iWatch von Apple
iWatch: Mehr Gimmick als ernsthafte Konkurrenz für Schweizer Uhren

Der US-Technologiekonzern hat in einigen Ländern bereits Markenschutz für eine iWatch beantragt. Gelingt es Apple erneut, eine ganz neue Produktekategorie zu schaffen und was würde das für die Schweizer Uhrenbranche bedeuten?

Matthias Niklowitz
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Durchsichtige Konzept-Idee.

Durchsichtige Konzept-Idee.

«Es ist gerade was gekommen», flüsterte Roger Moore alias James Bond seiner Gespielin im Streifen «Der Spion, der mich liebte» zu. Aus der Armbanduhr kam ein Textstreifen, der ihn auffordert, den Dienst im Auftrag Ihrer Majestät wieder anzutreten.

Die Seiko-Uhr, die 1977 zum ersten Mal im Rahmen eines Sponsorvertrags zum Zuge kam, liess damals die zuvor in den 007-Filmen verwendeten Rolex-Uhren alt aussehen. Quarzuhren aus Japan hatten innert kurzer Zeit die Schweizer Uhrenbranche in eine Krise gestürzt.

Chancen im mittleren Segment

Möglicherweise wiederholt sich die Geschichte. Apple hat laut einem Bericht der «New York Times» Markenschutz für eine «iWatch» in einigen asiatischen Ländern beantragt. In einer grossen Werbekampagne unter dem Titel «Design by Apple in California» ist auch ein uhrenähnliches Gerät am Oberarm einer sporttreibenden Frau abgebildet. Für die Analysten von Jefferies, einer US-Investmentbank, ist es eine ausgemachte Sache, dass Apple bald ein ganz neues Gerät auf den Markt bringen wird.

Apple hatte es bei den früheren Produktelancierungen wie dem iPhone und dem iPad-Tablet-Computer geschafft, jeweils ganz neue Produktekategorien zu schaffen. «Die gute Nachricht für Apple: Bisherige Smart-Uhren waren so lausig, dass die Messlatte tief hängt», sagen die Analysten von Jefferies. Sie erwarten, dass Apple eine iWatch im Preissegment zwischen 50 und 300 Dollar des 50 Milliarden Dollar grossen Weltuhrenmarktes positioniert.

Unter Annahme eines Fabrikverkaufspreises von 175 Dollar und 30 Prozent Marge würde Apple einen iWatch-Umsatz von einer Milliarde Dollar pro Jahr erzielen. Das wäre weniger als ein Prozent des Jahresumsatzes der Amerikaner.

«Die iWatch wäre eher ein Gimmick», sagt auch Vontobel-Analyst René Weber. «Ich glaube kaum, dass jemand eine iWatch anstelle einer IWC anschaffen würde.» Eine Apple-Uhr könnte lediglich für die tiefpreisigen Swatch-Modelle zu einer Konkurrenz werden. «Aber auf diese entfallen nur sechs Prozent des Gesamtumsatzes des Uhrenkonzerns.» Und ob die Uhr am Markt ankomme, bleibe anzuwarten. «Gerade die jungen Käufer tragen oft keine Uhren, sondern lesen die Zeit an Smartphones ab», sagt Weber. Mit negativen Auswirkungen auf den Geschäftsgang der Schweizer Luxusuhrenhersteller rechnet Weber nicht.

Nur ohne Drucker erhältlich

«Die iWatch wäre schon etwas grundsätzlich Neues, weshalb dies von der Schweizer Uhrenindustrie genau verfolgt werden muss, vor allem auch hinsichtlich eigener Opportunitäten», sagt Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Aber eine iWatch würde primär auf das untere Preissegment abzielen.» Dieser Markt ist volumenmässig riesig und wird heute von asiatischen und nicht von Schweizer Herstellern dominiert.

Die Schweizer Uhrenindustrie ist wegen der Dominanz im oberen Preissegment zwar wertmässig der grösste Uhrenproduzent der Welt, volumenmässig jedoch klein. Schwendimann befürchtet keine schwerwiegenden negativen Auswirkungen auf die Schweizer Anbieter. «Als die Digitaluhren in den 1970er Jahren aufkamen, fanden sie Käufer, weil diese neuen Uhren dank Quarzlaufwerken sehr genau waren und der Hauptnutzen einer Uhr damals noch das Zeitablesen war.» Die Schweizer Luxusuhren würden heute aber als Prestige-Symbol gekauft.

Auch die Bond-Darsteller wechselten in den späteren 80er-Jahren wieder auf die Schweizer Luxusuhren von Rolex. Seiko-Fans konnten 1977 lediglich das Modell «Quartz Digital LC Alarmchronograph 0674» kaufen – freilich ohne eingebauten Drucker.