Impfung
Die Hälfte der Geimpften hat Kopfschmerzen und viele sind müde

Wer sich gegen das Coronavirus impfen lässt, muss am nächsten Tag mit einigen Symptomen rechnen. Arbeitsausfälle gibt es aber kaum - auch wenn Jüngere mehr Nebenwirkungen spüren.

Sabine Kuster
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Schmerzen an der Einstichstelle verspüren die meisten.

Schmerzen an der Einstichstelle verspüren die meisten.

Bild: Keystone

«Und, hast du etwas gespürt?» Diese Frage folgt fast immer, wenn Leute berichten, dass sie gegen Corona geimpft worden seien. Schwere Nebenwirkungen, welche von der Schweizer Heilmittelbehörde registriert werden, sind dabei sehr selten und Zusammenhänge mit Todesfällen konnten keine nachgewiesen werden (wir berichteten).

Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für Beschwerden nach der Impfung? Für die Schweizer Bevölkerung wird die Häufigkeit der Nebenwirkungen nicht in einer separaten Studie ermittelt. Das wäre zu aufwändig und sei auch nicht der Auftrag von Swissmedic, sagt Mediensprecher Lukas Jäggi. Die Nebenwirkungen haben die Impfstoffhersteller Pfizer /Biontech und Moderna in ihren Zulassungsstudien mit jeweils rund 44'000 beziehungsweise 30'000 Teilnehmern aufgelistet. Die Hälfte waren jeweils Kontroll-Teilnehmer, denen ein Placebo gespritzt wurde. Der Impfstoff von Astrazeneca ist noch nicht zugelassen, unter anderem eben auch weil die Teilnehmerzahl der Zulassungsstudie nur 12'000 beträgt.

Die meisten spüren die Einstichstelle

Pfizer/Biontech listen die Häufigkeiten genau auf. Demnach haben 84 Prozent der Geimpften Schmerzen an der Einstichstelle und mehr als die Hälfte ist am Tag danach müde oder hat Kopfschmerzen. Die übrigen Beschwerden sind seltener (siehe Tabelle). Moderna macht ungenauere Angaben mit «sehr häufig» (über 10 %) bis «selten» (0,1-0,01%). Einen ersichtlichen Unterschied gibt es bei der Übelkeit, die Moderna nicht als «häufig» sondern als «sehr häufig» bezeichnet.

Jüngere Immunsysteme reagieren stärker

Laut Masha Maria Foursova vom BAG sind bei jüngeren Erwachsenen unter 60 Jahren Nebenwirkungen häufiger, da das Immunsystem stärker reagiere. Jüngere Erwachsene hat das Kantonsspital Aarau geimpft – nämlich seine Angestellten. Im Vergleich mit den Werten von Pfizer/Biontech (die das ganze Altersspektrum umfassen), zeigt sich aber keine grössere Häufigkeit der Nebenwirkungen: Vier bis fünf von zehn Geimpften hatten laut dem Kantonsspital Schmerzen an der Einstichstelle und zwei bis drei berichteten von Müdigkeit und Kopfschmerzen. Eine oder zwei Personen von zehn Geimpften bekamen Fieber, starke Gliederschmerzen und starke Kopfschmerzen.

Die Betroffenen blieben selten zuhause. So heisst es zum Beispiel bei den Zürcher Stadtspitälern Waid und Triemli, man habe wegen der Personal-Impfaktion keine auffällige Häufung von Krankheitsausfällen festgestellt. Ob mehr Nebenwirkungen auftreten als bei einer Grippeimpfung ist weder dem BAG noch Swissmedic bekannt.