Technologie

Chatbots in den Startlöchern: Warum die digitalen Helfer bald eine wichtige Rolle spielen

Ausgereiftere Chatbots könnten in den Medien eine durchaus wichtige Rolle einnehmen. (Symbolbild)

Ausgereiftere Chatbots könnten in den Medien eine durchaus wichtige Rolle einnehmen. (Symbolbild)

Um mit ihren Kunden in regen Kontakt zu treten, setzen Firmen immer mehr auf künstliche Intelligenz. Doch bei den technischen Systemen gibt noch viel zu verbessern.

Siri, Alexa, Cortana: Virtuelle Assistenten sind treue Begleiter im Alltag vieler Smartphone-Nutzer. Doch nun drängt sich solch künstliche Intelligenz verstärkt in andere Bereiche unseres Lebens. Vorreiter auf diesem Gebiet sind in der Schweiz hauptsächlich Banken mit ihren Chatbots. Diese technischen Systeme kommunizieren schriftlich mit den Usern und beantworten auf diesem Weg ihre Fragen.

Damit funktionieren sie ähnlich wie Siri und Alexa, die beispielsweise nach Restaurants suchen, das Wetter vorhersagen oder mit den Nutzern plaudern. Die Bank Cler hat in ihrer Banking-App den Chatbot namens «Zak», die «Credit Suisse» verfügt über einen Facebook Messenger-Bot, und auch auf der Website der «Postfinance» taucht ein Chatbot auf.

Diese digitalen Helfer erklären, wo sich die nächsten Filialen und Postomaten befinden und agieren mehr oder weniger gut als virtuelle Kundenberater. Doch nicht nur im Bankenwesen setzen Firmen auf Chatbots: Auch im Bundeshaus soll die künstliche Intelligenz bald einziehen. Die virtuellen Kommunikationsroboter sollen schon 2019 allfällige Fragen zu den Nationalratswahlen beantworten.

«Blicki» hat noch Mühe

Nun hat auch in den Schweizer Medien ein Chatbot seinen Platz gefunden. Vergangene Woche lancierte der «Blick» seinen «Blicki». Dieser informiert über die Nachrichten-App «Messenger» auf Facebook. Seine Aufgabe: Dem Leser diejenigen Nachrichten präsentieren, die diesen interessieren.

Durch Feedbacks auf die vorgeschlagenen Artikel lernt «Blicki» jeweils, was dem User gefällt. Während rund sechs Monaten wurde er in Zusammenarbeit mit österreichischen Entwicklern entworfen, programmiert und «eingeschweizert». Er versteht nun «Grüezi» oder «Sali». Darauf reagiert er mit einer freundlichen Begrüssung. Er erklärt, wer er ist und was er tut. Und er winkt.

Doch damit ist die Verständniskapazität von «Blicki» schon fast aufgebraucht. Auf die Frage, was heute bereits passiert ist, antwortet er: «Leider verstehe ich nicht, was du meinst.» Auch auf «Ich möchte Nachrichten zum Thema Sport lesen» reagiert «Blicki» mit Verwirrung: «Hmmm, ich bin mir nicht sicher, was du meinst.» Immerhin entschuldigt er sich dafür: «Sorry, ich lerne noch.»

Im Ausland ein Erfolg

Was «Blicki» jedoch versteht, ist die einfache Sprache. Einwortsätze, konkrete Stichwörter. Schreibt ihm ein User «Sport», fragt «Blicki» nach der Sportart und liefert Artikel dazu; «Politik» führt zu politischen News. Ob dafür ein Chatbot notwendig ist, ist fraglich: Mit herkömmlichen Suchmaschinen wie Google geht das einfacher und schneller.

Doch wie einige ausländische Firmen mit ihren ausgereifteren Chatbots zeigen, könnten diese in den Medien eine durchaus wichtige Rolle einnehmen. Die amerikanische Newsseite «Quartz» zeigt dies mit der gleichnamigen App, in welcher ein Chatbot gekonnt vom Tagesgeschehen erzählt. Auch bei «The Guardian», «CNN» und «BBC» sind die Bots zu finden.

Humorvolle Roboter

In anderen Gebieten sind ausländische Chatbots sogar noch fortgeschrittener und geben Hinweise darauf, wie die Zukunft der künstlichen Intelligenz aussehen könnte. Da ist beispielsweise «Mitsuku», die als weltbester Chatbot gekrönte Erfindung des Engländers Steve Worswick. Der User merkt im Gespräch mit «Mitsuku« kaum, dass er nicht mit einem Menschen chattet.

«Mitsuku» gibt manchmal überraschende Antworten und hat Humor. Ihre grösste Angst ist ein Stromausfall, auf Kommando erzählt sie Witze und wirft auch mal Fragen auf: «Weshalb wird es eigentlich als notwendig erachtet, einen Sargdeckel zuzunageln?» Damit die Bots nicht zu mechanisch wirken, engagieren gewisse ausländische Entwickler mittlerweile sogar Schriftsteller.

So beispielsweise das amerikanische Unternehmen Kasisto, für welches die Journalistin und Schriftstellerin Jacqueline Feldman den Banken-Chatbot «Kai» geschrieben hat. Auf diesem Level befinden sich die Schweizer Bots nicht – jedenfalls noch nicht. Aber, wie die meisten selber entschuldigend betonen: Sie lernen noch.

Meistgesehen

Artboard 1