Berühmte Unfallopfer
Bist du Promi, hüte dich vor dem Auto!

Das Buch «99 Crashes» handelt von Autounfällen, die nicht vergessen wurden, weil die Opfer prominent waren. Eine kleine Auswahl.

Christoph Bopp
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Das war ein nagelneuer Porsche 550 Spyder. James Dean (24) wollte damit in Kalifornien ein Rennen fahren. «Ein paar Kilometer einfahren mehr können nicht schaden», sagte der Mechaniker.ULLSTEIN

Das war ein nagelneuer Porsche 550 Spyder. James Dean (24) wollte damit in Kalifornien ein Rennen fahren. «Ein paar Kilometer einfahren mehr können nicht schaden», sagte der Mechaniker.ULLSTEIN

ullstein bild

Lady Di
30. August 1997

Die «Mutter» aller Autounfälle: Der Unfalltod der Prinzessin in einer Pariser Unterführung. Am Steuer ein alkoholisierter Sicherheitschef des Hotels, in dem Diana Spencer und Dodi Al-Fayed zu Abend gegessen hatten. Massgeblich beteiligt die Fotografen der Yellow Press. Weil sie – wie immer, wenn sich Lady Di irgendwo zeigte –, auch hier wie die Motten ums Licht die Prinzessin umschwärmten, musste überhaupt erst Henri Paul ans Steuer. Zwischen 1,74 und 1,87 Promille Alkohol in seinem Blut wurde später gemessen. Dass er den Mercedes auf über 100 km/h beschleunigte, dürfte auch darauf zurückzuführen gewesen sein. Dass sich die Paparazzi dem Wagen an die Fersen heften würden, war absehbar. Dass Henri Paul sie um jeden Preis abschütteln wollte, eher nicht. Wie auch immer: Der Wagen krachte in einen Pfeiler, nur Leibwächter Trevor Rees-Jones auf dem Beifahrersitz überlebte. Dianas Lover Dodi Al-Fayed und der Fahrer Henri Paul starben am Unfallort, Diana erst später im Spital. Die Folge waren Massenhysterie und Verschwörungstheorien. Aber die Ursache des Unfalls war trivial: ein besoffener Chauffeur. Die Umstände natürlich anders gelagert: Die unglückliche Prinzessin, zermalmt durch das Räderwerk der Royal Family, der Sohn des Milliardärs, von der englischen High Society verachtet – nur: Warum fuhr man nicht in seinem Auto mit seinem Chauffeur?

James Dean
30. September 1955

Vor dem Crash in der Unterführung beim Pont d’Alma war der zerknautschte Porsche auf der Route 466 die Nummer 1 der Autoopfer. James Dean, 24, Schauspielhoffnung, fuhr auf einer Nebenstrasse mit 85 mph (ungefähr 137 km/h), als ein entgegenkommender Ford unverhofft links abbiegen wollte. Am Steuer der 23-jährige Student Donald Turnupseed. Er überlebte wie Deans Beifahrer, der Mechaniker Rudolf Karl «Rolf» Wütherich. James Dean hatte sich beim Frontalzusammenstoss das Genick gebrochen. Der frühe Tod begründete vielleicht nicht seinen Ruhm (in «Jenseits von Eden» war er gut, in «Denn sie wissen nicht, was sie tun» immerhin glaubwürdig), sicher aber seinen Mythos. Wen die Götter lieben, den nehmen sie jung zu sich. Oder die Erinnerung an einen zornigen jungen Mann, der seine Freiheit lebt. Die Chronisten werden nicht müde zu betonen, dass ein überlebender James Dean kaum diesen Kultstatus erreicht hätte. (Er war mittelmässig und homo-, mindestens bisexuell.) Wütherich übrigens starb schliesslich auch bei einem Unfall, hatte zuvor aber am Unfalltod von Dean psychisch schwer zu leiden und unternahm mehrere Suizidversuche.

Jörg Haider
10. Oktober 2008

In neuerer Zeit gibt es Menschen, meistens Männer, die politische Karriere machen, weil «sie aussprechen, was andere nur denken». Haider war einer der Ersten oder mindestens derjenige, der diese Masche am effektivsten durchzog. Mit seiner FPÖ brachte er nicht nur die schön austarierte Machtbalance in Österreich durcheinander, sondern auch die EU in Erregung. Dass Europa nicht gut fand, dass eine Partei wie die FPÖ mitregieren durfte, war sogar Thema einer «Arena»-Sendung des Schweizer Fernsehens. Als Haider seinen VW Phaethon besoffen (1,8 Promille) mit mehr als 142 km/h statt der erlaubten 70 km/h nicht mehr im Griff hatte, war er schon auf dem Abstieg. Die FPÖ hatte er verlassen, mit seiner neuen Partei kam er nicht mehr auf die alten Resultate. Dennoch wurde der Unfallort zum Wallfahrtsort. Und der Wirbel nach seinem Tod erreichte ein Niveau an Bizarrerie, das auch in «Kakanien» selten touchiert wird. Selbstredend wucherten die Verschwörungstheorien.

Isadora Duncan
14. September 1927

Heute schwer nachvollziehbar, aber Isadora Duncan elektrisierte mit ihrem Tanz die damalige Zeit. Sie löste sich von allen Stilvorstellungen, tanzte barfuss und liess auch hin und wieder einen Blick auf ihren Busen zu. Skandale begleiteten sie aber auch wegen ihrer Affären. Die Beziehung zum Auto war in mehrerer Hinsicht tragisch. Ihre zwei Kinder starben 1913, als der Chauffeur vergass, die Bremse anzuziehen und der Wagen mit ihnen in die Seine rollte. Zwei «normale» schwere Autounfälle 1913 und 1924 überlebte sie. 1922 hatte sie den 18 Jahre jüngeren russischen Dichter Sergej Jessenin geheiratet, die Sowjetunion besucht und sich dort einen roten Schal zugelegt. Den trug sie auch, als sie in Nizza zu ihrem Freund Ivan Falchetto ins Auto stieg. Der Schal verfing sich beim Anfahren in den Speichen des Hinterrades. Falchetto stoppte, aber zu spät.

Mary Jo Kopechne
18. Juli 1969

Der Unfalltod von Mary Jo verdient deshalb Erwähnung, weil er die Kennedy-Dynastie in den USA von der Macht verbannte. Joseph Kennedy, des alten Joe ältester Sohn, starb im Zweiten Weltkrieg. John F. Kennedy wurde Präsident, aber 1963 ermordet. Sein jüngerer Bruder Robert F. Kennedy wurde während der Präsidentschaftskampagne 1968 ermordet. Blieb Edward «Ted» Kennedy. Mary Jo Kopechne war neben fünf anderen Wahlhelferinnen im Wahlkampfteam von Bobby Kennedy. Auf Chappaquiddick Island, Massachusetts, gab es eine Party zu ihren Ehren. Um 23.15 Uhr verliess Mary Jo die Party zusammen mit Ted Kennedy. Er behauptete später, er habe ihr angeboten, sie auf die Fähre zu fahren. Der Wagen wurde aber später von einem Polizisten am Strassenrand gesehen und fuhr dann davon. Kennedy verfehlte eine Brücke, der Wagen stürzte ins Wasser. Er kam heraus, Mary Jo nicht. Er meldete den Unfall nicht der Polizei, sondern lief in der Gegend herum. Erst am anderen Morgen wurde der Wagen gefunden. Kennedy erhielt zwei Monate auf Bewährung und wurde nicht Präsident. Immerhin aber sehr lange Senator.

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