Die ganze Welt ist im Pokémon-Fieber. Millionen Menschen irren mit ihren Smartphones durch die Innenstädte auf der Jagd nach virtuellen Monstern. Doch das Spiel hat auch seine Schattenseiten. Kriminelle in den USA haben Spieler mehrfach in einen Hinterhalt gelockt und ausgeraubt.

Doch was Verbrecher können, können die Verbrechensbekämpfer auch. Das dachte sich wohl die Polizeibehörde des Smithfield Police Department im US-Bundesstaat Virginia und nutzte die virtuelle Schnitzeljagd für ihre eigenen Interessen: Die Beamten versteckten in ihrem Polizeirevier ein besonders seltenes Monster, Ditto, und kündigten die Rarität auf Facebook an.

Weil das Monster so selten ist, schrieben die Beamten in dem Facebook-Post, gestatteten sie nur auserwählten Bürgern Zutritt zu dem Gebäude. Die Polizisten erstellten eine Liste von angeblich acht zufällig ausgewählten Bürgern, die in den erlauchten Kreis der Monsterjäger erhoben wurden. Diese Liste würde sukzessive aktualisiert werden, bis jeder einmal zum Zuge käme, so die Ankündigung.

Sich glücklich selbst ausliefern

Was die Polizisten nicht erwähnten: Unter den acht Namen befand sich ein gesuchter Verbrecher. Es handelte sich um eine Falle. Und sie schnappte zu. Am 1. August ging den Polizisten der gesuchte Verbrecher ins Netz. Er war ahnungslos in das Gebäude gekommen, in der Hoffnung, das begehrte Monster zu ergattern. Mit dem ermittlungstaktischen Trick der Polizei hatte er offenbar nicht gerechnet.

Auf Facebook vermeldete die Polizei den Fahndungserfolg: «Heute Nacht war das Smithfield Police Department in der Lage, einen Haftbefehl aufgrund eines Ditto-Post zu vollstrecken. Ein Individuum kam zum Polizeirevier und ergab sich.» Augmented Reality stellt die Ermittlungsarbeit auf eine ganz neue Entwicklungsstufe. Wozu braucht es Lockvögel, wenn es virtuelle Monster gibt?

Auch in New Hampshire wurde der Trick angewendet.

Pokémon sind ein nützliches Werkzeug bei der Verbrecherjagd. Die Polizei in Manchester im US-Bundesstaat New Hampshire bemächtigte sich derselben Strategie und versuchte Kriminelle mit dem seltenen Pokémon Glurak anzulocken. Auf seiner Facebook-Seite kündigte das Manchester Police Department an: «Pokémon-Go-Spieler aufgepasst: Wir haben herausgefunden, dass in unserem Eingangsbereich ein Glurak liegt. Weil Glurak ein seltener Charakter ist, laden wir nur eine bestimmte Anzahl von Leuten ein. Wenn Ihr Name auf folgender Liste auftaucht, gehören Sie zu den glücklichen.»

Auf der Liste waren freilich nur per Haftbefehl gesuchte Verbrecher. Der Versuch war jedoch etwas zu durchsichtig, sodass sich keiner der Gesuchten traute, bei der Polizei auf Monsterjagd zu gehen.

Doch so mancher Kriminelle legt eine gewisse Unbedarftheit an den Tag, die ihm später zum Verhängnis wird. So radelte ein 26-jähriger Mann in Milford, einem Vorort von Detroit, eines Morgens zum lokalen Polizeirevier, wo sich ein Pokégym befindet, eine Kampfarena, in der man virtuelle Monster gegeneinander antreten lassen kann. Zu seinem Pech erkannten ihn die Beamten als polizeilich gesuchten Straftäter und nahmen ihn kurzerhand fest. Pokémon Go lockt eben nicht nur Stubenhocker hinter dem Ofen hervor, sondern auch Kriminelle.