Verwinkelte Gassen, Fado-Lokale, nahe Strände: Portugals «Perle am Atlantik» war schon früher eine Reise wert. Doch derzeit ist Lissabon so hip, cool und spannend wie keine zweite Trendmetropole in Europa. Stars wie Monica Bellucci, Harrison Ford und Ricky Martin haben sich hier Häuser gekauft. Pop-Queen Madonna hat sogar ihren Hauptwohnsitz in Lissabon.

Die Stadt boomt. Clubs, Museen, Kulturzentren und trendige Geschäfte schiessen wie Pilze aus dem Boden. Auch kulinarisch mausert sich Lissabon. Die portugiesische Traditionsküche wandelt sich, wird raffiniert und avantgardistisch uminterpretiert und zieht damit Feinschmecker aus der ganzen Welt an.

«Lange galt Portugals Küche als sehr rustikal, einfach und deftig. Durch die Nähe zum Meer, unsere Kolonialgeschichte mit einem regen Gewürzhandel und eine nie da gewesene Kreativität einer neuen Generation von Chefs ist Lissabon heute ein internationaler Gourmet-Treffpunkt», sagt João Rodriguez. Er wird verlegen und muss lachen, während er in seinem Sterne-Restaurant Feitoria frischen Fisch, eingehüllt in Winterblätter, serviert. Denn er ist selber einer aus der neuen Generation von Chefs.

Junge mischen die Szene auf

Eine traditionelle Gaststätte – «Tasca» genannt – stammt aus Zeiten, in denen die Gäste noch keinen Wert auf ein besonders originelles Interieur legten. Man wollte einfach gut und preiswert essen. Die Portionen sind in diesen Restaurants meistens reichlich. Auf den Tellern wird viel Fisch und Fleisch serviert. Dazu einige Salatblätter als Standardgemüse.

In João Rodriguez’ Sterne-Küche im Hotel Altis Bélem am Tejo-Ufer sieht das etwas anders aus. Hier gibt es «Kabeljau im Kohlbett» oder frische, tiefrote Riesengarnelen. Dabei konzentriert er sich auf das Wesentliche: «Ein frischer Wolfsbarsch aus dem Meer vor Portugal braucht bloss ein bisschen Salz, damit er perfekt wird», sagt Rodriguez. Alles andere sei zu viel.

Der aktuelle Star der Branche ist José Avillez. Sein Restaurant Belcanto ist mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet und liegt gleich gegenüber dem Geburtshaus des portugiesischen Nationaldichters Fernando Pessoa. In einem dezent eleganten Ambiente bietet Avillez die derzeit beste Küche der Stadt. Dort erleben Gäste, warum er zu den «jungen Wilden» der portugiesischen Küche gehört: Knusprige Hühnerhaut verbindet er mit Avocados, Bacalao-Stockfisch, und Algen-Cones werden mit Tuna-Tartar in einem Blumenbouquet serviert.

Bereits 2012, im Jahr der Eröffnung, erhielt Avillez’ Restaurant seinen ersten Stern im Guide Michelin. 2014 kam der zweite hinzu. Mit seinen aussergewöhnlichen Kreationen wurde sein Restaurant Belcanto im Jahr darauf in die Liste der 100 besten Restaurants der Welt aufgenommen.

Seine Kreationen lassen sich preisgünstiger im Bairro do Avillez probieren. Bairro bedeutet auf Portugiesisch «Stadtviertel»; Avillez vereint verschiedene Restaurants, Bars und Delikatessshops in einem grossflächigen Gastro-Areal. Essstände de luxe gibt es auch im kürzlich restaurierten «Time Out Market». Dort kommen Street-Food-Fans auf ihre Kosten.

Klassiker: nicht zu vergessen

Etwas luxuriöser geht es im trendigen JNcQUOI-Restaurant zu und her, wo der italienische Modezar Valentino kürzlich den Geburtstag seines Freundes gefeiert hat. Pop-Queen Madonna sass mit am Tisch. Danach ging es in den Keller mit der angesagten Cocktail-Bar, mit Delikatessladen und integriertem Mode-Geschäft.

Den schönsten Panoramablick bietet hingegen das Restaurant SUD Lisboa. Im neuen In-Restaurant lässt sich nicht nur die erstklassige mediterrane Küche geniessen, sondern auch der schönste Blick auf den Tejo und die Brücke des 25. April. Abends legen hier gefragte DJs auf.

Lissabons Gastro-Szene hat sich zwar gewandelt. Deshalb sollte man aber nicht auf die Klassiker verzichten: Etwa sich in den steilen Gassen im Altstadtviertel Alfama verlieren und in einem der zahlreichen Fisch-Restaurants frische Sardinen vom Grill geniessen.

Und natürlich gehört es zu jedem Lissabon-Besuch, in der bekannten Stadt-Bäckerei «Pastel de Belém» die leckeren Vanillepuddingtörtchen «Pastel de Nata» zu probieren und im «Café A Brasileira» neben der Bronzestatue Fernando Pessoas einen Kaffee zu geniessen – so wie es hier täglich Portugals berühmtester Dichter tat.