Terror in Paris

Anonymous enttarnt IS-Aktivisten in Europa, die Terroristen rekrutieren sollen

Anonymous sagt dem IS den Kampf an (Archiv)

Anonymous sagt dem IS den Kampf an (Archiv)

Seit den Anschlägen von Paris macht das Hacker-Kollektiv verstärkt Jagd auf IS-Aktivisten. Nun behaupten die Hacker, man habe die Wohnadressen von Dschihadisten in Europa veröffentlicht, die IS-Terroristen rekrutieren.

Während wir uns Gedanken über tricolore-gefärbte Profilbildchen machen, uns für unterschiedliche Formen der Trauer, Sorge oder Empathie rechtfertigen müssen und Hass-Kommentare gegen Flüchtlinge bei Facebook melden, tobt auf einer anderen virtuellen und elektronischen Ebene bereits ein echter Cyberkrieg.

Die multinationale Hackergruppe Anonymous hat seit geraumer Zeit den IS ins Visier genommen und am Wochenende nach den Attentaten in Paris angekündigt, dass man den virtuellen Kampf noch ausweiten werde.

Anonymous mache sich an die bislang grösste Aktion gegen den IS heran und lässt nun den Worten Taten folgen. Die Hacker hätten Informationen veröffentlicht, welche die Wohnadressen von mutmasslichen IS-Aktivisten in Europa enthalten, schreibt der britische The Independent, der sich die veröffentlichten Listen angeschaut hat. Bei den enttarnten Personen soll es sich um IS-Aktivisten handeln, die in Europa neue Mitglieder für die Terrororganisation rekrutieren.

Die von Anonymous veröffentlichten Informationen sollen zudem weitere Details über IS-Mitglieder enthüllen. «The Independent» gibt allerdings zu bedenken, dass die Informationen bislang nicht von unabhängiger Stelle überprüft werden konnten.

Anonymous ist bekannt dafür, beim Kampf gegen Feinde wenig zimperlich vorzugehen und hat in der Vergangenheit auch schon Personen an den Pranger gestellt, die nachweislich weder dem IS noch dem Ku-Klux-Klan – eine weitere Zielscheibe der Hacker – angehören. 

Nichts­des­to­trotz ist offenkundig, dass Anonymous seine unter den Namen #OpISIS und #OpParis laufenden Anti-IS-Aktionen nach den Anschlägen in Paris intensiviert hat.

Die öffentlich zugänglichen Listen mit gemeldeten, gekaperten oder bereits deaktivierten Twitter-Accounts wachsen rasant an.

Der Twitter-Account CtrlSec veröffentlicht laufend aktualisierte Statistiken über bislang enttarnte IS-Profile – auf über 70'000 will man es bislang gebracht haben.

Anonymous

Bereits nach dem Attentat auf die Journalisten das Satiremagazins «Charlie Hebdo» hatten Hacker begonnen, extremistische Webseiten lahmzulegen oder zu übernehmen, um ihre eigenen Botschaften über die gekaperten Webseiten zu verbreiten.

Nun geht die Splittergruppe Ghost Security Group gezielt gegen Social-Media-Profile auf Twitter, Facebook und YouTube vor, die dem IS nahestehen und Propaganda verbreiten. Die IS-Accounts werden von den Hacker-Ativisten aufgestöbert, gemeldet und schliesslich von den sozialen Netzwerken gesperrt.

Facebook, Google und insbesondere Twitter sind offenbar zusehends bemüht, extremistische Profile rasch zu löschen. Wie in jedem Krieg gibt es auch in diesem Cyberwar Kollateralschäden, wie das jüngste Beispiel einer Facebook-Nutzerin zeigt, die Isis Anchalee heisst und deren Profil aufgrund ihres Namens gesperrt worden ist.

Was Anonymous erreichen will

«Zu einem der führenden Köpfe in der #OpISIS getauften Aktion gehört ein Hacker mit dem Pseudonym Mikro, der seine Beweggründe wenige Tage vor den Pariser Anschlägen in einem langen Interview beziehungsweise Portrait darlegte», berichtet das deutsche Technologieportal Mobilegeeks.

Zum erklärten Ziel gehöre unter anderem, «dass man mit den eigenen Operationen der Organisation ihre strategische Reichweite in den Social Networks nehmen wolle und schlicht die Kommunikationswege des Gegners störe». In einem zweiten Interview sagten andere Anonymous-Mitglieder, dass man nebst Undercover-Accounts auch geschlossene Foren und Message Boards infiltriere und so frühzeitig an entsprechendes Insiderwissen gelange.

Von Anonymous veröffentlichte Informationen über mutmassliche IS-Aktivisten sind auch für die Sicherheitsbehörden und Geheimdienste von Interesse. Trotzdem schaut man dort den Aktionen der Hacker mit gemischten Gefühlen zu.

Mit den Behörden nicht abgesprochene Aktionen bergen das Risiko, dass laufende Polizeiermittlungen torpediert werden – etwa dann, wenn durch Hacker-Aktionen von den Behörden bereits überwachte IS-Konten gelöscht werden. Die Ermittler werden so schlimmstenfalls «blind und taub», da sie ihre bereits unterwanderten Informationsquellen verlieren.

Mit Videos wie dem folgenden erklärt Anonymous dem IS den Krieg.

Anonymous sagt dem IS den Kampf an

Anonymous sagt dem IS den Kampf an

Anonymous ist keine hierarchisch organisierte Gruppe, sondern ein weltweit aktives Hacker-Kollektiv. Die Meinungen, Motive und Beweggründe der einzelnen Hacker für bestimmte Aktionen können sich daher stark unterscheiden. In den letzten Jahren ist es Mitgliedern des Kollektivs mehrfach gelungen, die Websites von Organisationen, staatlichen Behörden oder Konzernen zu hacken.

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