Google untermauert seine Ambitionen im Smartphone-Geschäft mit neuen Modellen, die es mit teuren Konkurrenzgeräten von Apple und Samsung aufnehmen sollen. Ein Jahr nach dem Start seiner ersten Pixel"-Smartphones stellte der Internet-Konzern am Mittwoch ein "Pixel 2" in ähnlicher Grösse sowie eine grosser Version mit einem 6-Zoll-Bildschirm vor.

Bei ihr füllt das Display fast die gesamte Frontseite des Geräts bis auf Streifen für Lautsprecher am oberen und unteren Ende aus. Dabei setzt der Internet-Riese auch auf seine Expertise bei maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. So ist in die Geräte der sprechende Google Assistant integriert.

Die neue Funktion "Google Lens", bei der Inhalte im Bild erkannt werden können, funktioniert zunächst nur in der Foto-App - später soll es aber reichen, einfach die Smartphone-Kamera zum Beispiel auf ein Objekt oder ein Gebäude zu richten.

Warum ist der Event für Google wichtig?

Auch wenn das Pixel 2 die grösste Aufmerksamkeit auf sich zog, ging es heute um viel mehr als nur ein neues Smartphone. Google versucht mit smarten Lautsprechern, Premium-Chromebooks und Virtual-Reality-Brillen, im Hardware-Geschäft Fuss zu fassen und nicht zuletzt das Wohnzimmer zu erobern. Deshalb präsentiert der ehemalige Software-Konzern heute eine ganze Armada neuer Geräte.

Vor einem Jahr stellte Google seinen smarten Lautsprecher Google Home vor, heute wird eine Mini-Version dazukommen.

Das Pixel 2 und der der smarte Lautsprecher Google Home Mini nutzen beide die künstliche Intelligenz des Google-Assistenten.

Das Pixel 2 und der der smarte Lautsprecher Google Home Mini nutzen beide die künstliche Intelligenz des Google-Assistenten.

Der intelligente Speaker Google Home kann auf Sprachanweisungen reagieren und so Fragen beantworten, Musik von YouTube bzw. Spotify abspielen, das Licht in der Wohnung regulieren, ein Uber-Fahrzeug bestellen oder die gewünschte Netflix-Serie auf dem TV-Gerät starten, um nur einige der zahlreichen Möglichkeiten zu nennen.

Um ein Uber-Taxi zu bestellen, brauchen Pixel- und Google-Home-Nutzer keine Uber-App mehr: Der Google Assistent bestellt das Taxi per Sprachbefehl «I need an Uber.»

Was ist Google Home?

Über Google Home lassen sich theoretisch alle mit dem WLAN verbundenen Geräte in der Wohnung per Sprache steuern. Google Home nutzt die künstliche Intelligenz des Google Assistenten, der bereits in Android und Googles neuem Messenger Allo zu finden ist. Die Technologie dahinter wird bei Google in Zürich mitentwickelt – was hoffen lässt, dass Google Home auch bald Schweizerdeutsch versteht.

Der Google Assistent hat das Potenzial, immer mehr Funktionen einzelner Apps oder Webseiten zu übernehmen, da etwa Kleider, eine Pizza oder ein Taxi direkt über den vernetzten Lautsprecher bestellt werden können, ganz ohne Handy, PC oder Tablet.

Auch Apps wie Netflix oder Spotify könnten zumindest in den eigenen vier Wänden überflüssig werden, da das Sprachkommando «Spiele ‹Breaking Bad› ab» von Google Home registriert und automatisch die nächste Folge der Serie auf dem TV-Gerät abgespielt wird. Google Home zeigt, wie Sprachbefehle in Zukunft die Bedienung unserer technischen Geräte übernehmen könnten, so dass wir weniger an den Screen eines Eingabegeräts gebunden sind.

Damals war Google eine Suchmaschine, heute ist es überall

Google arbeitet an einem Ökosystem aus smarten Geräten, die natürlich alle mit Android laufen und die künstliche Intelligenz des Google-Assistenten nutzen. Wir sprechen von Smartphones, smarten Lautsprechern, smarten WLAN-Routern oder smarten Fernsehern, die via Google Assistent per Sprache bedient werden.  

Noch steckt das vernetzte Zuhause in den Kinderschuhen und der Google Assistent ist längst nicht so intelligent, wie sich das manche wünschen würden. Es braucht aber wenig Vorstellungskraft, um zu erkennen, dass die Google-Gadgets unser Leben verändern könnten, wenn die künstliche Intelligenz, sprich der Google Assistent, dazulernt.

Das Potenzial ist gewaltig, im Positiven wie im Negativen: Ein smartes Zuhause oder Bürogebäude könnte etwa massiv Energie sparen, wenn eine künstliche Intelligenz statt träger Menschen Temperatur, Licht etc. optimal reguliert. Mit jedem smarten Gerät holt man sich aber auch eine weitere potenzielle Abhörwanze ins Haus.

Bei allen Bedenken, das vernetzte Zuhause ist ein potenziell milliardenschwerer Zukunftsmarkt, in dem sich nebst Google auch Amazon, Apple, Microsoft und das Start-up Essential in Stellung bringen. Der noch junge Markt wird derzeit von Amazons diversen Echo-Speakern dominiert. Amazons Lautsprecher dienen nicht zuletzt dazu, Produkte beim Online-Warenhaus per Sprachbefehl zu bestellen – wiederum ganz ohne PC, Tablet oder Smartphone.

Der kleine und günstige Google Home Mini – das Gerät soll 49 US-Dollar kosten – soll Googles Position im Wohnzimmer stärken. Der im Vergleich zu Google Home geringere Preis senkt die Hürde, doch mal einen smarten Lautsprecher auszuprobieren. Und vielleicht wird Google auch noch einen dritten, teureren Lautsprecher vorstellen, der gegen Apples HomePod konkurrieren würde. Denn falls wir künftig tatsächlich immer mehr Geräte per Sprache bedienen, könnte Google Home mittelfristig wichtiger als das Pixel-Smartphone werden.

Ein Beispiel: Warum sollte ich künftig noch meine Lieferservice-App auf dem Handy öffnen, um eine Pizza zu bestellen, wenn ich auch einfach sagen kann: «Okay Google, bestell mir eine Pizza Prosciutto e Funghi auf 20 Uhr.» Der selbstlernende Google Assistent kennt natürlich meine Adresse und nach ein paar Wochen auch den Pizzakurier meines Vertrauens. 

Mit künstlicher Intelligenz, die uns zuhause mit vernetzten Geräten, unterwegs auf dem Handy und natürlich auch auf dem Büro-PC (Stichwort Cortana) zu Diensten steht, ist dies schon bald Realität. Der Konsument entscheidet, ob er es auch will.

Wenn uns Sprachassistenten ausspionieren...

Das Satire-Magazin Extra3 parodiert Google Home, Alexa, Cortana, Siri und wie sie alle heissen.

Und sonst?

Googles Hardware-Offensive wird durch ein neues Premium-Chromebook und eine überarbeite Version der VR-Brille komplementiert.

Das Pixelbook lässt sich nun in ein Tablet transformieren.

Das neue Pixelbook kann optional per Digital-Stift bedient werden. Der Pen soll in den USA 99 Dollar kosten.

Das neue Pixelbook kann optional per Digital-Stift bedient werden. Der Pen soll in den USA 99 Dollar kosten.

Das neue Pixelbook erscheint laut dem Android-Blog Droid Life in Silber. Kunden haben die Wahl zwischen Modellen mit 128, 256 und 512 GB Speicher.

Im Gegensatz zu den in den USA beliebten Chromebooks von Acer, Samsung etc. sei das Google-eigene Pixelbook ein Premium-Gerät, das in der kleinsten Speicherausstattung mit 128 GB 1199 US-Dollar kosten soll.

Das 256-GB-Modell schlägt mit 1399 Dollar zu Buche und für das Modell mit 512 GB werden offenbar 1749 Dollar fällig. Damit bewegt sich das Pixelbook im ähnlichen Preissegment wie Microsofts Surface Pro.

Die VR-Brille Daydream View kommt in neuen Farben.

Die VR-Brille Daydream View kommt in neuen Farben.

Googles überarbeitete VR-Brille gibt es bald in neuen Farben (Charcoal, Fog und Coral). Der Preis soll etwas steigen: Neu werden in den USA 99 Dollar fällig.

Alle weiteren Details wird Google heute Abend ab 18 Uhr Schweizer Zeit enthüllen. Ungewiss ist, ob Google die neuen Gadgets auch in der Schweiz anbieten wird. So ist beispielsweise das erste Pixel-Phone bei uns offiziell nie erschienen. Wer sich für die Google-Geräte interessiert, findet sie allerdings problemlos bei den Schweizer Online-Händlern.

Relaunch: Watson Box (JSON Feed HTTPS)