Seit den Vorwürfen gegen den US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein ist bereits mehr als ein Jahr vergangen. Doch bis heute ist #metoo ein geflügelter Hashtag in den sozialen Medien, mit dem nach wie vor Millionen Internetuser ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe setzen.

Die Thematik hat weltweit so hohe Wellen geschlagen, dass Schweden im Juli 2018 das sogenannte Einwilligungsgesetz erlassen hat. Der neue Paragraph besagt, dass Geschlechtsverkehr freiwillig erfolgen muss. Denn ohne die ausdrückliche Zustimmung der Sexualpartner gilt der Akt als Vergewaltigung. Die schwedische Regierung erhofft sich damit, mutmassliche Vergewaltiger rascher zu verurteilen.       

Einvernehmlichkeit per App absichern 

Umstritten ist indes, wie das Einverständnis zum Geschlechtsverkehr überhaupt festgehalten werden soll. Erste Entwicklerfirmen haben auf dieses Problem mit einer Smartphone-App reagiert. So etwa die Firma Start it App S.K.C. Gmbh mit Sitz im österreichischen Gablitz. Deren App «I willl» verspricht, die Einvernehmlichkeit beim Sex ganz einfach mit dem Handy abzusichern. 

«Entweder wird ein gemeinsames Video oder Sprechmemo vor dem Sex von beiden Partnern aufgenommen, um Zustimmung zum Sex mit Ton und Bild zu dokumentieren. Oder beide Partner versichern mittels Unterschrift ihre Zustimmung zum Sex», erklärt Thomas Ceschka, einer den Initiatoren der App in einer Mitteilung. 

Strafrechtsexpertin warnt vor falscher Sicherheit

Einen ähnlichen Zweck verfolgt die aus den Niederlanden stammende App «LegalFling». Hier können sich Sexualpartner nicht nur rechtlich absichern, sondern auch gleich festlegen, welche Sexpraktiken während des Verkehrs erlaubt sind und welche nicht. So listet die App von Zungenküsse über Oral-Verkehr, BDSM-Spielen oder die Aufnahme von Sex-Videos alles auf. Bricht einer der Unterzeichnenden die zuvor getroffenen Absprachen, kann die Liebelei zu einem Fall für den Richter werden. 

Ob die Einvernehmlichkeitserklärung via App aber wirklich im Strafrecht Bestand findet, ist umstritten. Die Anwältin und Strafrechtsexpertin Rachel Adamson erklärte in einem Artikel des britischen «Telegraph», dass derartige Apps für junge Leute eine «echte Gefahr» darstellen. «Menschen haben das Recht, ihre Meinung in jeder Phase einer sexuellen Begegnung zu ändern», erklärt die Expertin. «Wenn sich dann einer der Partner entscheidet, nicht weitermachen zu wollen und der andere nicht aufhört, wird der Akt zu einer sexuellen Straftat.» 

Ebenfalls gibt Adamson zu bedenken, dass es schwer zu beweisen sei, dass es auch wirklich der Sexualpartner war, der die Einverständniserklärung bestätigt hat. Sie stellt die Frage: «Was soll jemanden davon abhalten, den Vertrag mit dem Smartphone einer anderen Person zu bestätigen?» (luk)