Gaumenschmaus
Das Ohr isst mit: Wie Billigwein plötzlich wie ein edler Tropfen schmeckt

Wer zu Hause Rezepte aus fremden Kulturen ausprobiert, sollte auch über den Tellerrand hinaus schauen. Denn: Mit der richtigen Musik lässt sich jedes Gericht aufbessern – und ein Billigwein schmeckt plötzlich wie ein edler Tropfen.

Irene Müller
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Der 6-fränkige Wein lässt sich laut der Studie zusammen mit klassischer Musik einfacher als edler Merlot oder Sauvignon verkaufen.

Der 6-fränkige Wein lässt sich laut der Studie zusammen mit klassischer Musik einfacher als edler Merlot oder Sauvignon verkaufen.

Keystone

Thailändisch, indonesisch, mexikanisch – die Auswahl an internationalen Gerichten hierzulande wird immer vielfältiger. Mit der Beliebtheit solcher fremdkulturellen Leckerbissen wächst auch der Mut von Hobbyköchen, so etwas zu Hause auszuprobieren. Doch das alleinige Kopieren der Zutatenliste genügt nicht. Um den maximalen Geschmack aus dem Essen herauszuholen, muss man über den Tellerrand hinausschauen.

Der Professor für experimentelle Psychologie an der Oxford-Universität Charles Spence hat herausgefunden, dass es durchaus empfehlenswert ist, Speisen mit dem passenden Klang zu «würzen». Musik schafft ein Ambiente, welches uns in die richtige Stimmung für ein bestimmtes Gericht bringen und somit den Genuss steigern kann.

«Wir schmecken mit unseren Sinnen, nicht mit dem Mund», sagt Spence und führt aus: «Nicht unsere Zunge schmeckt das Essen, sondern unser Gehirn bereitet unsere Geschmacksknospen auf das kulinarische Erlebnis vor.»

Hier ein paar Beispiele, wie Sie aus Ihren Alltagsgerichten das Optimum herausholen können:

1. Rösti mit Pepe Lienhard

Für Rösti haben wir schon das ideale Ambiente, wenn wir uns nur in der Schweiz befinden – denken Sie! Die Studie von Spence beweist jedoch, dass landestypische Musik traditionelle Gerichte besser schmecken lässt. Brutzeln Sie sich wieder einmal eine richtige Schweizer Rösti mit Speck und Eiern und lassen Sie dazu die gute alte «Swiss Lady»-Platte von Pepe Lienhard scheppern. Sie werden sich neu in die Rösti verlieben.

2. Fajitas für jedermann

Bis man auch den älteren Jahrgängen erklärt hat, wie man diese fremden Dinger zusammenfaltet und isst, ohne dass der ganze Teller verspritzt, ist meistens auch das südliche Flair verflogen, das man sich doch so sehnlichst wieder einmal herbeigewünscht hat. Vielleicht klappt auch dies besser beim Hören des spanischen Liedes «La Bamba» von Los Lobos & Gipsy Kings.

3. Mit klassischer Musik veredelt

Wieder einmal in feurigem Elan kurzfristig entschlossen, die Freundin mit einem selbstgekochten Gourmet-Menü zu überraschen, doch es will nicht so richtig klappen? Dank der «Best of Chopin»-CD schmeckt das Essen allerdings auch mit versalzenen Nudeln und verkochten Zucchetti top. Auch der 6-fränkige Wein lässt sich laut der Studie zusammen mit klassischer Musik einfacher als edler Merlot oder Sauvignon verkaufen.

4. Klavier und Erdbeertörtchen

Empirische Daten der Studie von Spence lassen vermuten, dass Klaviermusik gut zum Verzehr von Früchten passt. Beim Erdbeertörtchen wäre darum «Someone Like You» von Adele ein geeignetes Begleitstück. Wer zu den Leuten gehört, die bei diesem Lied traurig werden, hat das tröstende Dessert bereits vor der Nase.

5. Scharfes aus den USA

Auf den Geschmack für scharfes Essen wie Chili con Carne könnte man durch das Lied «Give it away» der US-Band Red Hot Chili Peppers kommen. Erstens bedeutet der Bandname bereits «rote, heisse Chilischoten» und zweitens macht der mitreissende Sound übermütig für waghalsiges Würzen. Allerdings besagt die Studie, dass sich der Geschmack bei schneller Musik früher aus dem Mund verflüchtigt.