Bluttat
«Es fährt ein»: Nach Angriff in St.Galler Innenstadt stirbt ein 38-jähriger Mann – vier Männer verhaftet

In der Nacht auf Sonntag ist ein 38-jähriger Dominikaner in der Ausgehmeile an der Brühlgasse von mehreren Personen angegriffen worden. Am Dienstag ist der Mann verstorben, vier Tatverdächtige wurden festgenommen.

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Am Tatort in der Brühlgasse sind Blumen und Trauerkerzen niedergelegt worden.

Am Tatort in der Brühlgasse sind Blumen und Trauerkerzen niedergelegt worden.

Bild: Donato Caspari (1. September 2021)

Der 38-jährige Dominikaner, der in der Nacht auf Sonntag in der St.Galler Innenstadt von mehreren Personen angegriffen worden ist, ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Dies teilt die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen per Communiqué mit.

Gemäss Medienmitteilung kam es anfänglich zwischen einem 24-jährigen Kubaner und einem Kollegen des späteren Opfers zu einer verbalen Auseinandersetzung. Im nachfolgenden Verlauf kamen weitere Personen dazu, wobei dem 38-jährigen Dominikaner mit einem unbekannten Gegenstand Stichverletzungen am Arm und im Brustbereich zugefügt wurden, wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Die Stadtpolizei St.Gallen hat um 3:30 Uhr die Meldung von der Auseinandersetzung erhalten. Die ausgerückten Patrouillen trafen den schwer verletzten 38-jährigen Dominikaner an.

Genaue Tatumstände noch unklar

Am Dienstag ist der Dominikaner an seinen schweren Verletzungen verstorben. Laut Medienmitteilung hat die Staatsanwaltschaft vier Personen – einen 39-jährigen Kosovaren, einen 37-jährigen Kosovaren, einen 28-jährigen Kosovaren und einen 24-jährigen Kubaner – festgenommen und stellt gegen diese Antrag auf Untersuchungshaft beim zuständigen Zwangsmassnahmengericht. Die genauen Tatumstände seien Gegenstand der laufenden Strafuntersuchung. Die Staatsanwaltschaft untersucht unter anderem wegen des Tötungsdelikts und Raufhandels.
Für alle Verhafteten gilt die Unschuldsvermutung.

Am Tatort in der Brühlgasse ist die Betroffenheit gross. Eine Detailhändlerin, die seit 17 Jahren ein Ladengeschäft an der Brühlgasse betreibt und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt, es «fahre ein», dass wenige Meter von ihrem Geschäft entfernt ein Mann bei einem Gewaltdelikt tödlich verletzt worden sei. Am Tatort seien Blumen abgelegt worden, sagt sie. Das Ganze stimme sie nachdenklich, sagt die Geschäftsfrau. Für Ladenbetreiber habe sich die Brühlgasse in den vergangenen Jahren durch die Partyszene und die zahlreichen Ausgehlokale negativ entwickelt.

Die Stimmen, die eine erhöhte Gewaltbereitschaft im öffentlichen Raum wahrnehmen, werden auch in der Stadt St.Gallen zahlreicher. Die ausschweifenden Partynächte im Bermudadreieck vor den Sommerferien haben ihren Teil dazu beigetragen. Doch was ist dran an dieser subjektiven Wahrnehmung? Wird der St.Galler Ausgang gefährlicher?

Kaum Tötungsdelikte im St.Galler Ausgang

Nein, sagt zumindest ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Tötungsdelikte in der St.Galler Partyszene sind glücklicherweise extrem selten. Man muss in die frühen 1990er-Jahre zurückgehen, um auf einen ähnlichen Fall zu stossen. Ein junger St.Galler wurde im Ausgang von einem Mann und Kampfsportler ohne vorherige Provokation niedergeschlagen, stürzte unglücklich und verletzte sich dabei tödlich. Der Fall erschütterte die ganze Stadt – und Teile der Ausgehszene.

Gleiches gilt für das, was in der Nacht auf den 7. Dezember 1985 im damaligen «Jockey Club» an der Goliathgasse geschah. Im ehemaligen Africana kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen einem damals 21-jährigen Gast und der Rockergruppe Unicorns. Im Laufe des Streits zückte der Mann einen Revolver und gab zwei Schüsse ab. Einer davon traf ein damals ebenfalls 21-jähriges «Unicorns»-Mitglied tödlich.

Zwei weitere Tötungsdelikte aus jüngerer Vergangenheit, die allerdings nichts mit der Partyszene zu tun hatten, dürften den meisten Städterinnen und Städtern noch in Erinnerung sein: Im August 2017 stach ein 44-Jähriger am helllichten Nachmittag einen 21-jährigen Gast vor der Starbucks-Filiale in der Marktgasse nieder und verletzte ihn tödlich. Der Täter wurde schliesslich für schuldunfähig befunden. Und vor fast genau einem Jahr verletzte ein, ebenfalls psychisch kranker, 22-jähriger Mann in einer Wohnung an der Speicherstrasse eine 46-jährige Frau so schwer, dass sie ihren Verletzungen erlag. Der Täter wurde von zwei Polizisten erschossen, die Staatsanwaltschaft hat vor wenigen Wochen Anklage gegen die beiden Beamten erhoben. (dar/ghi/dwi)

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Heidi Müller

Wieso braucht es überall eine Partymeile? Polizeistunde sollte Mitternacht sein. Danach braucht es nirgends mehr Partylärm und Gesertesverstösse wegen Drogen und Alkohol. 

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