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Der kleine Italiener wird elektrisch: Beim Fiat 500e ist alles neu

Aussen wie innen hat Fiat das Design des 500 modernisiert, aber nicht radikal verändert.

Aussen wie innen hat Fiat das Design des 500 modernisiert, aber nicht radikal verändert.

Für ein Stadtauto wie den Fiat 500 ist der E-Antrieb die bessere Lösung. Das wird nach der Probefahrt klar.

Zugegeben, ich mochte den Fiat 500 nie. Sympathisches Design und Kultstatus hin oder her: Der kleine Ita­liener vermochte mich nicht zu überzeugen. Die Sitzposition erinnert, zumin­dest ab 1 Meter 80 Körper­grösse, an den viel zitierten Affen auf dem Schleifstein, das Platzangebot ist auch für Kleinwagen-Massstäbe beschei­den, und die Antriebe sind, mit Ausnahme der vorlauten Abarth-Versionen, eher mau.

Zudem zählt der Cinquecento, der in der aktuellen Generation schon seit 2007 gebaut wird, gewissermassen zu den Senioren unter den Neuwagen. Eine Neuauflage war also längst fällig. Fiat wollte sie im März am Autosalon in Genf präsentieren; die Pandemie sorgte allerdings dafür, dass daraus eine rein digitale Weltpremiere wurde. Was die Italiener per Video-Live­stream präsentierten, sorgte dennoch für Aufsehen: Der 500, der absolute Bestseller der Marke, soll rein elektrisch werden. Und zwar nicht nur von der bisherigen Basis umgebaut – sondern komplett neu, von Grund auf als E-Auto konzipiert.

Schmucke LED-Leuchten und einge­zogenen Türgriffen

Dass der bisherige 500 mit Benzinmotor weiterhin im Angebot bleibt, macht die Entscheidung zwar deutlich weniger mutig, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Und acht Monate nach der Vorstellung lässt er sich bereits testfahren.

Der Neue ist sofort als solcher zu erkennen – aber weiterhin auch ein echter Cinquecento, nur eben mit schmucken LED-Leuchten, einge­zogenen Türgriffen und leicht ver­änderten Proportionen: Der elek­­trische 500 ist in alle Richtungen ein paar Zentimeter gewachsen, bleibt aber mit 3 Meter 63 Länge ein kleines, niedliches Auto, wie es sich für einen Fiat 500 gehört; schliesslich reicht die Geschichte des Kultwagens zurück bis 1957.

Mehr als sechs Millionen Mal wurde der kleine Fiat schon gebaut; die aktuelle Generation im Werk in Polen. Der Elektrische rollt wieder in Turin vom Band. 80 000 Stück pro Jahr sind angepeilt. Ein durchaus realistisches Ziel. Denn mit einem Grundpreis von 26 990 Franken (Akkukapazität 23,8 kWh) respektive ab 29 990 Franken für die empfehlenswertere Variante mit grösserem Akku (42 kWh) ist der Italostromer erschwinglich, gemessen daran, was er zu bieten hat.

Unbeeindruckt von Wind und Wetter

Zur ersten Testfahrt starte ich in Rapperswil; die Route führt über Reichenburg und Sattel nach Einsiedeln und wieder nach Rapperswil. Rund 70 Kilometer, die es in sich haben: Zahlreiche Steigungen und Gefälle, vor allem aber Temperaturen um den Gefrierpunkt. Keine optimalen Bedingungen für einen elektrisch angetriebenen Stadt-Kleinwagen.

Für eine erste Überraschung sorgt der 500e direkt beim Einsteigen: Durch die etwas vergrösserten Abmessungen, komplett neue Sitze und deutlich mehr Verstellmöglichkeiten ist die Sitzposition im Neuen fast perfekt und auch für längere Strecken bequem.

Innen gibt es nun komplett digitale Instrumente, aussen versenkte Türgriffe und LED-Licht.

Innen gibt es nun komplett digitale Instrumente, aussen versenkte Türgriffe und LED-Licht.

Und längere Strecken kann man mit dem Stromer gut in Angriff nehmen. Bevor der Italiener an die Ladestation muss, wo er in bestenfalls 35 Minuten auf 80 Prozent laden kann, sollen laut WLTP-Messung 320 Kilometer möglich sein.

Das klingt glaubwürdig, denn auch auf der winterlichen Berg-und-Tal-Fahrt – wo der E-Antrieb bei der Bergabfahrt natürlich immer fleissig rekuperieren kann – steigt der Verbrauch nicht über 16 kWh, womit rund 250 Kilometer möglich wären, ohne dabei auf Fahrspass verzichten zu müssen. Dank der im Unterboden montierten Akkus und durchzugsstarkem Antrieb (118 PS/220 Nm) macht der 500e gerade auf den kurvigen, engen Bergsträsschen viel Laune. Das macht den 500e definitiv zum besten Fiat 500, den ich je fuhr. Und ich muss zugeben: Nun mag ich ihn!

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