Urzeit
Auf den Spuren der Vegi-Dinosaurier

Vor Millionen Jahren existierten die riesigen Langhalsdinosaurier. Wovon diese lebten, erzählt Saurierexperte Hans-Jakob Siber.

Riccardo Castellano
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Skelett des Brachiosaurus von Tendaguru, der vor 140 Millionen Jahren gelebt hat. Fotografiert im Sauriermuseum Aathal. (Archiv)

Skelett des Brachiosaurus von Tendaguru, der vor 140 Millionen Jahren gelebt hat. Fotografiert im Sauriermuseum Aathal. (Archiv)

Keystone

Sie waren über 20 Meter gross und wogen so viel wie mehrere Lastwagen: Die urzeitlichen Pflanzenfresser, wie der Brachiosaurier, waren gigantisch. Der Grösse entsprechend war auch der Appetit. Doch von welchen Gewächsen nährten sich diese Dinosaurier? Die Frage ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Denn das Gras, wie wir es heute kennen, gab es früher in dieser Form noch nicht. Hans-Jakob Siber, Gründer des Sauriermuseums in Aathal, ist dieser Frage zusammen mit einem Forscherteam aus Bonn nachgegangen.

Hans-Jakob Siber 2010 bei der Arbeit im Dana Quarry, Wyoming. (Archiv)

Hans-Jakob Siber 2010 bei der Arbeit im Dana Quarry, Wyoming. (Archiv)

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Erste Hinweise auf die Nahrungsroutine lieferten laut Siber die Gebisse. Fleischfresser hätten spitzigere, schärfere Zähne, während die Pflanzenfresser eher einfache Schnittflächen besassen. Fossiler Kot hingegen war wenig aussagekräftig: Bei den Pflanzenfressern sei alles aufgelöst und schwierig zu analysieren. Bei den Fleischfressern sei es aber deutlicher, dort waren Knochenstücke von Beutetieren vorzufinden.

Die Forscher konnten nun anhand von jahrzehntelang gesammelten fossilen Hölzern und Pflanzen ihre erste Theorie entwickeln: «Wir gehen davon aus, dass die Vorfahren von Gewächsen wie Araukarien und Schachtelhalmen eine wichtige Nahrungsquelle darstellten», sagt Siber. Die Vorfahren dieser Gewächse haben vor Millionen von Jahren vermutlich die Grösse von Bäumen gehabt. Das passe auch mit der Grösse der Saurier zusammen, die mit ihren langen Hälsen die Blätter erreichen konnten.

Die riesigen Pflanzen waren für die Langhälse auch sehr energiereich, wie ein Experiment des Forscherteams zeigte: Sie mischten verschiedene Nachfahren der Pflanzen in die Magensäure einer Kuh. Es stellte sich heraus, dass sie viel mehr Energie abgaben als herkömmliches Gras.

Flexible Vegetarier

Komplett vegetarisch waren die Urzeittiere laut Siber aber sehr wahrscheinlich nicht: «Bären und Affen sind grundsätzlich auch vegetarisch, passen sich jedoch an und essen ab und zu auch Fleisch.» Dasselbe könnte auch bei den Dinos vorgefallen sein. Die Gebisse der Pflanzenfresser waren durchaus auch fähig, lebende Kleintiere zu verspeisen. Auch urzeitliche Früchte kämen infrage, von denen wisse man aber so gut wie nichts.

Das Sauriermuseum Aathal wird zu diesem Thema Ende April eine Spezialausstellung präsentieren. Die Ausstellung zeigt Sibers Sammlung von Millionen Jahre alten fossilen Hölzern und Pflanzen. «Ich sammle seit über 40 Jahren versteinerte Hölzer», sagt Siber. Jetzt sei die Gelegenheit, diese rare Sammlung der Öffentlichkeit zu zeigen. Unter den über 100 ausgewählten Stücken finden sich beispielsweise auch Vorfahren der in der Schweiz bekannten Eiche und Buche.

Veranstaltung: Die Ausstellung «Wunderwelt fossiles Holz» des Sauriermuseums Aathal beginnt ab Freitag, 21. April. Die Ausstellung vergegenwärtigt die über 400 Millionen Jahre alte Geschichte der Pflanzen.

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