Als Kind hat er sich in ein Mädchen verliebt, das gestorben ist. Da hat Alexey Turchin zum ersten Mal gemerkt, wie wenig von einem Menschen übrig bleibt, nachdem dieser gestorben ist.

Heute hinterlassen wir alle wohl mehr digitale Spuren als damals. Aber das ist Turchin nicht genug. Er sammelt gezielt Daten. Über sich selbst. Denn Turchin will unsterblich werden.

Doppelgänger in der Zukunft

«Digital Immortality Now» lautet der Titel seines Projekts – «digitale Unsterblichkeit». Diese will er erreichen, indem er zu Lebzeiten ein möglichst genaues Bild von sich zusammenstellt. «In der Hoffnung, dass ich dazu fähig bin, mit einer zukünftigen Superintelligenz zu kommunizieren.» Diese soll die Daten entdecken und rekonstruieren. Und so in der Zukunft wieder einen Alexey Turchin schaffen können. «In zehn, zwanzig oder hundert Jahren.»

Tagebücher, Video- und Tonaufnahmen, Psychotests – all das sammelt Turchin strategisch über sich. Und er bietet anderen Hilfestellung, die ebenfalls digital unsterblich werden wollen.

«Der Tod ist etwas Schlechtes»

Dafür gibt es einen Begriff. Alexey Turchin ist ein sogenannter Transhumanist. Er wünscht sich Gesetze, die die Finanzierung von entsprechenden Forschungen ermöglichen. Denn: «Ohne politischen Wandel ist es unmöglich, unsterblich zu werden.»

Ist Turchin verrückt oder hat er einfach nur Angst vor dem Tod? «Ich glaube, dass die meisten Menschen mich für verrückt halten. Und ich verstehe sie», sagt er. Doch der Tod sei für ihn das Ende einer Existenz und damit «etwas Schlechtes». Wer weiterlebt, könne auch weiter Erfahrungen sammeln. «Der Tod ist mein Feind.»