Das Wettrennen um Anteile im lukrativen Markt für Smartwatches ist definitiv eröffnet – mit Schweizer Beteiligung. Noch im vergangenen September, als Apple den Einstieg ins Geschäft mit den «schlauen Uhren» ankündigte, hat die Schweizer Branche sehr zurückhaltend bis abweisend reagiert. Swatch-Chef Nick Hayek spottete gar über die neue Konkurrenz. 

Einige Monate später, Anfang Februar, tönte alles anders. In zwei bis drei Monaten will Swatch mit einer eigenen Smartwatch in den Markt eintreten, wie Hayek bekannt gab. Und André Bernheim, Co-Inhaber der Uhrenfirma Mondaine mit einer Fabrik im solothurnischen Biberist, erklärte nach dem Apple-Vorstoss, dass Mondaine nicht unter Druck kommen werde. Apple spreche ein ganz anderes Kundensegment an. «Jene, die eigentlich gar keine Uhr tragen». Bei Mondaine stünden im Gegensatz dazu nicht die Funktionalitäten im Vordergrund. 

Heute wird die Lage von Ronnie und André Bernheim, welche das Familienunternehmen in zweiter Generation führen, anders beurteilt. Neben dem Uhrengiganten Swatch und dem Technologieriesen will sich das vergleichsweise kleine Uhrenunternehmen auch ein Stück vom Kuchen abschneiden. Heute gibt Mondaine die Lancierung einer eigenen intelligenten Uhr bekannt.

Markteinführung im Herbst 2015

Woher rührt das Umdenken? Im vergangenen Herbst sei noch unklar gewesen, ob es eine Möglichkeit geben werde, eine Uhr mit konventionellen Zeigern, aber um Smart-Funktionen erweitert, herzustellen. Spätestens im kommenden Herbst will das Uhrenunternehmen die Helvetica Smart Swiss Watch auf den Markt bringen, wie André Bernheim erläutert.

Die Uhr basiert auf der im letzten Herbst neu lancierten Helvetica mit den ihr eigenen Charakteristika und Designmerkmalen der Schrift Helvetica. Der grosse Unterschied zur Konkurrenz liegt im Erscheinungsbild. Es gibt keine Ähnlichkeit mit leuchtenden LED-Anzeigen bekannter Smartwatches. «Wir bauen eine normal aussehende Uhr mit Zusatzfunktionen», so Bernheim. Die Uhr habe bei 6 Uhr eine Anzeige, auf der die Zusatzfunktionen einer Smartwatch analog vom Innenzifferblatt abgelesen werden können. «Unsere Kunden haben also nicht eine digitale Uhr in der Hand, sondern eine klassische Armbanduhr.»

Entwickelt hätten das Quarz-Modul und die dazugehörende App die Genfer Manufacture Mouvements Technologies (MMT) und die amerikanische Entwicklungsfirma Fullpower. Mondaine habe die Lizenz erhalten, diese Technologie zu verwenden. «Diese Kombination hat uns überzeugt, da wir dadurch unserer Marke treu bleiben können.»

Dargestellt werden im ersten Modell Gesundheitsdaten wie Schlafüberwachung – wie lange, wie tief, wie viele Unterbrüche – sowie Bewegungsmessung (Bewegungszähler). Nicht angezeigt werden eingehende Telefonanrufe oder Textnachrichten. Sind das im Vergleich zur Konkurrenz nicht zu wenig Funktionalitäten? Vorerst nein, sagt Bernheim. Aber weitere Funktionen würden folgen. Mit einer Laufzeit von über zwei Jahren zeige die eingesetzte Batterie «eine enorme Verbesserung gegenüber den meisten Smartwatches, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind». Und die Uhr könne mit Smartphones oder Tablets unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem – Apple, Windows oder Android – kommunzieren.

Preis: Über 500 Franken

Wie viel die Uhr kosten wird, wollte Bernheim nicht sagen. «Die Details werden wir an der Uhrenmesse Baselworld im März bekannt geben.» Wird die Uhr unter oder über 500 Franken kosten? «Der Preis wird bei über 500 Franken liegen», verrät Bernheim dann trotzdem noch. Gestern sei die Neuentwicklung an einem Grossanlass mit Fachhändlern in San Francisco präsentiert worden.

Der Zeitpunkt der Lancierung im Herbst zeige, dass sich «Mondaine nicht in einen Wettkampf mit Swatch oder Apple einlassen will». Die beiden Riesenkonzerne haben die Lancierung für diesen Frühling angekündigt (siehe Kasten). Bernheim bleibt dabei: «Wir sprechen ein komplett anderes Kundensegment an.» Man peile jene Kundschaft an, welche eine ganz normale Armbanduhr tragen, aber nicht auf die Zusatzfunktionen wie sie Smartwatches bieten, verzichten wolle.

Die Mondaine-Smartwatch sei mit einem in der Schweiz hergestellten Quarz-Uhrwerk ausgerüstet. Montage, Qualitätskontrolle und Vertriebslogistik werden in der eigenen Fabrik in Biberist erfolgen, so Bernheim weiter.