Unsere Beziehung dauert nun schon sieben Tage und sechs Nächte. Wobei das mit den Nächten ist nun etwas anders geworden. Wir schlafen kaum mehr zusammen.

Das liegt nicht an ihrer Figur – die ich ja in meinem letzten Artikel bemängelt habe. Sie erinnern sich: Mir sind ihre Kurven zu wenig ausgeprägt. In diesem Artikel geht es nun aber um ihre inneren Werte.

Der Grund, warum ich mich nachts von der Apple Watch trenne, ist ihr Akku. Dieser hält zwar locker einen Tag durch, am Abend sollte die Uhr aber wieder an die Steckdose. Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, dass man nun abends nicht nur das Handy, sondern auch die Uhr aufladen muss. Vergessen habe ich es bis jetzt aber noch nie. Zum Glück. Denn die Tage mit ihr sind aufregend.

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Alle paar Minuten surrt mein Handgelenk. Ein Zeichen, dass ich eine Nachricht erhalten habe. Ist es ein SMS, kann ich gleich am Handgelenk antworten. Dafür hält die Uhr eine Auswahl von vorgeschriebenen kurzen Sätzen bereit wie «Alles klar!». Oft reicht das. Wenn eine längere Antwort erforderlich ist, kann ich diese der Sprachassistentin Siri diktieren – meistens zücke ich dann aber doch das Smartphone. Gerne würde ich auch «Whatsapp»-Nachrichten auf diese Weise beantworten. Die Apple Watch kann das aber (noch) nicht.

Dafür unterstützt sie mich beim Einkaufen: Die Einkaufsliste trage ich nun am Handgelenk. Ich verwende dafür die App «Evernote». Und wenn die Kassierin sagt: «Händ Sie d’Cumulus-Charte?» zeige ich ihr cool die Uhr und halte sie vor den Scanner. Bonuskarten habe ich in der App «Stocard» hinterlegt. Gerne würde ich auch mit der Apple Watch bezahlen, doch «Apple Pay» gibts in der Schweiz noch nicht.

Herumfingern muss sein

Grundsätzlich gilt für die Apple Watch: Sie ist ziemlich unselbstständig. Sie zeigt grösstenteils bloss die Inhalte des iPhones auf dem Handgelenk an, sodass dieses in der Tasche bleiben kann. Wir führen nun also quasi eine Dreiecksbeziehung: Apple Watch, ich und iPhone. Wirklich alleine sind wir nur beim Joggen. Hier misst die Uhr eigenständig den Puls und die zurückgelegte Distanz.

Luxuriös: Die Apple Watch.

Luxuriös: Die Apple Watch.

Es ist aber nicht die fehlende Zweisamkeit, die mich manchmal an unserer Beziehung zweifeln lässt. Es ist das fehlende Verständnis, das sie meinen Bedürfnissen gegenüber bringt. So möchte ich etwa die Karten-App abrufen, doch sie zeigt mir das Wetter an. Das liegt daran, dass die Bedienung auf dem kleinen Bildschirm ziemlich schwierig ist.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, eine App zu öffnen. Entweder man tippt auf das Rädchen am Gehäuse und zielt dann mit spitzem Finger auf das gewünschte Minisymbol oder man wischt mit dem Daumen waagrecht über den Bildschirm, um von einer zur nächsten Anwendung zu blättern.

Dass Apple zwei verschiedene Bediensysteme integriert hat, ist untypisch und zeigt, dass sich die Designer offenbar selber nicht einig sind, welches nun die einfachste Variante ist, um eine Smartwatch zu bedienen.

Wirklich harmonisch ist unsere Beziehung immer dann, wenn die Apple Watch weiss, was ich möchte, noch ehe ich das selber realisiert habe. Das ist beispielsweise bei der Navigation so. Ich tippe auf dem iPhone in der Karten- App von Apple mein Ziel ein und laufe los. Nun zeigt mir die Uhr unmittelbar am Handgelenk an, wann ich abbiegen muss – und weist durch Vibrieren auf Richtungswechsel hin.

Ich bin mir sicher, dass diese positiven Momente – von denen nun mal eine Beziehung lebt – noch zunehmen werden. Denn je smarter die Uhr wird, desto besser kann sie abschätzen, welche Informationen ich in einem bestimmten Moment brauche. Betrete ich die Migros, so ist es die Einkaufsliste und die Cumulus-Karte, nähere ich mich dem Bahnhof, so ist es der Fahrplan.

Wirklich nützlich wird die Uhr dann sein, wenn sie mir diese Informationen anzeigt, ohne, dass ich lange an ihr herumfingern muss.