«Ich dachte, ich frag mal nach. :-) Vielleicht hat ja jemand noch freie Kapazitäten und könnte das für mich übernehmen? :-)» Ja, ich tue es: Ich verwende Smileys in Geschäftsmails. Oder auch Emojis, wie die kleinen Piktogramme, die man auf jeder Smartphone-Tastatur findet, heissen.

Das ist mir peinlich, denn eigentlich weiss ich: Smileys in Geschäftsmails sind zu informell, vor allem, wenn man es mit Vorgesetzten zu tun hat. Sie erwecken den Eindruck, als könne man sich schlecht durchsetzen, gar die beruflichen Perspektiven würden sie einschränken, meinen Experten. Dennoch: Smileys in Geschäftsmails helfen mir, keinen Punkt machen zu müssen. Das Ende ein bisschen offen zu lassen. Smileys kaschieren meine Unsicherheit. Und nicht nur meine – sondern auch jene vieler anderer Frauen.

Frauen benutzen Smileys und Emojis anders als Männer. Eine gross angelegte Studie von Schweizer und deutschen Universitäten zeigt: Frauen benutzen in Chats viel häufiger Emojis als Männer. Die Begründung: Frauen würden emotionaler und persönlicher kommunizieren. Männer hingegen neigten dazu, sachlich und weniger emotional zu schreiben. Interessant: Schreiben Männer mit Frauen, benutzen sie mehr Emojis. Und noch interessanter: Frauen benutzen dann noch mehr Emojis, also in jedem Fall immer mehr als Männer. Die Vermutung liegt nahe, dass die Angst vor zwischengeschlechtlichen Missverständnissen den Gebrauch von mehr Emojis anregt. Gerade Frauen sind darauf bedacht, keine falschen Erwartungen zu wecken. Emojis helfen, Spass, Ironie oder Distanz auszudrücken.

2300 Emojis stehen uns auf dem Smartphone zur Verfügung – wie einfach es da ist, sein Erstaunen, seine Freude, seine Liebe kundzutun! Sind Sie auch immer verunsichert, wenn etwa ihr Liebster, ihre Liebste oder ihre beste Freundin, ihr bester Freund Nachrichten ohne Emojis verschickt? «Stimmt etwas nicht?», will ich dann sofort wissen. Denn ich kenne es von mir: Auch ich verzichte auf Emojis, wenn ich meiner Nachricht einen eher negativen Nachdruck verleihen will. Abstrafen mit Emoji-Entzug, so einfach ist das, das wissen schon Teenager.

Und im Job? Emojis ersetzen in der geschriebenen Sprache Mimik und Gestik. Da Kommunikation im Arbeitsumfeld vor allem digital stattfindet, versuchen Frauen auch dort, persönlich und emotional zu kommunizieren. Sie nutzen in Mails eine Sprache, die sie aus dem echten Leben kennen: Sie lächeln. Für viele Frauen ist Freundlichsein eine Pflicht. Oft wird sie von ihnen auch eingefordert.

Ein Smiley im Mail signalisiert immer Kompromissbereitschaft. Ein Smiley sagt: Bitte, nehmt mich und meine Bitte, Anfrage oder Idee nur dann ernst, wenn es keine Umstände macht. Wenn man (zum Beispiel die Chefin oder der Chef) nichts Besseres zu tun hat. «Alles nicht so dringend, war nur so eine Idee. :-)» Sie würden gern früher Feierabend machen? Dann hören Sie auf, «das wäre wirklich super, dann könnte ich endlich meine vor kurzem Mutter gewordene Freundin im Spital besuchen :-)» zu schreiben. Das klingt nämlich, als wäre es Ihnen nicht wirklich wichtig, früher gehen zu können. Sie haben eine Idee für ein neues Projekt? Dann schreiben Sie nicht «hoffentlich gefällt es Ihnen :-)». Es klingt, als seien Sie selbst nicht überzeugt.

Ich will meine Glaubwürdigkeit nicht weiter mit Smileys untergraben. Wenn ich lächeln will, dann lächle ich – ein Lächeln ist schliesslich etwas Wunderbares. Doch auf das Freundliche-Mädchen-Smiley, darauf werde ich künftig verzichten.