Der Angriff sollte ein Weckruf sein, schrieb Microsoft-Präsident Brad Smith in einem Blog am Sonntag. Ein vergleichbares Szenario mit konventionellen Waffen wäre, wenn dem US-Militär einige seiner "Tomahawk"-Marschflugkörper gestohlen würden.

Bei der Attacke am Freitag nutzte die Software eine Sicherheitslücke im Microsoft-Betriebssystem Windows aus, über die sie automatisch neue Computer anstecken konnte. Diese Schwachstelle hatte sich einst der US-Geheimdienst NSA für seine Überwachung aufgehoben, vor einigen Monaten hatten unbekannte Hacker sie aber publik gemacht.

Betroffen von dem Angriff waren Computer auf der ganzen Welt. Sie wurden von sogenannten Erpressungstrojanern befallen, die sie verschlüsseln und Lösegeld verlangen. Microsoft hatte zwar im März die entsprechende Sicherheitslücke geschlossen - geschützt waren aber nur Computer, auf denen das Update installiert wurde.

Europol-Chef Rob Wainwright sagte dem britischen Sender ITV am Sonntag, die weltweite Reichweite des Cyberangriffs sei ohne Beispiel. Die Attacke habe eine so starke Wirkung entfalten können, weil die Schadsoftware mit einer "Wurmfunktionalität" gekoppelt gewesen sei, die eine automatische Ausbreitung ausgelöst habe. Die letzten Zählungen hätten mindestens 200'000 Opfer ergeben, darunter viele Firmen, auch grosse Firmen, sagte Wainwright.

Der Europol-Chef warnte vor einer neuen Welle von Attacken zu Beginn des Arbeitsbetriebs am Montag. "Momentan sehen wir uns der Gefahr einer Eskalation gegenüber. Die Zahlen steigen und ich bin besorgt, wie die Zahlen sich weiter steigern werden, wenn die Menschen am Montag wieder an ihre Arbeitsplätze gehen und ihre Computer einschalten", sagte Wainwright.

Schweiz von Cyber-Attacke bisher verschont

Schweiz von Cyber-Attacke bisher verschont

Hacker legten gestern in 100 Ländern Zehntausende Computer lahm - auch diejenigen von Spitälern. Dabei fordern die Betrüger Lösegeld.