Pandemie
Zur Freude der Reiseanbieter: Aus touristischen Ländern wurden weniger Coronaviren eingeschleppt

Das deutsche Robert-Koch-Institut hat untersucht, in welchen Ländern sich die Menschen in den vergangenen Sommerferien angesteckt haben. Und zeigt ein überraschendes Resultat.

Bruno Knellwolf
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Gibt es diesen Sommer wieder unbeschwerte Ferien am Strand?

Gibt es diesen Sommer wieder unbeschwerte Ferien am Strand?

Sil / TOU

Liegen Italien-Ferien diesen Sommer drin, lässt die Coronasituation das zu? Diese bange Frage stellen sich viele Menschen in der Schweiz, die gerne wieder einmal das Meer sehen würden. Ein bisschen Hoffnung für die Touristiker macht nun das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) mit einer neuen Studie. Untersucht wurde, wie das Coronavirus in den vergangenen Sommerferien aus dem Ausland nach Deutschland eingeschleppt wurde.

Eine kleine Sommerferienwelle in Deutschland

In Deutschland war die Frühphase der ersten Welle durch einen hohen Anteil eingeschleppter Coronaviren geprägt. Nach dem ersten Lockdown fielen in Deutschland wie auch der Schweiz die Fallzahlen bis zum Sommer deutlich. Bevor im Herbst überall die Fallzahlen hoch gingen, konnte in Deutschland eine Sommerferienwelle festgestellt werden.

Deren Ursache ist das Robert-Koch-Institut nachgegangenen und hat eine Liste der Länder erstellt, in denen sich die meisten Reiserückkehrer zwischen Mitte Juli und Mitte September angesteckt hatten. Zuoberst auf der Liste stehen der Kosovo, Kroatien, die Türkei, Bosnien und Herzegowina und Rumänien. Erst auf dem sechsten Platz folgt Spanien und mit deutlich weniger reiseassozierten Fällen Frankreich auf dem siebten Platz. Noch weniger infizierte Reiserückkehrer kamen aus Italien.

Aus Ländern, aus der Vertragsarbeiter kommen

Also aus jenen Ländern, in denen die Deutschen weniger aus familiären als aus touristischen Gründen gereist sind. Viele dafür aus Ländern, aus den Vertragsarbeiter nach Deutschland kommen, wie Rumänien und Bulgarien und Heimatländer von Einwanderern wie der Türkei und dem Kosovo. Die infizierten Reisenden seien im Gesamten recht jung gewesen und deshalb deutlich weniger im Spital gelandet.

Das Robert-Koch-Institut schränkt allerdings ein, dass nicht alle Heimkehrer gleich stark getestet wurden, sondern je nach Risikobeurteilung des Landes häufiger. Der Kosovo und die Türkei waren zum Beispiel über die ganze Sommerferienzeit Risikogebiete. Deshalb mussten sich alle Rückkehrer aus diesen Ländern testen lassen. Die tieferen Zahlen in Spanien oder Frankreich könnten zum Teil auch damit zu tun haben, dass diese Länder erst später zum Risikogebiet erklärt wurden und infizierte Reisende wegen der geringeren Testaktivität eventuell weniger entdeckt wurden.

Coronatest in Berlin. (Symbolbild)

Coronatest in Berlin. (Symbolbild)

Filip Singer / EPA

Wenig Kontakte zur einheimischen Bevölkerung

Die höheren Ansteckungszahlen in den oben gelisteten Ländern erklärt das aber nicht alleine. Dafür hat das RKI andere Erklärungen. Warum zum Beispiel wenige Reisende das Virus aus dem stark coronaverseuchten Spanien gebracht haben. Ferienreisende in bekannte Ferienländer, an schöne Badeorte und in Hotelanlagen hatten gemäss den deutschen Forschern in den Sommerferien 2020 wenig Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und damit auch eine geringere Ansteckungsgefahr im Verhältnis zur Pandemie-Situation des Reiselands. «Ganz im Gegensatz zu Personen, die zu Familienbesuchen in ihre Herkunftsländer reisten», schreiben die Studienautoren des Robert-Koch-Instituts. Die geringere Zahl an eingeschleppten Covid-19-Fällen aus touristischen Reiseländern könnte auch damit zu tun haben, dass Übernachtungen in Hotels strengen Hygienevorschriften unterlagen.

Die Sommerferienwelle sei im Herbst dann schnell von der zweiten viel stärkeren Coronawelle überrollt worden, schreiben die Studienautoren. In dieser spielten reisebedingte Infektionen nur eine sehr untergeordnete Rolle, weil die Übertragung im Land selber überwog.

Deutsche Touristiker sind erfreut

Die Forscher heben aber trotzdem die Wichtigkeit von Tests von Reisenden heraus: «Ohne die breite Testmöglichkeit von Einreisenden wäre ein hoher Anteil der so erkannten Fälle verborgen geblieben.» Damit wäre die Eintragung der Coronaviren durch Reisende in die Allgemeinbevölkerung deutlich höher gewesen. Um alle Coronafälle von Reisenden zu erfassen, müssten diese nach dem Robert-Koch-Institut allerdings mehr als einmal nach der Rückreise getestet werden.

Die Studie des Robert-Koch-Instituts ist von den Touristikern in Deutschland mit Freude aufgenommen worden. Diese bangen wegen der Coronamassnahmen um die Osterferien.