Das Geniale am iPhone war immer seine Einfachheit. Das galt sowohl für die Bedienung als auch für die Namensgebung. Mittlerweile sind Android-Geräte aber ähnlich einfach in der Handhabung. Und das mit den Namen ist bei Apple so kompliziert geworden wie bei der Konkurrenz.

Gleich drei neue Modelle hat der Konzern für diesen Herbst angekündigt, wovon zwei bereits auf dem Markt sind: Das iPhone XS ist nicht etwa ein besonders kleines Gerät, sondern einfach die Weiterentwicklung des letztjährigen iPhone X (ausgesprochen: «iPhone 10»). Mit einer Bildschirmdiagonale von 5,8 Zoll ist es sogar ziemlich gross. Beim zweiten Modell, dem iPhone XS Max, steht die Angabe «Max» dann tatsächlich für die Grösse.

Bisher hat Apple noch keinem iPhone ein so grosses Display spendiert, 6,5 Zoll misst es in der Diagonale. Da der Bildschirm aber – bis auf einen kleinen Spickel oben, in dem Frontkamera und Lautsprecher verbaut sind – fast randlos ist, ist das XS Max etwa gleich gross wie das letztjährige iPhone 8 Plus mit dem 5,5-Zoll-Bildschirm.

Um es noch komplizierter zu machen, erscheint demnächst auch noch das iPhone XR. Mit seinem 6,1 Zoll-Bildschirm liegt es punkto Grösse in der Mitte. Auf der Rückseite hat es nicht zwei, sondern nur eine Kamera und ist deshalb etwas günstiger. In der einfachsten Ausführung kostet es 879 Franken. Billig ist das natürlich nicht. Aber immerhin nicht ganz so viel wie die 1199 Franken für das iPhone XS und die 1299 Franken für das iPhone XS Max. Apple-Telefone sind mittlerweile so teuer wie ein Laptop. Und natürlich sind sie auch längst leistungsstarke Computer in Taschenformat.

Apple überzeugt mit Gesamtleistung

Apple hat die Prozessorleistung noch einmal drastisch erhöht. Doch mal ehrlich, welcher Nutzer eines iPhone X hat das Gefühl, dass das Gerät zu langsam ist? Der Umstieg auf die neuen Modelle lohnt sich ohnehin nur, wenn man bereits ein etwas in die Jahre gekommenes iPhone auf sich trägt. Denn die Verbesserungen zum letztjährigen iPhone X sind marginal. Neben dem Mehr an Prozessorleistung und Bildschirm warten die neuen Geräte XS und XS Max mit einem neuen Bildsensor für die Dual-Kamera auf. Kombiniert mit dem schnelleren Prozessor, der bei Fotos die optimale Ausleuchtung berechnet, sollen vor allem bei schlechten Lichtverhältnisse bessere Bilder möglich sein. Doch auch das ist eher Kosmetik denn eine Revolution.

Sofort bemerkt man eine andere Neuerung der Kamera: So lässt sich nun bei Porträt-Fotos nachträglich die Blende verstellen, um den Hintergrund verschieden stark verschwimmen zu lassen und so den Effekt einer Spiegelreflexkamera zu imitieren. Erfreulicherweise funktioniert das auch bei der verbesserten Selfie-Kamera. Die Funktion will Apple bei älteren Geräten nicht nachliefern. Dafür sei die Prozessorleistung zu gering. Allerdings bieten andere Hersteller diese Funktion auch. Insofern scheint es eher ein künstliches Alleinstellungsmerkmal für die neuen Geräte XS und XS Max innerhalb des iPhone-Universums zu sein.

Das zeigt, wie schwierig es ist, sich auf dem Smartphone-Markt abzugrenzen. Vielleicht hat Huawei beim P20 mittlerweile Apple hinsichtlich der Kamera geschlagen, Samsung hat beim Galaxy Note 9 wohl den besseren Akku integriert. Apple jedoch überzeugt vor allem durch seine Gesamtleistung: Alles funktioniert bestens, alles passt perfekt zusammen. Natürlich ist auch alles technologisch auf höchstem Niveau. Wirklich herausragend ist aber nichts mehr – ausser der Preis.