Covid-Impfung
Unfreiwillig ungeimpft: Allergiker kommen kaum zu einem Impfstoff

Polyethylenglykole gibt es in Kosmetika und Duschgels und auch in den mRNA-Wirkstoffen. Wer auf diese PEG allergisch ist, hat im Moment in der Schweiz noch keine Alternative an Impfstoffen.

Bruno Knellwolf
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Die mRNA-Impfstoffe enthalten Polyethylenglykole PEG. Ganz wenige Menschen sind auf die PEG allergisch.

Die mRNA-Impfstoffe enthalten Polyethylenglykole PEG. Ganz wenige Menschen sind auf die PEG allergisch.

Valentin Hehli / AGR

Die Frau möchte sich gerne impfen lassen. Doch sie leidet an einer PEG-Allergie. PEG steht für Polyethylenglykole und bezeichnet eine Reihe synthetischer Stoffe, die in einer Vielzahl von Produkten enthalten sind. Vor allem in Kosmetikprodukten kommen sie zum Einsatz. Als sogenannte Emulgatoren verbinden sie Substanzen wie Wasser, Öl oder Wachs im Produkt miteinander. Und PEG sind auch Bestandteil des mRNA-Wirkstoffs, weshalb PEG-Allergiker nach einer Impfung dieselben Reaktionen haben wie mit gewissen Kosmetika und Duschmitteln.

Sehnliches Warten auf eine Impfung

Häufig ist diese Allergie, die Hautirritationen, Kopfweh und Übelkeit auslösen kann, nicht. «Der Anteil liegt im Promille-Bereich – also bei vermutlich nicht mehr als rund 10'000 Personen in der Schweiz», sagt Masha Renfer-Foursova vom Bundesamt für Gesundheit. Zu den Betroffenen gehört die anfangs erwähnte Frau, die sich bei der Redaktion gemeldet hat und gemäss ihren Angaben seit sechs Monaten nach einem anderen Impfstoff sucht und sehnlichst auf eine Impfung wartet.

Im Gegensatz zu den mRNA-Impfungen von Moderna und Biontech/Pfizer haben die Wirkstoffe von AstraZeneca, Novavax und Johnson&Johnson kein PEG als Inhaltsstoff. PEG-Allergiker hätten somit die Möglichkeit, sich mit diesen Impfstoffen impfen zu lassen. «Aktuell setzt das BAG insbesondere auf mRNA-Impfstoffe, weil sich diese als gut verträglich und sehr wirksam erwiesen haben», sagt Renfer-Foursova. Der Bund habe aber auch Impfstofftechnologien, die protein- oder vektorbasiert und ohne PEG-Inhaltsstoffe seien, im Portfolio. Nur im Portfolio nützt der PEG-Allergikerin allerdings wenig, weil die Impfstoffe von AstraZeneca und Novavax in der Schweiz noch nicht zugelassen sind.

Ärzte dürften AstraZeneca unter bestimmten Bedingungen impfen

Doch gemäss der Heilmittelgesetzgebung dürften Ärzte unter bestimmten Bedingungen in der Schweiz nicht zugelassene Impfstoffe aus dem Ausland beziehen und verimpfen. Doch die BAG-Vertreterin räumt ein, dass wegen der weltweit schwierigen Versorgungssituation mit Covid-19-Impfstoffen ein solcher Bezug derzeit sehr schwierig sein dürfte. Maria Renfer-Foursova sagt:

«Covid-19-Impfstoffe sind weltweit ein knappes und gefragtes Gut.»

Und die Impfstoffhersteller verkaufen aktuell Impfstoffe nur an Regierungen.

Zudem würde ein vom Ausland importierter Impfstoff in der Schweiz auch nicht bezahlt, weil eine Entschädigung aufgrund des Epidemiengesetzes nur für empfohlene Impfungen möglich ist.

Eine Spezialärztin für Allergologie kontaktieren

Für die impfwillige Frau ist die Situation im Moment somit schwierig. Zu einer AstraZeneca-Impfung wird sie vorderhand nicht kommen. «Die Eidgenössische Impfkommission EKIF und das BAG empfehlen Personen mit einer PEG-Allergie, einen Spezialarzt für Allergologie zu kontaktieren», sagt Renfer-Foursova vom BAG. Eine Abklärung könne dann zeigen, ob eine Impfung nach Prüfung der individuellen Situation mit einem mRNA-Impstoff unter ärztlicher Aufsicht dennoch möglich sei. Das sei in den meisten Fällen so.

«Wir gehen davon aus, dass Alternativen zu mRNA-Impfstoffen bald in der Schweiz verfügbar sein werden», sagt die BAG-Vertreterin. Swissmedic macht auf Anfrage dazu weiterhin keine Terminangaben, sondern wiederholt nur, dass sich der Impfstoff von AstraZeneca zurzeit noch im Zulassungsprozess befinde. Der ebenfalls PEG-freie Wirkstoff von Johnson&Johnson ist seit dem 22. März zugelassen. Für den Vertrieb der Impfstoffe sei aber nicht Swissmedic zuständig.

Wer sich noch nicht impfen lassen könne, soll sich wie alle anderen an die Hygiene- und Schutzmassnahmen halten. Idealerweise seien die häufigen Kontakte dieser allergischen Personen geimpft, um das Ansteckungsrisiko der Ungeimpften zu minimieren, erklärt Renfer- Foursova.

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