhren fertigen.