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Impf-Emoji war Apple zu brutal: Wegen der Pandemie gibt es neue Piktogramme

Das Sprechen über die Coronakrise schlägt sich in Emojis nieder. Apple hat ein neues Symbol für die Spritze kreiert.

Adrian Lobe
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Den Umständen geschuldet haben Pandemie-Symbole momentan Hochkonjunktur. Hier das neue Impf-Symbol von Apple.

Den Umständen geschuldet haben Pandemie-Symbole momentan Hochkonjunktur. Hier das neue Impf-Symbol von Apple.

Bild: Apple, Imago

Seit einigen Tagen gibt’s bei Apple ein Update für sein Betriebssystem iOS 14. Nutzer können nun mit der Gesichtserkennung Face ID ihr Smartphone auch mit Gesichtsmaske entsperren. Zu den Neuerungen gehört auch ein Satz neuer Emojis, unter anderem neues Spritzen-Symbol. Das bisherige Piktogramm zeigte eine Spritze mit zwei Bluttropfen. Offenbar war diese Darstellung Apple zu blutrünstig, daher hat der Konzern das Blut entfernt und durch eine bläuliche Flüssigkeit ersetzt.

Der Hintergrund: Das für die Standardisierung von Emojis zuständige ­Unicode-Konsortium – dem neben Apple unter anderem Facebook, Netflix und Google angehören – gibt nur die äussere Form vor. Über die inhaltliche Ausge­staltung können die Betreiber entscheiden. Deshalb sehen Emojis bei Facebook oder Twitter auch immer etwas anders aus.

Immer mal wieder unterziehen die Plattformen Emojis einer Revision. So hat Apple 2016 das Pistolen-Emoji in seiner iOS-10-Version durch eine Wasserpistole ersetzt und seine Nutzer so entwaffnet.

Spritzen-Emojis im Allzeithoch, Flugzeuge im Sinkflug

Das neue «Impf»-Emoji soll dem Umstand Rechnung tragen, dass seit dem Ausbruch der Pandemie Symbole wie das Atemschutzmaske-, Mikroben- oder Spritzen-Emoji häufig in der Kommunikation verwendet werden.

In den letzten Monaten deutlich häufiger gebraucht: Das Masken-Emoji.

In den letzten Monaten deutlich häufiger gebraucht: Das Masken-Emoji.

Bild: Apple

Emojis gelten als neue Weltsprache, und das Sprechen über die Coronakrise schlägt sich in dem visuellen Zeichensystem nieder. Während das Flugzeug-Symbol kaum genutzt wurde, wurde das Spritzen-Emoji auf Twitter noch nie so häufig aufgerufen wie im vergangenen Dezember.

Das Spritzen-Emoji kann auf eine durchaus blutige Geschichte zurückblicken, wie das Portal emojipedia.org berichtet. So wurde es in Japan 1999, wo Emojis ihren Ursprung haben, im Zusammenhang mit Blutspenden verwendet. Als 2008 das Emoji erstmals offiziell beantragt wurde, war das Dokument mit dem Hinweis «with blood» (mit Blut) versehen. Bis heute haben die meisten Plattformen wie Google, Microsoft oder Whatsapp ihr Spritzen-Emoji mit Blut gefüllt – nicht zuletzt, um mit der Version des japanischen Konzerns Softbank kompatibel zu sein.

Das alte Spritzen-Emoji

Das alte Spritzen-Emoji

Bild: Apple, Imago

In der Coronakrise wird das Spritzen-Emoji nicht mehr als Symbol für Blutspenden oder Drogenkonsum verwendet, sondern für Impfungen – in Kombination mit Wörtern wie «Covid», «Vakzine» oder «Pfizer».

Das zeigt, wie schnell sich die Semantik der Symbole ändern kann. Allein, Emojis sind ein bürokratisches Sprachsystem. Bis ein neues Zeichen hinzugefügt wird, können Jahre vergehen. Das Konsortium hat das Up­date coronabedingt verschoben, die neuen Symbole sollen 2022 enthüllt werden. Ob ein eigenes Impf-Emoji grünes Licht bekommen hätte, ist ohnehin fraglich, weil sich neue Symbole von bestehenden optisch unterscheiden müssen. Daher ist es einfacher, bereits zugelassene Emojis zu modifizieren.

«Der grösste Beitrag zur Wissenschaft»

Auch das Mikroben-Emoji wird von den Plattformen unterschiedlich codiert. Während die Apple-Darstellung einem Virus am nächsten kommt, sieht es in der Facebook- oder Twitter-Version aus wie ein Bakterium, was die Kommunikation über das Coronavirus in diesem Fall etwas unpräzis macht.

Das Mikroben-Emoji wurde 2017 von Wissenschaftern beantragt, um ein Zeichen zu setzen gegen die um sich greifende Wissenschaftsfeindlichkeit. Neben dem Bakterium finden sich in dem Vorschlag unter anderem ein Neuron, eine Petrischale, ein Laborkittel, eine DNA-­Helix sowie ein Bunsenbrenner. Das meiste wurde vom Unicode-Konsortium genehmigt.

Die Wissenschafterin Jessica Morrison, die den Antrag mit stellte, jubilierte daraufhin auf Twitter, dies sei ihr «grösster Beitrag zur Wissenschaft». Das war freilich augenzwinkernd gemeint. Doch wenn Millionen Menschen mit Piktogrammen aus der Wissenschaft auf ihren Smartphone-Tastaturen operieren, trägt das vielleicht zu einer Versachlichung der Debatte bei. Ein Impf-Emoji ist vielleicht das beste Gegengift gegen die grassierende Infodemie.